Der Langstreckenpolitiker

Der Mann hat Stehvermögen: Seit nunmehr 27 Jahren macht Bernhard Antener Lokal- und Kantonspolitik. Jetzt steht der Rechtsanwalt vor der Wahl zum Grossratspräsidenten und vor seiner 6. Wiederwahl als Gemeindepräsident von Langnau.

«Wir können uns nicht leisten, Befindlichkeiten zu pflegen»: Gemeindepräsident, Grossrat und Anwalt Bernhard Antener in seiner Lagnauer Kanzlei.

«Wir können uns nicht leisten, Befindlichkeiten zu pflegen»: Gemeindepräsident, Grossrat und Anwalt Bernhard Antener in seiner Lagnauer Kanzlei. Bild: Hans Wüthrich

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Die Feier ist vorbereitet, die Einladungskarte versandt: Ein Cartoon zeigt eine muntere Horde von Langnauern, die sich von ihrem Gemeindepräsidenten über die Nydeggbrücke geleiten lässt, während zwei Bären sich staunend zuraunen: «Di si cheibe guet, di Langnouer.» Das Bild der geselligen Runde trübt nur ein Detail: An die Fahne der SCL Tigers ist schwarzer Trauerflor gebunden.

Noch ist der schmerzliche Abstieg der Eishockeyaner in die Nationalliga B nicht verdaut. Darüber kann auch die Vorfreude auf die Wahl des «Ur-Langnauers» Bernhard Antener zum neuen Grossratspräsidenten nicht hinwegtäuschen. Am 3.Juni wird das Kantonsparlament einen Politiker zum höchsten Berner wählen, der von links bis rechts anerkannt wird. «Intelligent», «kompetent», «schnell», «sympathisch», «offen», «rhetorisch brillant»: Der Sozialdemokrat geniesst weit ins bürgerliche Lager hinein viel Wertschätzung.

Heinz Siegenthaler etwa, der BDP-Kantonalpräsident, sass 12 Jahre mit ihm in der Finanzkommission - und schwärmt: «Ein hervorragender Kollege, der nicht parteipolitisch, sondern sachbezogen argumentiert.» BDP-Nationalrat Hans Grunder kennt Antener aus seiner Zeit als Präsident der SCL-Tigers und als Grossrat: Als Gemeindepräsident sei er «sehr umgänglich», im Grossen Rat habe er jeweils vehement sein Parteibuch vertreten: «Das führte häufig zu einem offenen Schlagabtausch, aber immer in gutem Ton.»

Selbst ein Thomas Fuchs von der SVP attestiert ihm gute Dossierkenntnisse: «Er ist sehr ambitioniert und redet nur, wenn er sattelfest ist. Und er greift selten Leute persönlich an.» Allerdings, so Fuchs, aus bürgerlicher Sicht sei er «ein harter Gegner»: «Er ist viel linker, als die meisten meinen.»

Der Vermittler

Bernhard Antener – ein roter Wolf im Schafspelz? Auf den ersten Blick erstaunt tatsächlich, wie sich ein SPler seit fast drei Jahrzehnten in den SVP-Stammlanden eines Emmentals halten kann. Er sei eben immer auch Arbeitgeber gewesen, erklärt Antener selber und ergänzt: «Eine ländliche SP ist nie so weit links wie eine städtische.» Zudem zwinge ein strukturschwaches Gebiet, in dem die Steuereinnahmen spärlicher fliessen als in einer Agglomeration, zu überparteilichen Lösungen und geschlossenen Auftritten. Antener: «Wir können uns nicht leisten, Befindlichkeiten zu pflegen.»

Dazu kommt, was er als Anwalt im Gericht und als Politiker im Rathaus gelernt hat: «Das Gespür des Vermittelns.» Gepaart mit einem zugänglichen Führungsstil und einer guten Diskussionskultur führt dies dazu, dass in seinen bald 20 Jahren als Gemeindepräsident im Ratskollegium nie ein anhaltender Konflikt gärte. Und: Dieser geschlossen auftretende Gemeinderat musste erst eine einzige Volksabstimmung über eine Einzonung verloren geben.

Der Stänkerer

Anteners Einstieg in die Politik verlief allerdings keineswegs so harmonisch: Als er mit 27 Jahren ins Gemeindeparlament gewählt wurde, begann er sogleich allseits zu nerven – mit Voten in praktisch jeder Sitzung zu allen möglichen Themen, mit kritischen Fragen und mit zahlreichen Vorstössen. Der Eifer des stänkernden Jungspunds gipfelte in einer Gemeindebeschwerde gegen einen Mehrheitsentscheid seiner Parlamentskollegen. «Da hatten sie mich gar nicht lieb», stellt Antener rückblickend fest, «ich war ihnen zu kritisch und hatte eben weniger Beisshemmungen als viele Ratskollegen, die sich nicht getrauten, etwas zu sagen.»

Der Ausdauersportler

Dass Bernhard Antener später jeweils mit einem Ostblock-Wahlresultat von 90 Prozent in seinem Amt als Gemeindepräsident bestätigt wurde, hat weniger mit der Parteifarbe als mit seiner Verwurzelung im Dorf zu tun. Er hatte zwar nie Eishockey gespielt, wie es sich für waschechte Langnauer Giele gehört, sondern Fussball. Und in der Kadettenmusik, damals noch militärisch korrekt in Uniform, lernte er, die Posaune zu spielen. Die Blasmusik sollte ihn bis heute begleiten, zunächst in der Militärmusik, in der Dorfmusik und jetzt im Musikverein Langnau-Trubschachen.

Allzu Persönliches aus seiner Kindheit mag Antener nicht erzählen: «Das ist nicht relevant.» Der Vater war Briefträger, die Mutter Schneiderin, die ganze Familie war sportlich aktiv. Bärnu war ein «braver Schüler», dann ein «durchschnittlicher Gymeler», der schon früh Jurist werden wollte. Während des Studiums schrieb er Matchberichte über die Tigers für den «Bund» und für den «Sport». Auch Nachtarbeit war während des Studiums angesagt: in der Berner Schanzenpost und im Langnauer Altersheim.

Als Familienvater verlegte er seine sportlichen Aktivitäten zusammen mit seiner Frau aufs Laufen – und zwar gleich über die ganz langen Strecken: Sie schaffte unter anderem den Hunderter von Biel, er lief den Grand Prix von Bern, den Napf-Marathon, den Jungfrau-Marathon und den Hamburg-Marathon – alles mehrmals. Inzwischen will das Knie nicht mehr recht, Antener, leistungsbewusst wie eh und je, wechselte zu Nordic Walking, Biketouren und Langlauf, selbstredend jeweils wiederum über lange Distanzen.

Der Sesselkleber

Zeit zum Trainieren bleibt an den Wochenenden und in den Randstunden: Ab 6.15 Uhr ist der Rechtsanwalt im Büro anzutreffen. So sind noch vor der Fahrt in die Session nach Bern erste Termine möglich. Und weil Anteners seit Jahren kein Auto mehr besitzen, bleibt im Zug jeweils Zeit zum Aktenstudium.

«Er ist eine Kämpfernatur», sagt Andreas Aebi, der Sekundarlehrer, der Bärnu seit der Jugendzeit als «sehr kontaktfreudigen und geselligen» Menschen kennt. Früher hätten sie die Sesselkleber in der Politik hart kritisiert, sagt Aebi, nun tritt sein WG-Kumpel Bernhard Antener an, um sich am 3.November erneut zum Gemeindepräsidenten wählen zu lassen. Es wird seine 6.Amtsperiode sein. Denn die Bürgerlichen, die mit einem Wähleranteil von rund 70 Prozent die Langnauer Politik dominieren könnten, haben bisher bloss einen ziemlich chancenlosen Gegenkandidaten von der FDP hervorgebracht. Der wird die Wiederwahl eines Bernhard Antener kaum gefährden. Er selber warnt zwar davor, die Wahl auf die leichte Schulter zu nehmen.

Dann aber, nach den nächsten 4 Jahren als Gemeindepräsident, will auch der Ausdauerläufer aufhören. «Gestaffelter Ausstieg» nennt Antener seine letzten Runden in der Lokal- und Kantonspolitik. Und begründet dies mit dem anstehenden Wechsel auf den Präsidentenstuhl im Grossen Rat: «Wer einmal da vorne sass, der muss aufhören.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.05.2013, 11:18 Uhr

Bernhard Antener

Ein verregneter Dienstagmorgen in der Anwaltskanzlei an der Kirchgasse 9 in Langnau. Gerade noch rechtzeitig auf den
Gesprächstermin eilt Bernhard Antener mit einem Plastiksack voller Prospekte herein. Der Besuch einer Delegation aus den USA hatte sich verzögert.

Am Nachmittag wird er seine Kanzlei erneut verlassen: Das Büro des Grossen Rates wird das Programm der Junisession zu besprechen haben. Nach einer knappen Woche Ferien auf Mallorca ist Anteners Terminkalender umgehend wieder randvoll. Seine Wahl zum Parlamentspräsidenten am 3. Juni wird daran nichts ändern – im Gegenteil.

Bernhard Antener ist am 17.Dezember 1958 geboren. Er studierte Jus an der Uni Bern, erwarb 1987 das Fürsprecherdiplom, arbeitete dann bei der Post und seit 2002 als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Anwaltskanzlei in Langnau.

Von 1986 bis 1992 gehörte das SP-Mitglied dem Grossen Gemeinderat von Langnau an, dann wurde er Gemeinderat, und seit 1994 ist er Gemeindepräsident im Nebenamt. Vier Jahre später wurde er in den Grossen Rat gewählt. Bernhard Antener ist verheiratet, ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen, begeisterter Ausdauersportler und Musiker.

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