Der Briefumschlag des Schreckens

Die Einwohner in der Umgebung des AKW Mühleberg haben einen dicken Briefumschlag erhalten. Darin informiert der Kanton Bern umfangreich und in dramatischem Ton über das Vorgehen im Ernstfall. Spielt Fukushima eine Rolle?

Plastikmappe mit dem verschickten Informationsmaterial und den vorgängig erhaltenen Iod-Tabletten.

Plastikmappe mit dem verschickten Informationsmaterial und den vorgängig erhaltenen Iod-Tabletten.

(Bild: Jon Mettler)

Jon Mettler@jonmettler

Gleich auf der Rückseite des Briefumschlags wird das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern sehr deutlich: «Wie alle Einwohner in Ihrer Gemeinde leben Sie im Umkreis von 20 km um ein Kernkraftwerk», heisst es da. «Die Nukleartechnologie wird als sehr sicher erachtet. Es ist jedoch Aufgabe der Behörden, das Schadensrisiko bei einem Unfall maximal zu reduzieren. Deshalb erhalten Sie heute diesen Briefumschlag.»

Wer das Couvert öffnet, findet darin eine Plastikmappe, eine umfangreiche Informationsbroschüre, ein Faltblatt sowie einen Zonenplan. Der Kanton fordert einem auf, die Mappe mit den beigelegten Materialien und den separat verschickten Kaliumiodid-Tabletten zu bestücken und «an einem gut zugänglichen Ort Ihrer Wohnung» zur Aufbewahrung aufzuhängen. Das sind ganz neue Vorgaben des Kantons an seine Einwohner.

Kanton Bern verschickt 256'000 Dossiers

Insgesamt 256‘000 Dossiers hat der Kanton Bern versandt. Schweizweit sind es 628‘000. Die Information der Bevölkerung in der Umgebung von AKW zählt zu den gesetzlich vorgeschriebenen Notfallschutzmassnahmen, welche die Behörden ergreifen müssen.

Knapp ein Jahr nach der Kernschmelze in Fukushima sieht es also ganz danach aus, als habe der Super-GAU in Japan die zuständigen Behörden aufgeschreckt. Das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär widerspricht: «Die aktuelle Informationskampagne ist keine Reaktion auf den Kernkraftwerk-Unfall vom März 2011 in Fukushima», sagt Olivier Andres, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Die entsprechenden Planungen seien bereits wesentlich früher gestartet worden.

«Auch der Zeitpunkt für die Verteilung wurde bereits vor den Ereignissen in Fukushima festgelegt», so Andres. Die Informationsunterlagen seien jedoch «nach den Ereignissen in Fukushima nochmals überprüft und in Einzelheiten angepasst worden».

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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