Das sind die Risiken für das AKW Mühleberg

Die BKW gibt sich noch nicht geschlagen und kämpft weiter für ihr Atomkraftwerk in Mühleberg. Jetzt geht es um die Erdbeben- und Hochwassersicherheit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Berner Energiekonzern BKW ist derzeit stark gefordert. Zahlreiche Berichte, neue Sicherheitskonzepte, Analysen und Verfahren für Bewilligungen für das AKW Mühleberg müssen erstellt und fristgerecht eingereicht werden. Je nach Entscheid der Behörden hat dies für die BKW weit reichende Konsequenzen. An den fünf folgenden Fronten ist die BKW gefordert, wenn sie einen Weiterbetrieb des AKW Mühleberg nach 2013 erreichen will.

Betriebsbewilligung

Die BKW setzt sich weiter für eine unbefristete Betriebsbewilligung ein. Dafür zieht der Berner Energiekonzern den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts von letzter Woche ans Bundesgericht weiter, wie die BKW am Mittwoch bekannt gab. Das Bundesverwaltungsgericht hatte einen Entscheid des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) nicht gestützt, welcher der BKW für das AKW Mühleberg eine unbefristete Betriebsbewilligung erteilt hatte.

Wird das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt, muss die BKW für den Betrieb des AKW Mühleberg ein Instandhaltungskonzept einreichen. Das Uvek müsste gestützt darauf dann noch einmal prüfen, ob es eine Betriebsbewilligung erteilen kann. Die BKW-Verantwortlichen hoffen, dass die Richter in Lausanne dem Bundesverwaltungsgericht widersprechen. Dann hätte die BKW zumindest eine unbefristete Betriebsbewilligung. Damit hätte die BKW einen juristischen Kampf weniger zu führen. Ob allerdings das AKW weitere Jahre – wohl bis ins Jahr 2022 – in Betrieb sein würde, wäre damit noch nicht sicher.

Erdbebensicherheit

Um das AKW Mühleberg weiterbetreiben zu können, muss die BKW dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) nachweisen, dass das AKW Mühleberg einer Kombination eines 10'000-jährlichen Hochwassers und eines 10'000-jährlichen Erdbebens standhalten würde. Darunter fällt auch der Damm des Stauwehrs Mühleberg. Bis Ende März wird die BKW beim Ensi die verlangten Berechnungen für die Standfestigkeit einreichen. Voraussichtlich Ende Juni wird das Ensi beurteilen, ob das Stauwehr einem so starken Erdbeben standhalten würde.

Die BKW gab am Mittwoch bekannt, dass ungeachtet dieses Ensi-Entscheides der Damm mit 20 Meter langen Pfählen verstärkt wird. Würde das Ensi das Stauwehr in der heutigen Form – also ohne die geplanten Pfähle – als nicht erdbebensicher beurteilen, würde dies die sofortige Abschaltung des AKW Mühleberg bedeuten.

Wasserzufuhr

Im Zusammenhang mit dem geforderten Nachweis für die Erdbeben- und Hochwassersicherheit muss die BKW für den Notfall eine von der Aare unabhängigen Wasserzufuhr installieren. Dies für den Fall, dass aus der Aare nach einem Erdbeben oder Hochwasser kein Wasser mehr für die Kühlung des Reaktors entnommen werden kann. Bereits im letzten Herbst hat der Stromkonzern beschlossen einen sogenannten Kompaktkühler zu bauen.

Dabei handelt es sich um ein massives Betonbauwerk, das aus der Umgebung kalte Luft anzieht und damit das aufgeheizte Wasser aus dem AKW abkühlt. Am Mittwoch sagte aber BKW-Chef Kurt Rohrbach, dass zusätzlich der Bau einer unterirdischen Leitung vom Grundwasserstrom der Saane zum AKW Mühleberg und die Errichtung eines Wasserreservoirs oberhalb des AKW geprüft werde.

Auch dieses Thema ist für das AKW Mühleberg ein Damoklesschwert. Erachtet das Ensi die vorgesehenen Massnahmen als ungenügend, müsste die BKW noch einmal über die Bücher oder das AKW Mühleberg abschalten.

Kernmantel

«Der Kernmantel ist ein polarisierendes Thema», wie Rohrbach gestern vor den Medien sagte. Seit längerem ist bekannt, dass die Schweissnähte des Kernmantels im AKW Mühleberg Risse aufweisen. AKW-Gegner machen bei jeder Gelegenheit auf diese Risse aufmerksam, im Wissen darum, dass der Laie die beiden Wörter Risse und Atomkraftwerk sofort mit Unsicherheit und Gefahr assoziiert. Von Gefahr kann aber laut BKW-Chef Rohrbach keine Rede sein. Denn der Kernmantel selber stehe nicht unter Druck. Selbst bei einem Störfall hätten die feinen Risse am Kernmantel keine Auswirkungen auf die Sicherheit des Kernkraftwerkes, wie Rohrbach betonte.

Bereits seit 1996 wurde der Kernmantel mit sogenannten Zugankern zusätzlich stabilisiert. Das Ensi ist aber zum Schluss gekommen, dass langfristig zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Der Lösungsvorschlag der BKW sieht nun vor, die vier bestehenden Zuganker durch stärkere zu ersetzen und zusätzlich zwei weitere einzubauen. Ein Austausch des ganzen Kernmantels kommt für die BKW aus finanziellen Gründen nicht infrage. Ein neuer Kernmantel würde zwischen 300 und 500 Millionen Franken kosten.

Kostenrisiko

Ob der Berner Energiekonzern ihr AKW für rund zehn Jahre weiterbetreiben wird, hängt nicht nur von den Entscheiden der Sicherheitsbehörden ab. Es geht vor allem auch um die Kosten, die all die geforderten Sicherheitsvorkehrungen verursachen würden. Die BKW wird die teuren Nachrüstungen nur machen, wenn sich diese Investitionen als wirtschaftlich erweisen werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.03.2012, 10:18 Uhr

Artikel zum Thema

BKW hält am AKW Mühleberg fest

Der bernische Energiekonzern BKW gibt sein Atomkraftwerk in Mühleberg nicht so schnell auf: Er zieht das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weiter und treibt zugleich die Planung der verlangten Nachrüstungen voran. Mehr...

Mühleberg-Gegner sind enttäuscht:«BKW spielt auf Zeit»

Mit Enttäuschung haben Gegner des AKW Mühleberg auf den Entscheid der BKW reagiert, das Urteil zur Betriebsbewilligung ans Bundesgericht weiterzuziehen. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Waagrechtstart: An den Festlichkeiten des St. Juliantag in Malta, springt ein Wettkämpfer von einem rutschigen Pfahl und schnappt sich die Fahne über dem Wasser. (20.August 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi ) Mehr...