Das Seeland ist ein Sorgenkind der SP

Der Seeländer Wahlherbst bringt es an den Tag: Für die Sozialdemokraten ziehen immer mehr düstere Wolken auf. SP-Parteisekretär Daniel Furter räumt ein, dass die SP Wählerinnen und Wähler verliert.

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Lucia Probst

Die SP musste im Seeland in letzter Zeit etliche Wahlniederlagen einstecken. Jüngstes Beispiel: Die Seedorfer SP verlor am Sonntag ihren einzigen Sitz im Gemeinderat. Sind Sie in der Berner Parteizentrale alarmiert, Herr Furter? Furter: Wir haben im Seeland tatsächlich Schwierigkeiten. Das hat sich vor allem bei den Grossratswahlen diesen Frühling deutlich gezeigt. Wir haben im Seeland viel verloren. Natürlich haben wir im Parteisekretariat auch bereits über die Seedorfer Wahlniederlage von diesem Sonntag gesprochen.

Und, wie lautet Ihr Fazit? Das Ergebnis in der Gemeinde Seedorf ist wohl ein typisches Beispiel. Eine engagierte Person tritt von ihrem Amt zurück. Dann gibt es ein Loch bei der Nachfolge – und der Sitz ist weg. Wir werden aber noch detaillierter analysieren, wie die Niederlage in Seedorf zustande gekommen ist.

Inwiefern? Lag es an den Köpfen? Oder an der Kampagne? Das wollen wir jetzt sicher noch genauer wissen. Ein wichtiger Faktor ist sicher auch, dass diesmal die BDP und die Grünen mit eigenen Listen antraten. Die Konkurrenz für uns war weit grösser.

Im Seeland fällt auf, wie erfolgreich die BDP bei Wahlen ist – oft auf Kosten der SP, oder? Die SP-Wählerschaft auf dem Land ist nicht so dezidiert links wie jene in der Stadt. Zudem mobilisiert der Zweikampf zwischen BDP und SVP viele Wähler. Ja, wir stellen durchaus fest, dass wir an die BDP verlieren.

Was erhält eine Ortssektion von Ihrer Zentrale für Support bei Wahlen? Wir bieten einer Sektion zum Beispiel bei Gemeindewahlen einen Kampagnenworkshop für den Wahlkampf an und stellen ihr auch Material zur Verfügung.

Ist das Seeland Ihr spezifisches Sorgenkind? Wir haben es auch in andern ländlichen Gebieten teils schwierig. Im Emmental und im Berner Oberland zeigt sich ein sehr ähnliches Bild.

Wie erklären Sie sich das? Die Gemeinden sind klein, wir haben oft Probleme, überhaupt Kandidierende zu finden. Sektionen verwaisen oder schliessen sich zusammen. Es gibt immer weniger Leute, die sich politisch engagieren wollen. Das geht aber nicht nur uns, sondern auch anderen Parteien so.

Was tun Sie gegen diesen Trend? Das ist nicht so einfach. Letztlich steht und fällt praktisch alles damit, wie sehr sich Leute vor Ort engagieren. Es braucht gute Köpfe. Die werden in einem Dorf auch gewählt. Egal, welcher Partei sie angehören. Aber die können wir nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Ein Beispiel für einen solchen Kopf? Da kann ich Ihnen sogar ein Beispiel aus dem Seeland liefern. In Aegerten hat der damals 26-jährige SP-Mann Stefan Krattiger vor einem Jahr das Gemeindepräsidium erobert, und die SP hat die Mehrheit im Gemeinderat. Dabei hat auch Aegertens SP nicht nur goldige Zeiten erlebt.

Berner Zeitung

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