Berufsabschluss ohne Lehre? In diesen drei Berufen wird dies bald möglich

Maurer, Köche und Restaurationsfachleute können ab Januar 2016 im Kanton Bern einen Berufsabschluss erhalten, ohne eine entsprechende Lehre absolviert zu haben. Möglich wird dies durch das sogenannte Validierungsverfahren.

Wer über genügend Berufserfahrung verfügt, kann künftig als Koch einen Berufsabschluss erhalten – auch ohne absolvierte Lehre (Symbolbild).

Wer über genügend Berufserfahrung verfügt, kann künftig als Koch einen Berufsabschluss erhalten – auch ohne absolvierte Lehre (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Dominik Galliker@DominikGalliker

«Validierung» heisst das Verfahren, und man wird damit ganz ohne Ausbildung zu einer Kauffrau, zu einem Detailhandelsfachmann oder einer Produktionsmechanikerin. 2009 hat der Kanton diese Möglichkeit für Menschen geschaffen, die bereits eine langjährige Erfahrung in ihrem Beruf mitbringen, aber nie eine Ausbildung abgeschlossen haben.

«Hin und wieder rufen bei uns Leute an, die sagen: Ich habe zehn Jahre als Mechaniker gearbeitet, bitte schicken Sie mir den Fähigkeitsausweis», erzählt Franziska Berger, Ausbildungsberaterin beim kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt. Aber so einfach sei es natürlich nicht. In einem Verfahren, das mindestens ein Jahr dauert, wird geprüft, ob man die Voraussetzungen erfüllt. Grundlage ist ein Dossier, das der Kandidat selber verfassen muss. Fehlen Kompetenzen, muss er diese nacharbeiten.

Drei neue Berufe

Der Kanton will das Angebot nun ab 2016 auf drei weitere Berufe ausweiten: Maurer EFZ, Köchin EFZ und Restaurationsfachmann EFZ. Dies, weil er «sehr gute Erfahrungen» mit der Validierung gemacht habe, wie die Erziehungsdirektion in einer Medienmitteilung schreibt. «Wir konnten vielen Kandidaten in einer angemessenen Zeit zu einem Abschluss verhelfen», sagt Franziska Berger. Allein heute seien 480 Validierungsverfahren am Laufen.

Bei den Kandidaten handle es sich nicht in erster Linie um Migranten, deren Ausbildung in der Schweiz nicht anerkannt ist, so Berger. «Wir haben viele Schweizer, die schon lange auf einem Beruf arbeiten, vielleicht eine Familie gegründet haben, und nun merken, dass sie beruflich nicht weiterkommen.» Der Abschluss bringe ihnen viele Vorteile wie zum Beispiel ein grösseres Selbstvertrauen und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

«Noch im Aufbau»

Bern gehört schweizweit zu den Pionieren bei solchen Verfahren. Die Kantone sind für die Berufsbildung zuständig, darum gibt es keine schweizweiten Angebote. Zürich bietet die Validierung für Gesundheitsberufe, für Informatiker und Logistikerinnen an. Auch die Kantone Wallis, Genf und Zug kennen das Angebot für einige Berufsgruppen. «Die Verfahren sind noch nicht in vielen Berufen möglich», sagt Franziska Berger. «Das Ganze befindet sich noch im Aufbau.

http://www.erz.be.ch/validierung

Berner Zeitung

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