Berner Wirte diskutieren Veganismus

Am Tag des bernischen Gastgewerbes in Lyss wurde über den veganen und vegetarischen Trend diskutiert. Und gelacht.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Sollen Wirte auf den veganen Trend aufsteigen? Diese Frage wurde am Montag in Lyss am 11. Tag des bernischen Gastgewerbes diskutiert. «Man sollte nicht nur die Nischen suchen, sondern einfach mit Freude dabei sein», sagte Moritz Leuenberger, der am Podium mitdiskutierte.

Der Alt-Bundesrat war eingeladen, weil er für eine Weile vegan gelebt hatte. «Vegi wurde ich schon, als mein 13-jähriger Sohn Vegetarier sein wollte. Und ich unterstützte ihn dabei.» Seit einiger Zeit isst er wieder Fleisch, weil er einen Knochenbruch erlitt, der medizinisch nicht geklärt werden konnte. «Mein Arzt legte mir nahe, die Ernährung wieder umzustellen, was ein willkommener Anlass war», erklärte Leuenberger und erntete Lacher aus dem Publikum.

Veganes Tartar

Am Podium dabei war auch Peter Buff, der vor drei Jahren mit seinem Restaurant Lägernstübli in Boppelsen auf den Trend umgestiegen ist. Laut Buff würden 40 Prozent seiner Gäste Veganes bestellen. «Die Leute kommen von weit her, weil sie es mal probieren wollen», erklärte Buff. «Wir mischen Sojahack mit Tofu und färben es mit Randenpulver ein, um möglichst nahe an die Fleischvariante zu kommen», versuchte er den Wirtinnen und Wirten im Publikum das vegane Tartar schmackhaft zu machen. Die Zuhörer raunten. Markus Huppenbauer, Ethiker von der Universität Zürich, verdrehte die Augen. «Man kann sich daran gewöhnen. Aber ein guter Esser ist offen für Neues, deshalb komme ich gerne dieses Dingsda essen», sagte Huppenbauer.

Unverständnis auch bei Leuenberger: «Als Veganer habe ich nicht so gegessen. Man kann aus Gemüse Fantastisches machen und würdigen, was da Mutter Erde hervorbringt. Wenn man etwas so verfremden muss, kann man gleich Fleisch essen.» Der Reaktion des Publikums nach zu urteilen, war es gleicher Meinung. Buff als einziger veganer Diskussionteilnehmer hatte im Hotel Weissen Kreuz einen schweren Stand.

Regional und bewusst

Warum Ernähung oftmals emotional ist, wussteLeuenberger: «Man fühlt sich in seiner Lebensweise angegriffen.» Huppenbauer präzisierte: «Veganer nehmen in ihrer Lebensweise vieles auf sich. Einige bleiben locker, aber bei vielen wird es missionarisch.»

Auch Fritz Wüthrich vom Bernisch-kantonalen Fleischfachverband, der vierte Podiumsteilnehmer, hat seine Erfahrungen mit Veganern: «Ich hasse es, wenn mir jemand seine Lebensweise aufdrängen will.»

Dass die Fleischbranche durch diese Vegi- und Vegan-Trends marktanteile verlieren könnte, darin sah Wüthrich kein Problem. «Unsere Kundschaft schätzt Regionales», erklärte Wüthrich. Dem pflichteten auch Huppenbauer und Leuenberger bei und betonten zusätzlich den bewussten Fleischkonsum.

Nach dem Podium lud Gastro Bern zum Mittagessen. Bei den Hauptgängen gab es nebst Fleischgerichten auch ein veganes Risotto, welches ratzeputz aufgegessen wurde.

Berner Zeitung

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