Berner Schüler rechnen schlechter als der Durchschnitt

In Sachen Mathematik haben viele Schweizer Schülerinnen und Schüler Nachholbedarf. Im deutschsprachigen Teil des Kantons Bern erreichen am Ende der obligatorischen Schulzeit nur 55 Prozent die Lernziele.

In Mathematik erreichten im deutschsprachigen Teil des Kanton Bern nur 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Lernziele. Schweizweit waren es 62 Prozent.

In Mathematik erreichten im deutschsprachigen Teil des Kanton Bern nur 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Lernziele. Schweizweit waren es 62 Prozent.

(Bild: istock)

Marius Aschwanden

Wenn im Kanton Bern in den letzten Jahren über fehlende Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern gesprochen wurde, dann ging es meist ums Französisch. Nun zeigt aber eine nationale Erhebung, dass nicht dort Nachholbedarf besteht, sondern vielmehr in der Mathematik. Insbesondere im deutschsprachigen Kantonsteil können die Schüler schlechter rechnen als der schweizerische Durchschnitt.

Während 2016 national 62 Prozent der Jugendlichen die Grundkompetenzen erreicht haben, waren es im deutschsprachigen Bern gerade mal 55 Prozent. Mit 44 respektive 53 Prozent erzielten nur noch Basel-Stadt und Basel-Landschaft tiefere Werte. Im französischsprachigen Teil vom Kanton Bern haben immerhin 60 Prozent der Schüler die Grundkompetenzen in Mathe erreicht.

Gemäss der kantonalen Erziehungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) seien die Resultate so nicht zu erwarten gewesen. «In den letzten Pisa-Erhebungen stand der Kanton Bern immer sehr gut da», sagt sie. Trotzdem hat Häsler eine Erklärung für das schlechte Abschneiden.

Die Untersuchung sei zu einem Zeitpunkt gemacht worden, als im Kanton Bern noch der alte Lehrplan gegolten habe. «Damals wiesen wir schweizweit mit 350 Mathematiklektionen pro Jahr den tiefsten Wert aus», sagt sie. Tatsächlich unterrichteten manche Kantone schon 2016 bis zu 550 Lektionen Mathe. «Insofern konnten die Resultate in Bern fast nicht anders ausfallen.»

Mehr Mathematiklektionen

Seit letztem Sommer gilt nun in den Berner Schulen (Kindergarten und 1. bis 7. Klasse) der Lehrplan 21. Mit diesem wurde auch die Anzahl Mathematiklektionen um fünf pro Woche aufgestockt. «So wollen wir auf den schweizerischen Durchschnitt kommen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Resultate entsprechend verbessern werden», sagt Häsler. In den 8. und 9. Klassen wird diesen Sommer zudem das Gefäss «Individuelle Vertiefung und Erweiterung» eingeführt.

Im französischsprachigen Kantonsteil wurde der neue Lehrplan bereits 2011 eingeführt und die Mathematiklektionen entsprechend aufgestockt. «Das erklärt auch die Unterschiede innerhalb des Kantons Bern.»

Und wie steht es nun um die vielfach kritisierten Französischkenntnisse der Berner Schülerinnen und Schüler? Erstaunlich gut, wie die nationale Erhebung zeigt. Der Kanton liegt in diesem Fach sowie in Deutsch auf dem nationalen Durchschnittsniveau. Überraschend ist dies insofern, als seit der Einführung des Frühfranzösisch 2011 immer wieder bemängelt wurde, die Sprachkenntnisse der Kinder hätten abgenommen. Schuld daran seien die neuen Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’œil», hiess es vonseiten der Kritiker.

Französischunterricht auf einem guten Weg

Erziehungsdirektorin Häsler sieht die neuen Resultate nun aber als Bestätigung dafür, dass Bern mit dem Französischunterricht eben doch auf einem guten Weg sei. «Selbstverständlich braucht es seine Zeit, wenn neue Lehrmittel in den Schulen eingesetzt werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich diese bewähren werden», sagt sie.

Keine Aussagen jedoch können aufgrund der Resultate darüber gemacht werden, wie sich die Französischkenntnisse der heutigen Schüler gegenüber jenen der «Bonne chance»-Generation verändert haben. Die offizielle Evaluation diesbezüglich durch das Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg folgt erst 2021.

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