Bern hat zu viele Mini-Spitäler

Der Kanton will bei den Spitälern auch nächstes Jahr wieder sparen. Das stösst auf Kritik, die das Spitalamt aber mit brisanten Zahlen kontern kann: Berns öffentliche Spitäler sind im Schnitt 10 Prozent teurer als jene in Zürich.

Klein und teuer: In Saanen steht eines von mehreren Berner Spitälern, die «eigentlich zu klein» sind, um ihre Kosten decken zu können.<p class='credit'>(Bild: Ruth Oehrli)</p>

Klein und teuer: In Saanen steht eines von mehreren Berner Spitälern, die «eigentlich zu klein» sind, um ihre Kosten decken zu können.

(Bild: Ruth Oehrli)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die Diagnose ist simpel: Die Regionalspitäler im Kanton Bern arbeiten relativ teuer. Ihre Kosten pro Patient sind im Durchschnitt rund 10 Prozent höher als jene in den öffentlichen Regionalspitälern des Kantons Zürich. Dies zeigt ein aktueller Vergleich, den das bernische Spitalamt auf Anfrage angestellt hat. Er betrifft den stationären Bereich – also alle Aufenthalte über 24 Stunden – in den öffentlichen Berner und Zürcher Regionalspitälern; die Universitäts- und die Privatspitäler sind nicht berücksichtigt, da ihre Finanzierung nach anderen Regeln funktioniert.

Preisüberwacher sei Dank

Obwohl solche Vergleiche bis zur Einführung der neuen einheitlichen Spitalfinanzierung 2012 immer noch sehr schwierig sind, hat das bernische Spitalamt einen Weg für eine aussagekräftige Auswertung gefunden. Sie basiert auf den Berechnungen des eidgenössischen Preisüberwachers, der die Kosten der Spitäler landesweit nach einheitlichen Regeln analysiert. Das Amt hat das Modell auf alle hiesigen Regionalen Spitalzentren (RSZ)* angewandt und die Resultate analogen Berechnungen des Kantons Zürich gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Kosten pro Patient sind in den Berner Spitälern im Schnitt rund 10 Prozent höher als in Zürich. In absoluten Zahlen: Der Basispreis (Baserate), der je nach Schwere der Diagnose mit einem höheren Faktor multipliziert wird und die Fallpauschale ergibt, liegt in Zürich bei 8060 Franken und in Bern bei 8880 Franken.

Teure kleine Landspitäler

Die Differenz ist beträchtlich, trotz «gewisser Vorbehalte», die das Spitalamt anbringt, da die Kostenrechnungen nicht vollständig vergleichbar seien. Die Abweichung ist so augenfällig, dass Annamaria Müller, Leiterin des Spitalamts, sagt: «Es ist nicht nur ein Verdacht, dass unsere Spitäler eindeutig höhere Kosten haben. Der Vergleich zeigt, dass unsere Spitäler um 5 bis 15 Prozent teurer produzieren als vergleichbare Zürcher Betriebe.» An den Löhnen kanns nicht liegen – im Gegenteil: Diese sind in Zürich eher höher.

Das Kostenniveau in den einzelnen Berner RSZ ist zwar unterschiedlich, allerdings erreicht keines das tiefere Niveau des Zürcher Durchschnitts. Genaue Zahlen zu den einzelnen RSZ veröffentlicht das Amt ohne deren Zustimmung nicht. Aber: Das Vorurteil, dass die städtischen Spitalgruppen eher höhere Kosten hätten, treffe nicht zu. Im Gegenteil wiesen vor allem die kleinen Spitäler auf dem Land überdurchschnittlich hohe Kosten aus. Damit ist auch gesagt, wo der Hauptgrund für die höheren Kosten der Berner Spitäler zu suchen ist: «Bei den Strukturen», sagt Annamaria Müller. Die Spitallandschaft in Bern sei nach wie vor deutlich dezentraler als jene in Zürich. Teure Folge: In Bern gibt es mehr Minispitäler, die laut Müller «eigentlich zu klein» sind, um eine genügende Auslastung zu erreichen und ihre Kosten zu decken. Das treibe die Kosten der Berner RSZ in die Höhe, sagt Müller.

Wer Kosten senken will, muss folglich ganze Spitalstandorte schliessen oder sie zu Gesundheitszentren für die Notfall- und Grundversorgung herabstufen, die keine komplizierten, stationären Fälle mehr behandeln.

«Die Spitäler vorbereiten»

Der Vergleich mit Zürich dient dem Spitalamt auch als Argument für die geplanten weiteren Sparmassnahmen im Spitalbereich. Der Basispreis soll 2011 voraussichtlich erneut um 3 Prozent gesenkt werden. Amtschefin Annamaria Müller hält dazu zweierlei fest: Erstens bewiesen die Zürcher Spitäler, dass man auch mit weniger Geld arbeiten könne. Zweitens: «Wir müssen unsere Spitäler auf 2012 vorbereiten und ihnen signalisieren, dass sie effizienter und kostengünstiger werden müssen. Sonst kommen sie nicht mehr über die Runden.»

*Die Regionalen Spitalzentren des Kantons Bern: Spitäler Frutigen-Meiringen-Interlaken, Regionalspital Emmental, Spital Region Oberaargau, Spital Saanen-Thun-Simmental, Spitalzentrum Biel, Spital Netz Bern (floss nicht in den Vergleich ein, da die Daten nicht plausibel seien), Hôpital du Jura bernois.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt