Baselbieter Firma schnappt Cablecom die Kabelnetze weg

Münchenbuchsee will sein TV-Kabelnetz abstossen. Als Käufer bedrängt das Baselbieter Telecom-Unternehmen EBL den Branchengiganten Cablecom. In Ittigen und Zollikofen hat die Liestaler Firma den Kabelnetzriesen bereits übertrumpft.

Wegwerfschüsseln. Cablecom hat sie auf dem Dach des Zollikofer Betagtenzentrums installiert, sie gehören aber der Gemeinde. Diese will das Netz an EBL verkaufen. Die Baselbieter demontieren die Anlage vermutlich.

Wegwerfschüsseln. Cablecom hat sie auf dem Dach des Zollikofer Betagtenzentrums installiert, sie gehören aber der Gemeinde. Diese will das Netz an EBL verkaufen. Die Baselbieter demontieren die Anlage vermutlich. Bild: Iris Andermatt

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Anfang Februar erhielten die Ortsparlamentarier von Münchenbuchsee einen ungewöhnlichen Brief. Die EBL Telecom teilte ihnen mit, dass sie das Buchser Kabelnetz kaufen wolle. Der Hintergrund für die Lobbyarbeit der Tochterfirma der Energie Baselland (EBL): Der Gemeinderat möchte das Netz abstossen und hatte bereits den Verkauf an Cablecom eingefädelt. Nicht zuletzt weil das Schreiben aus Liestal die Politiker aufscheuchte, stoppten sie den Handel. Jetzt muss der Rat neue Offerten einholen, darunter auch jene der EBL.

EBL zahlt höhere Preise

Cablecom will 4,2 Millionen Franken für dieses Netz mit 4400 Anschlüssen zahlen. EBL verspricht in ihrem Brief einen höheren Preis. Ebenfalls interessiert ist das Baselbieter Unternehmen am gemeinsamen Netz der Gemeinden Ittigen und Zollikofen. Hier ist der Handel bereits weit gediehen. In Zollikofen entscheiden die Stimmbürger im Mai über den Verkauf, in Ittigen im Juni. EBL bezahlt den zwei Gemeinden je etwa 5 Millionen Franken für die insgesamt 9000 Kunden. Cablecom hat ebenfalls offeriert. Der Preis, den die Grossfirma geboten hat, ist nicht bekannt.

In der Region Bern hat Cablecom das Kabelnetz am dichtesten geknüpft. Das Unternehmen bedient neben der Stadt Bern unter anderem Köniz und Kehrsatz. Einige Gemeinden haben eigene Netze, neben Münchenbuchsee, Ittigen und Zollikofen auch Muri, Rubigen, Stettlen, Laupen und Belp.

Starrer Strommarkt

EBL Telecom hat in der Region Bern bereits Fuss gefasst und will wachsen. Das Unternehmen ist an der Medianet beteiligt, die Netze in Worb, Langnau und Willisau betreibt. «Ja, wir wollen expandieren», bestätigt EBL-Kadermann Marcel Hess. Als Kerngeschäft bedient sein Unternehmen das Baselbiet mit Strom. «Weil dieser Markt wenig Wachstumsmöglichkeiten hat, sind wir erfolgreich in andere Geschäftsfelder vorgedrungen», erklärt Hess.

David und Goliath

Die EBL engagiert sich unter anderem bei der Wärmeversorgung und betreibt Kabelnetze in der Romandie und im Baselbiet. EBL ist vor allem in ländlichen Gebieten verankert, Cablecom in den Städten: So lassen sich die Verbreitungsgebiete zusammenfassen. Beide besitzen Kabelnetze, mit denen die Konsumenten auch telefonieren oder sich ins Internet einklinken können.

Cablecom hat in der Schweiz über 1,5 Millionen TV-Kunden. EBL Telecom ist eine Genossenschaft und versorgt 60000 Abnehmer. Cablecom und EBL sind Konkurrenten. Davon profitieren Gemeinden, die verkaufen wollen: Sie können die beiden gegeneinander ausspielen.

Den Konsumenten nützt dieser Wettbewerb wenig. Kabelnetze rentieren, weil die Betreiber Abogebühren verlangen. Unterschiede zwischen den beiden Firmen sind kaum auszumachen. Cablecom und EBL verrechnen monatlich zwischen 17 und 24 Franken. Gemeindenetze hingegen waren und sind viel günstiger: Die Kunden bezahlen oft bloss zwischen 8 und 10 Franken. Die kommerziellen Anbieter begründen die happige Differenz mit Investitionen.

Unter anderem die neue Glasfasertechnik verschlinge viel Geld. EBL wie Cablecom künden an, dass auch die Netze in Zollikofen, Ittigen und Münchenbuchsee hochgerüstet werden müssten. EBL gewährt Ittigen und Zollikofen zwar noch eine Schonfrist (siehe Kasten). Doch mittelfristig trüben hier wie auch in Münchenbuchsee höhere Gebühren den Blick auf den TV-Schirm. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.03.2011, 07:32 Uhr

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