Apotheker warnen vor Masern

Im Kanton Bern sind nur 90 Prozent aller 16-Jährigen gegen die Masern ­geimpft. Um diese Quote zu ­erhöhen, lancieren die Apotheken nun eine Kampagne. Der Kantonsarzt möchte derweilen noch weiter gehen.

Die Anzahl Masernfälle ist in der Schweiz gestiegen. Seit Anfang Jahr waren 79 Fälle.
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Die Zahl der Masernerkrankungen ist in der Schweiz dieses Jahr stark angestiegen. Seit Anfang 2017 verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit 79 Fälle. In der gleichen Vorjahresperiode wurden nur 42 Erkrankungen ­registriert, 2015 sogar nur 30. Der Bund hatte bereits im Februar vor einer Ausbreitung der Masern gewarnt. Denn bisher wurde das gesteckte Ziel verfehlt, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Krankheit geimpft sind. Aktuell beträgt die Quote bei den 16-Jährigen 93 Prozent.

Im Kanton Bern liegt diese sogar nur bei 90 Prozent. Lediglich die beiden Appenzell, Luzern, Nid- und Obwalden sowie Schaffhausen weisen noch tiefere Werte aus. Deshalb führt nun der bernische Apothekerverband in den nächsten drei Wochen eine Informationskampagne zur Förderung der Masernimpfung durch.

Personen in der Pflicht

Kantonsweit würden über 60 Apotheken an der Aktion mitmachen, schreibt der Verband in einer Mitteilung. Vom 15. September bis zum 6. Oktober können Kunden ihren Impfstatus kostenlos überprüfen lassen. In die Apotheke mitnehmen müssen sie dazu lediglich das Impfbüchlein. Zeigt sich bei der Überprüfung, dass eine oder beide Impfungen fehlen, werden die Personen an ihren Hausarzt weitergeleitet. Wenn jemand keinen solchen habe, bestehe eine Liste mit Ärzten, die während der Kampagne kurzfristig einspringen würden.

Beim Kanton begrüsst man die Aktion. «Jede Initiative, welche die öffentliche Gesundheit unterstützt, ist sehr willkommen», sagt Kantonsarzt Jan von Overbeck. Über die Gründe für die vergleichsweise tiefe Impfrate im Kanton Bern mag er nicht spekulieren. Er nimmt aber alle Personen in die Pflicht, die noch nicht geimpft sind. «Man hat auch eine Verantwortung jenen gegenüber, die man mit der Krankheit anstecken könnte.» Für ihn jedenfalls ist klar, dass die Vorteile einer Impfung «evident» sind.

Kein Impfzwang

Kantonsarzt von Overbeck möchte deshalb noch einen Schritt weiter gehen. «Ich werde weiterhin dafür plädieren, dass in den Apotheken auch Impfungen wie jene gegen Masern gemacht werden können», sagt er. Die notwendigen Voraussetzungen dafür seien gegeben. Aktuell dürfen Apotheker im Kanton Bern im Rahmen eines Pilotprojekts lediglich Grippeimpfungen machen. Nur in den Kantonen Neuenburg und Solothurn sind auch Masernimpfungen durch Apotheker erlaubt.

Entsprechend zurückhaltend gibt man sich beim bernischen Apothekerverband. «Was längerfristig kommt, steht in den Sternen», sagt Vorstandsmitglied Sabine Kuert. Trotzdem macht der Verband keinen Hehl daraus, dass es ihm mit der aktuellen Kampagne um mehr geht als nur um Informationen zur Masernimpfung. Man wolle auch aufzeigen, dass die Apotheken «wichtige und vielseitige Player» im schweizerischen Gesundheitswesen seien.

Kuert streicht mit Bezug auf die Masernaktion denn auch die Vorteile heraus, welche die Apotheken gegenüber den Hausärzten hätten. «Wir können die breite Bevölkerung erfassen, nicht nur die kranken Leute», sagt sie. Ihr gehe es zudem nicht um einen Impfzwang, sondern «um eine ernst gemeinte Empfehlung». (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 11:55 Uhr

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