AKW Mühleberg: Atomgegner bezeichnen Ensi-Entscheid als Gefälligkeit

Auch das AKW Mühleberg würde Hochwasser, wie sie alle 10’000 Jahre einmal vorkommen, beherrschen. Politiker und Atomgegner äussern ihre Zweifel am Entscheid der Eidgenössische Nuklarsicherheitsinspektorat (Ensi).

Auch das AKW Mühleberg erfüllt die Auflagen der Ensi. Der Entscheid freut die BKW, jedoch gibt es auch Kritiker.

Auch das AKW Mühleberg erfüllt die Auflagen der Ensi. Der Entscheid freut die BKW, jedoch gibt es auch Kritiker. Bild: Keystone

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Das Eidgenössische Nuklarsicherheitsinspektorat (Ensi) hält sämtliche Schweizer Kernkraftwerken selbst bei einem Hochwasser, wie es sich alle 10'000 Jahre ereignet, als sicher. Dies ergaben eine eingehende Prüfung, wie das Ensi am Mittwoch mitteilt.

Auch das AKW Mühleberg habe den Nachweis der Beherrschung des 10‘000-jährlichen Hochwassers unter den vom Ensi gesetzten Rahmenbedingungen erbracht. Die Strahlendosis, die bei diesem Überflutungs-Störfall resultieren würde, läge deutlich unter dem für einen Störfall nach Strahlenschutzverordnung zulässigen Wert von 100 mSv für die Bevölkerung im Umfeld des Kraftwerks, heisst es weiter.

Die Akzeptanz des Nachweises stehe unter dem Vorbehalt: Erst wenn die von der Ensi Mitte August freigegebenen Nachrüstungen am AKW Mühleberg abgeschlossen und von der Ensi abgenommen wurden, werde dem AKW Mühleberg diese Sicherheit zugesprochen.

BKW ist zufrieden

Auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet nimmt die BKW die positive Bewertung der Ensi mit Befriedigung zur Kenntnis. «Die Arbeiten zum Optimierung des Susan-Einlaufbauwerks und die zusätzlichen Wassereinspeisestutzen laufen planmässig», erläutert Antonio Sommavilla, der BKW-Mediensprecher. Auch die Risse im Mantel seien untersucht worden und die Resultate würden gegenwärtig ausgewertet.

Die Anlage werde voraussichtlich in der zweiten Septemberhälfte wieder in Betrieb genommen werden. Dass sich die Wiederinbetriebnahme nicht auf den Tag genau bestimmen lasse, sei auch bei herkömmlichen Revisionen der Fall.

Sommavilla sagte, dass die BKW habe nun mit dem Berner Umwelthistoriker Christian Pfister den Dialog aufgenommen. Wenn die BKW dadurch neue Erkenntnisse zur Berechnung eines 10'000-jährigen Hochwassers erhielten, würde der Konzern diese Erkenntnisse auch berücksichtigen.

Pfister hatte kritisiert, die BKW habe bei der Berechnung eines Extrem-Hochwassers frühere Hochwasser in der Schweiz unberücksichtigt gelassen.

Unsicherheit bleibt

Jürg Joss von Fokus-Antiatom sagt auf Anfrage, die Ensi forderte von AKW Mühleberg zwar ein diversitäres System, um die Sicherheit zu gewährleisten. Diversitär bedeutet über zwei voneinander unabhängigen Kühlquellen zu verfügen, derzeit ist als Kühlquelle vor allem die Aare vorgesehen. Der Aktivkühlturm, wie er von der BKW geplant ist, werde jedoch erst in etwa drei Jahren fertig gestellt sein.

Dennoch geht das AKW Mühleberg noch in diesem Monat wieder ans Netz. «Auch die ursprünglichen Probleme, wie nicht erbebensichere Sicherheitssysteme, Risse im Kernmantel und mangelnde Zonenaufteilung, werden ausgeblendet», erklärt Joss weiter.

Auch die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) sagte in einer ersten Reaktion, für sie gebe es auch nach diesem Entscheid des Ensi eine Unsicherheit. Diese Unsicherheit bleibe auch für die Bevölkerung.

Es sei erstaunlich, dass die Nachrüstungen am Kühlwasser-Notzufuhrsystem, welche die BKW als Sofortmassnahmen bezeichnet hätten, nun ausreichen sollten. Anderseits sei der Entscheid für die BKW natürlich eine gute Nachricht, so Egger-Jenzer.

«Ein Gefälligkeitsentscheid»

Für die Umweltorganisation Greenpeace nimmt das Ensi mit seinem Entscheid in Kauf, dass die Menschen in der Umgebung des AKW Mühleberg lebensbedrohlichen Risiken ausgesetzt bleiben. Die Atomaufsichtsbehörde habe sich blenden lassen von Nachrüstungen im Schnellverfahren und akzeptiere Hochwasser-Gutachten, die nicht dem aktuellen Stand der Kenntnis entsprächen.

Auch das Komitee AKW-Ade und Mühleberg AUSsitzen sind mit Greenpeace einig und bezeichnen den Entscheid der Ensi in einer Mitteilung als Gefälligkeitsentscheid. «Das Ensi wird die Wiederinbetriebnahme des AKW Mühleberg Ende September anstandslos und wie von der BKW geplant und gewünscht bewilligen - egal, ob zu diesem Zeitpunkt Hochwassersicherheit oder (Not-)Kühlwasserzufuhr halbwegs vernünftigen Massstäben genügen», heisst es weiter. Konsequenterweise müsste das AKW bis zum Fertigbau des Not-Luftkompaktkühlers in frühestens drei Jahren abgestellt bleiben. Damit sei jedoch nicht zu rechnen.

Das AKW Mühleberg wurde am 29. Juni vorzeitig abgeschaltet, weil eine ETH-Gutachten ergab, dass Leitungen zur Kühlung des Reaktors bei einem Extremhochwasser verstopfen können. Neben regulären Revisionsarbeiten wird nun auch das Notsystem die Versorgung mit Kühlwasser verbessert. So wird derzeit ein Einlaufbauwerk des Notsystems Susan nun mit drei zusätzlichen Ansaugstutzen ergänzt. Jeder Ansaugstutzen stelle die Kühlwasserversorgung sicher, sollten die normalen Ansaugstutzen verstopft sein. (cls/sda)

Erstellt: 07.09.2011, 14:07 Uhr

Beitrag von Telebärn

Für Barbara Egger-Jenzer (SP) bleibt eine Unsicherheit für die Bevölkerung. (Bild: Stefan Anderegg)

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