7.-Klässler produzieren im Schulzimmer Uhren

Eine 7. Klasse hat an der Technischen Fachschule Bern das Projekt «Hello Robot» ausprobiert. Es soll Jugendliche an die Automation und ­industrielle Fertigung heranführen.

«Gar nicht so schwierig» finden Benjamin Sahile (links) und Florian Teutsch das Programmieren der Anlage.

«Gar nicht so schwierig» finden Benjamin Sahile (links) und Florian Teutsch das Programmieren der Anlage.

(Bild: Raphael Moser)

Der Auftraggeber hat sich klar ausgedrückt: 50 Uhren will er bis Ende Woche geliefert bekommen. Diese werden nicht von Hand gefertigt, sondern mithilfe von Automation. Noch steht die Anlage still, die später die einzelnen Teile einer Uhr über Förderbänder transportiert und an Stationen überprüft. Sie in Gang zu setzen, ist Aufgabe einer 7. Sekundarschulklasse aus Ostermundigen.

Der Auftrag ist fiktiv, die Fertigungsstrasse klein, aber echt. Sie steht im hinteren Teil eines Zimmers in der Technischen Fachschule Bern. Hier besuchten die Sekschülerinnen und -schüler bis am Freitag eine Projektwoche.

Drei Schulen, ein Projekt

Die 7.-Klässler haben durchgespielt, was die Technische Fachschule Bern, die Pädagogische Hochschule Bern sowie die Berner Fachhochschule künftig regelmässig durchführen wollen: «Hello Robot» heisst einer von zwei Projektblöcken, die Jugendliche an die Themen Automation und industrielle Fertigung heranführen sollen.

Das Ziel: Es sollen mehr Jugendliche für die Berufe im Mint-Bereich begeistert werden – also für Berufe, in denen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik eine Rolle spielen.

Der 13-jährige Florian Teutsch ist begeistert von der Projekt­woche in der Technischen Fachschule Bern. «Ich habe mich schon vorher für diese Themen interessiert. Aber jetzt könnte ich mir vorstellen, einen Beruf in dieser Richtung zu lernen.» Zusammen mit seinem Schulkollegen Benjamin Sahile ist Florian für einen Teil der Uhrenfertigungsstrasse verantwortlich. «Wir müssen einen Sensor so programmieren, dass er erkennt, ob eine Station weiter vorne ein Metallteil an der Uhr montiert worden ist.» Klingt kompliziert. «War gar nicht so schwierig», findet Florian. Schliesslich hätten sie sich nun eine ganze Woche lang mit dem Thema Programmieren beschäftigt.

Interessiert an der Technik sind auch die Schülerinnen. (Foto: Raphael Moser)

Unterstützt werden die 7.-Klässler dabei von Lernenden der Technischen Fachschule. «Ich bin erstaunt, wie rasch die Kinder das begriffen und umgesetzt haben», sagt Gianluca Fischer, der eben seine Ausbildung zum Polymechaniker abgeschlossen hat. «Der Unterricht war aber auch sehr gut aufgebaut», lobt er. Hier kommt die Pädagogische Hochschule ins Spiel. Angehende Lehrerinnen und Lehrer haben die Projektwoche geleitet. Sie werden später die Fächer «Natur und Technik» oder «Technisches Gestalten» unterrichten.

Eine dieser künftigen Lehrerinnen ist Anja Lanz. Bevor sie vor die 7.-Klässler trat, musste sie sich das nötige Wissen über Robotik aneignen. Besonders positiv an der Projektwoche findet sie, «dass wir wirklich mit konkreten Problemen üben, wie sie in der Arbeitswelt auftauchen können». So haben die Schülerinnen und Schüler auch einen Automaten programmieren gelernt, der im wahren Leben Snacks und Getränke auswirft.

Mehr Frauen gesucht

In der Schweizer Wirtschaft sind mehr Fachkräfte in Mint-Berufen gesucht, nicht zuletzt auch mehr Frauen. Wie haben die Mädchen der 7. Klasse die technische Projektwoche erlebt? Es sei «super spannend» gewesen und «auch nicht so schwierig», sagen zwei Schülerinnen.

Von sechs Befragten kann sich aber momen­tan doch keine vorstellen, einen technischen Beruf zu ergreifen. «Mich interessiert der soziale Bereich einfach doch mehr», sagt zum Beispiel die 13-jährige Anna-Lena Zappel. Und auch ihre Kollegin möchte «etwas mit Menschen oder etwas mit Tieren» ­lernen.

Bei der Technischen Fachschule ist man sich bewusst, dass die Projektwoche erst ein Anfang ist. Es gelte längerfristig Berufe im industriellen und gewerblichen Bereich für Schülerinnen und Schüler «konkret erlebbar» zu machen, sagt Yvonne Uh­lig, Kommunikationsverantwortliche der Schule. «Wir wollen den Jugendlichen Erlebnisse bieten, die im rein schulischen Umfeld nicht möglich wären.» So konnte die 7. Klasse aus Ostermundigen nicht nur selber programmieren, sondern bei der Firma Emmi live sehen, wie Automation funktioniert.

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