750 Berner Steuersünder zeigten sich selber an

Im Kanton Bern haben sich letztes Jahr 750 reuige Steuersünder selber angezeigt. Der Kanton und die Gemeinden kamen so zu einem zusätzlichen Steuerertrag von gut 15 Millionen Franken.

Vermögen nicht deklariert? Seit 2010 gibt es die Möglichkeit der einmaligen straflosen Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung. (Symbolbild)

Vermögen nicht deklariert? Seit 2010 gibt es die Möglichkeit der einmaligen straflosen Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Das gab der bernische Steuerverwalter Bruno Knüsel am Freitag an der Jahresmedienkonferenz seiner Behörde bekannt. Gegenüber dem Rekordjahr 2014 ging die Zahl der straflosen Selbstanzeigen um elf Prozent zurück. Sie liegt aber weiter recht hoch. Knüsel führt das auf die Diskussionen zum automatischen Informationsaustausch zurück.

Der grösste Fall brachte der öffentlichen Hand letztes Jahr gut eine Million ein. Im kleinsten Fall ging es um 250 Franken. «Immerhin hat da jemand sein Gewissen erleichtern können», stellte Knüsel fest. Generell würden die Fälle nicht unbedingt grösser, aber komplexer.

Zumeist ging es um Bankkonten und andere Vermögenswerte, die nicht deklariert wurden. In knapp zehn Prozent der Fälle wurden Einkommen aus Nebenerwerb, Renten, Schenkungen und dergleichen nachträglich gebeichtet.

Seit 2010 gibt es in der Schweiz die Möglichkeit der einmaligen straflosen Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung. In den gesamthaft 3700 Fällen haben der Kanton Bern und die Gemeinden seither 100 Millionen Franken eingenommen.

TaxMe «eine Erfolgsgeschichte»

In diesen Tagen werden die neuen Steuererklärungen verschickt. Die meisten Berner füllen diese heute mit dem Computer aus, jeder zweite direkt im Internet. «TaxMe ist eine Erfolgsgeschichte», sagte Knüsel. Steuererklärungen auf Papier machen nicht einmal mehr einen Sechstel aus.

Inhaltlich gibt es nur wenig Änderungen. Einerseits sind die Beiträge für das steuerbegünstgte Sparen mit der Säule 3a leicht erhöht worden. Anderseits gelten in 143 Berner Gemeinden bekanntlich höhere Eigenmietwerte.

Im Gegensatz zu anderen Kantonen bietet Bern weiterhin die Möglichkeit an, seine Steuern vorauszuzahlen. Dafür gibt es auch dieses Jahr einen Zins von 0,25 Prozent. Letztes Jahr zahlten 160'000 Personen ihre Steuern zum voraus.

Kein «Lugibüechli» mehr

Knüsel erinnerte vor den Medien auch an die neue Regelung für Auskünfte aus dem Steuerregister, die Anfang dieses Jahrs in Kraft trat. Wer solche Auskünfte will, muss ein eigenes wirtschaftliches Interesse an den Informationen geltend machen.

Den Gemeinden ist es daher auch nicht mehr gestattet, die Steuerregister der natürlichen Personen zu veröffentlichen. Das legendäre «Lugibüechli» ist also endgültig Geschichte. In manchen Gemeinden zum Beispiel im Oberland wurde es bis zuletzt gedruckt und rege verkauft, wie es an der Medienkonferenz hiess.

Aus Gründen des Datenschutzes haben bereits zahlreiche andere Kantone die Öffentlichkeit des Steuerregisters vollständig abgeschafft. Der Kanton Bern geht den Weg der eingeschränkten Öffentlichkeit und folgt damit dem Beispiel der Kantone St. Gallen, Zürich, Freiburg, Waadt, Wallis und Neuenburg.

tag/sda

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