650 Franken pro Tag kostet Berns teuerster Strafvollzug

Die teuersten Arten des Straf- und Massnahmenvollzugs im Kanton Bern kosten täglich mehr als 600 Franken pro Person. 2014 befanden sich insgesamt fünf Gefangene in diesem sogenannten Sicherheitsvollzug A.

Eingang zur Strafanstalt Thorberg, wo Ende September vier Personen im Sicherheitsvollzug A untergebracht waren.

Eingang zur Strafanstalt Thorberg, wo Ende September vier Personen im Sicherheitsvollzug A untergebracht waren.

(Bild: Keystone)

Vier Personen waren per Stichtag Ende September 2014 in den Strafanstalten Thorberg untergebracht, wo pro Tag und Person 650 Franken Kostgeld anfallen. Eine Person befand sich in den Anstalten Hindelbank, wo sich die Kosten auf 602 Franken belaufen, wie die Berner Kantonsregierung in einer am Montag veröffentlichten Antwort auf eine Interpellation aus den Reihen der SVP schreibt.

Der Regierungsrat bezieht sich in seiner Antwort auf die sogenannten Kostgeldliste der Berner Vollzugseinrichtugnen, die auch im Internet aufgeschaltet ist. Die Kostgelder können mit Fallpauschalen verglichen werden, wie sie beispielsweise im Gesundheitswesen zur Anwendung kommen. Im Bereich Freiheitsentzug werden diese Pauschalen jährlich überprüft und allenfalls angepasst.

Demgemäss ist die drittteuerste Vollzugsart der sogenannte Behandlungsvollzug mit psychiatrischer Begleitung. Er kostet in den Anstalten Thorberg und Hindelbank 575 Franken pro Tag und Person. Ende September waren insgesamt 30 Personen in diesem Vollzug, 22 davon auf dem «Thorberg».

Im Vergleich dazu kostet ein Tag im geschlossenen Normalvollzug ohne Behandlung um die 300 Franken.

Teure Einzelfälle

Für die Unterbringung und Therapierung von Straftätern bezahlt der Kanton Bern in Einzelfällen aber deutlich mehr. Letzten März etwa nannte Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser im Berner Kantonsparlament ein Beispiel mit Kosten von über 58'000 Franken pro Monat, also über 1900 Franken pro Tag.

Die Person, welche Kosten in dieser Höhe verursache, befinde sich im Rahmen einer stationären Massnahme in einer psychiatrisch-forensischen Klinik im Kanton Zürich, sagte Käser damals.

Der Polizei- und Militärdirektor wies seinerzeit auch darauf hin, dass die Kosten für die Inhaftierung und Betreuung von Straftätern immer mehr anstiegen, weil die Gerichte je länger, je mehr stationäre Massnahmen verhängten.

Fast die Hälfte Ausländer

Hintergrund der Interpellation waren Medienberichte über die Kostenentwicklung im schweizerischen Strafvollzug. Grossrat Matthias Müller (Orvin) wollte Anfang September wissen, wie die Sache im Kanton Bern aussehe und was die teuersten Häftlinge kosten würden. Natürlich dürften die Kosten nicht unabhängig von der Qualität des Strafvollzugs betrachtet werden, räumte Müller ein.

Aus der regierungsrätlichen Antwort auf die Interpellation geht auch hervor, dass der Aufwand für das gesamte Amt für Freiheitsentzug und Betreuung im vergangenen Jahr 147,4 Millionen Franken betrug. Dem standen Erträge von 96,81 Millionen Franken gegenüber. Vor zehn Jahren belief sich der Aufwand auf rund 130 Millionen Franken.

Der Personalbestand im Amt für Freiheitsentzug und Betreuung steig von 2004 bis 2013 von rund 630 auf 835 Vollzeitstellen an.

In den Einrichtungen des bernischen Straf- und Massnahmenvollzugs befanden sich Ende September 2014 insgesamt 1029 Personen. Davon waren 505 Ausländerinnen und Ausländer.

lub/sda

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