37 Einwohner, kein Natelempfang, null Bock auf Wahlen

Die Wahlbeteiligung war in den Gemeinden durchs Band weg miserabel. Aber es ist wie beim Sport oder in der Schule: Man kann fast immer auf jemanden zeigen, der noch schlechter ist.

Nirgendwo tun sich die Berner schwerer mit dem Wählen, als in Schelten.

Nirgendwo tun sich die Berner schwerer mit dem Wählen, als in Schelten. Bild: Stefan Anderegg

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Die Gemeinde Schelten klebt am nordöstlichen Zipfel des Kantons Bern. Sie hat 37 Einwohner, eine Schule mit 7 Schülern und ein Schwimmbad. Was sie nicht hat: Natelempfang.

Seit gestern ist dieses Dorf in der bernjurassischen Pampa das Epizentrum der Berner Demokratiemüdigkeit. Die Wahlbeteiligung war mit 29,5 Prozent (2014: 32,1 Prozent) im gesamten Kanton kläglich, keine Frage. Aber nirgendwo war sie so tief wie in Schelten. Nur 7,4 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urne. Das entspricht 5 Wählenden. Ein Desaster.

Aber halt! Die Schnellrechner unter den Leserinnen und Lesern werden gemerkt haben, dass hier etwas nicht stimmen kann. Wenn eine Gemeinde 37 Einwohner hat, 7 davon Schüler, dann dürften höchstens 2 an die Urne gehen, damit sich eine einstellige Wahlbeteiligung ergibt. Ist dem Kanton Bern also ein Fehler unterlaufen? Zählen in Schelten etwa auch die Kühe zu den Wahlberechtigten?

Die Antwort auf beide Fragen lautet natürlich Nein, aber die Erklärung hat es in sich. Laut dem Kanton Bern hat die Gemeinde Schelten 67 Stimm­berechtigte. 28 leben im Dorf, 39 leben im Ausland. Es gibt also mehr Ausland-Scheltener als Inland-Scheltener. Das «NZZ Folio»ging dem Mysterium Schelten vor gut einem Jahr auf den Grund. So leben die Ausland-Scheltener in Frankreich, Hongkong, Israel und in den USA.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die bettelarme Gemeinde für ihre lockere Einbürgerungspraxis bekannt. «Für wenig Geld, um die 50 Franken, erhielt man das Bürgerrecht und damit auch den Schweizer Pass», sagte der pensionierte Dorflehrer Josef Stolz dem«NZZ Folio». Schelten ist für diese Auslandschweizer bloss eine Art Papierheimat.

Wenn das Beispiel Schelten etwas zeigt, dann Folgendes: Während hier der Wahlkampf einfach nur lau war, fand er in Hongkong und Israel gar nicht erst statt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.03.2018, 06:13 Uhr

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