Konkordatsgegner blasen zum Kampf

Die Berner entscheiden am 9.Februar an der Urne über strengere Regeln zur Bekämpfung des Hooliganismus. Die Gegner der Verschärfung lancierten am Freitag den Abstimmungskampf.

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Mischa Aebi@sonntagszeitung

Die Verschärfung des Konkordats zur Bekämpfung des Hooliganismus sei «unverhältnismässig, bevormundend, undurchdacht und nicht zielführend», hielten die Gegner gestern an einer Medienkonferenz zur Lancierung des Abstimmungskampagne fest. Sie haben sich im Komitee «Nein zur Konkordatsverschärfung» organisiert. Darin haben sich prominente Politiker über das ganze Parteispektrum hinweg vereinigt. Zu ihnen zählen die Nationalräte Christian Wasserfallen (FDP), Matthias Aebischer (SP) und Margret Kiener Nellen (SP) sowie die Grossräte Thomas Fuchs (SVP) und Blaise Kropf (Grüne).

So breit das Komitee abgestützt ist, so klein sind dessen Chancen auf Erfolg an der Urne. Dass die Chancen gering sind, wurde im vergangenen Juni im Kanton Zürich deutlich: Das Zürcher Stimmvolk hat der Verschärfung des Konkordats mit einem überwältigenden Mehr von 85 Prozent zugestimmt.

Kollektivstrafen?

Das Konkordat sei irreführend, führte Clemens Friedli, Sekretär des Gegnerkomitees, gestern aus. Es verspreche, Heilmittel gegen Hooliganismus zu sein. Tatsächlich stelle es aber jeden Menschen, der ein Stadion betritt, unter Generalverdacht, ein Hooligan zu sein. Betroffen davon seien Familien und andere unbescholtene Besucher von Fussball- oder Eishockeyspielen.

Friedli nannte als Beispiel die Kombitickets. Sie sollen gemäss Konkordatsverschärfung alle Fans zwingen, mit dem Extrazug an Auswärtsspiele zu reisen. Für einen in Zürich wohnhaften YB-Fan könne dies zur Folge haben, dass er zuerst nach Bern fahren müsse, um anschliessend im Extrazug nach St.Gallen an das YB-Auswärtsspiel zu reisen. Die Gegner kritisierten auch, dass Behörden bei der Bewilligung von Spielen als Auflage ein generelles Alkoholverbot verhängen könnten, wobei statt der wenigen Hooligans die grosse Menge der friedlichen Fans bestraft würden.

Dialog statt Härte

In einem weiteren Punkt kritisierte das Komitee einen Teil der strengeren Regeln sogar als das Grundrecht verletzend. So sei es künftig privaten Sicherheitskräften erlaubt, Besucherinnen und Besucher von grossen Sportveranstaltungen im Intimbereich abzutasten. Das sei nicht bloss eine Aufweichung des staatlichen Gewaltmonopols und somit grundrechtlich sehr kritisch. «Es ist auch eine unglaubliche Einschränkung für die 99 Prozent friedlicher Fans, welche solche Kontrollen dann ebenfalls über sich ergehen lassen müssten», finden die Konkordatsgegner.

«Ich bin kein Hooliganschützer», betonte Nationalrat Aebischer gestern. Aber das Problem müsse anders gelöst werden. Die Gegner wollen es lösen, indem die Fanarbeit ausgebaut wird und Klubs, Fans, Behörden und Fanarbeiter «ihren Dialog intensivieren».

Nur Basel lehnt es ab

Neben Zürich haben auch andere Kantone das Konkordat bereits angenommen. Bis jetzt wurde es erst im Kanton Basel-Stadt abgelehnt – allerdings haben nicht die Stimmbürger, sondern das Kantonsparlament den Entscheid gefällt. Das Volk kommt dort – im Gegensatz zu Bern – nicht zum Zug.

Berner Zeitung

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