Künftig kann der Rat Pfarrer entlassen

Jetzt sind die Zuständigkeiten in den reformierten Kirchgemeinden geklärt: Der Pfarrer ist für die Verkündigung da, der Kirchgemeinderat für die Leitung der Gemeinde. Konflikte sollten dadurch schneller beigelegt werden können.

In Köniz schwelt der Konflikt zwischen Kirchgemeinderat und Pfarrer Andreas Urwyler seit Jahren. Künftig sollte der Rat einen Schlussstrich ziehen können, wenn die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert.

In Köniz schwelt der Konflikt zwischen Kirchgemeinderat und Pfarrer Andreas Urwyler seit Jahren. Künftig sollte der Rat einen Schlussstrich ziehen können, wenn die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert.

(Bild: Beat Mathys)

Seit zwei Jahrzehnten schwelt in der Kirchgemeinde Köniz ein Konflikt. Pfarrer Andreas Urwyler und der Kirchgemeinderat reiben sich aneinander auf. Fruchtbar ist die Zusammenarbeit schon lange nicht mehr. Trotzdem kann der Kirchgemeinderat dem Pfarrer nicht kündigen, der Beamtenstatus schützt den vom Volk Gewählten davor. Gegen Urwyler läuft jetzt ein schwerfälliges Amtsenthebungsverfahren.

Klare Zuständigkeiten

Gestern hat die Synode, das Parlament der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, in zweiter Lesung die Revision ihrer Kirchenordnung genehmigt. Diese sorgt «für Klarheit im Zusammenwirken der verschiedenen Akteure in den Kirchgemeinden», sagte Synodalratspräsident Andreas Zeller.

Bisher leitet der Kirchgemeinderat die Gemeinde «in Zusammenarbeit» mit dem Pfarrer. Neu ist klar, dass die Verantwortung für die Leitung der Kirchgemeinde allein beim Kirchgemeinderat liegt. Das Pfarramt hat ein Antrags- und Mitspracherecht.

Obwohl die Synode dieser «Hierarchisierung» in der ersten Lesung bereits deutlich zugestimmt hatte, taten sich immer noch einzelne Mitglieder schwer damit: Eine Kirche müsse «partnerschaftlich», im Austausch gegenseitigen Vertrauens und Respekts und im Hören auf das Wort Gottes geleitet werden, verteidigte ein Votant das bisherige System. Doch Die Revision wurde – nach rund zweistündiger Debatte – mit 114 Ja zu 22 Nein, bei 25 Enthaltungen, angenommen.

Jahrzehnte währende, kräfteraubende Arbeitsverhältnisse in den Kirchgemeinden sollen auch aus anderem Grund bald der Vergangenheit angehören. Dazu will auch das überarbeitete Kirchengesetz des Kantons Bern beitragen, das der Grosse Rat in der Märzsession ohne Gegenstimme genehmigte. Im neuen Gesetz sind Pfarrer nicht mehr Beamte, die für sechs Jahre gewählt werden. Künftig stellt der Kirchgemeinderat die Pfarrerinnen und Pfarrer wie gewöhnliche Verwaltungsangestellte an – und kann ihnen folglich auch kündigen.

Synodalrat vermittelt

Es wäre ein frommer Wunsch, zu glauben, Konflikte werde es in den Kirchgemeinden künftig nicht mehr geben. Können diese nicht innerhalb der Kirchgemeinde gelöst werden und hilft auch eine Beratung durch die gesamtkirchlichen Dienste nicht, können sowohl die Pfarrleute als auch der Kirchgemeinderat an den Synodalrat gelangen. Dieser ist überhaupt immer beizuziehen, bevor der Kirchgemeinderat eine Kündigung ausspricht. Der Synodalrat wird Untersuchungen durchführen, Gutachten einholen, Ermahnungen aussprechen und kann neu auch Verfügungen erlassen, gegen die bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion rekurriert werden kann. Dies kann sich etwa auf die Frage beziehen, ob jemand einen Gottesdienst halten oder taufen darf.

Kündigung vors Volk?

Findet der Synodalrat keine Lösung, wird er dem Kirchgemeinderat die Kündigung empfehlen. Doch laut dem Kirchengesetz kann der Pfarrer die Zustimmung der Kirchgemeindeversammlung verlangen. «Das bedeutet allerdings, dass der Kirchgemeinderat ohne Rücksicht auf den Datenschutz öffentlich über den Kündigungsgrund informieren wird», gab Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus (SVP) gestern vor den Synodalen zu bedenken. Über Kündigungen werden nur jene Kirchgemeinden abstimmen können, die auch die Anstellung genehmigen. Die Gemeinden können in ihren Organisationsreglementen auf ein Mitspracherecht bei Anstellung und Kündigung verzichten.

Die Teilrevision der Kirchenordnung untersteht dem fakultativen Referendum. Noch ist offen, wann sie in Kraft treten wird.

Berner Zeitung

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