Zum Hauptinhalt springen

Kammermusikalische Raritäten aus Iberien

Jenseits der Klischees:

Von einem «Schlüsselkonzert» sprach Kaspar Zehnder, Flötist und Künstlerischer Leiter der Murten Classics, bei der Einleitung des Abends im Kulturzentrum Beaulieu. Und er versprach nicht zu viel: Mit kammermusikalischen Raritäten untermauerte das Ensemble Paul Klee den Anspruch des Festivals, die Vielfalt iberischer Musik auch abseits des Gewohnten zu erkunden. Wie hoch der Anspruch war, zeigte sich noch vor Beginn des Konzerts, im Licht der Ironie: Leicht verlegen musste Zehnder eine doppelte Programmänderung ankünden, zumal es «trotz bester Kontakte» nicht gelungen sei, das Notenmaterial in Gänze aufzutreiben. Weder die «Berceuse trágica» des Basken Andrés Isasi (1890–1940) noch «Improviso für Klarinette und Klavier», das letzte Werk des Portugiesen Joly Braga Santos (1924–1988), waren verfügbar. Ohne Zweifel verlor das klug komponierte Programm damit etwas an Stringenz und Geschlossenheit, obwohl die Alternativen durchaus hörenswert waren: Gerade die Habanera des Halbbasken Maurice Ravel in einer Fassung für Geige und Klavier überzeugte in ihrer träumerischen Intensität, streifte aber auch am ehesten die Grenze zu jenen Spanienklischees, die es eigentlich zu unterlaufen galt. In wechselnder Besetzung, hoch konzentriert und mit packender Spielfreude streifte das Ensemble Paul Klee durch die Historie – von Felipe Pedrell (1841–1922), dem Übervater der spanischen Nationalmusik, über Roberto Gerhard (1896–1970) bis hin zu zeitgenössischen Vertretern wie César Cano und Carles Martínez Eroles. Dabei zeigte sich auf verblüffende Weise, wie kreativ iberische Komponisten im 20.Jahrhundert moderne Strömungen wie Impressionismus und Zwölftonmusik mit traditionellen Elementen zu verknüpfen verstanden. Zum Höhepunkt des Konzerts indes geriet ein Werk im Geist des Neoklassizismus: Energisch, virtuos und voll sprühender Heiterkeit präsentierte das Ensemble in Vollbesetzung das einzige Kammermusikwerk von Manuel de Falla. Oliver Meier >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch