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Islamischer Rat sorgt für Unruhe

Interviews und Auftritte von Exponenten des

In der Schweiz leben aktuell rund 350000 Musliminnen und Muslime. Sie haben sich in zahlreichen Vereinen sowie in mehreren islamischen Organisationen zusammengeschlossen. Ein vergleichsweise kleiner Verein sorgt momentan besonders für Gesprächsstoff: der im letzten Oktober in Bern gegründete und mittlerweile rund 1000 Mitglieder zählende Islamische Zentralrat Schweiz. «Dynamik einer Sekte» So löste gestern die Publikation eines Interviews mit Zentralratspräsident Nicolas Blancho auf dem Internetportal der «Berner Zeitung» Dutzende von hitzigen Kommentaren aus. Sie reichten von Verständnis für die Haltung Blanchos bis zu deutlicher Kritik an diesem und dem Zentralrat. Ebenfalls sehr kritisch gegenüber dem Rat und seinen Exponenten zeigte sich gestern auf Anfrage Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam. «Diese Organisation ist gefährlich», sagte sie. «Sie verbreitet eine totalitäre Ideologie, wie sie in Saudiarabien und bei den Taliban umgesetzt wird. In ihr ist kein Platz für Freiheit, Selbstbestimmung und andere Menschenrechte vorgesehen.» Keller-Messahli will beim Islamischen Zentralrat gar «die Dynamik einer Sekte» erkannt haben. Das Wochenmagazin «Die Weltwoche» bezeichnete den Bieler Nicolas Blancho in einem Artikel jüngst gar als «den gefährlichsten Islamisten der Schweiz». Saïda Keller-Messahli glaubt, der Zentralrat und seine Mitglieder seien wahnhaft davon überzeugt, dass sie den «richtigen Weg» gefunden haben und dass alle anderen, die nicht so tickten wie sie, «irregeleitet» seien. Auffällig sei zudem, dass primär vom Christentum zum Islam konvertierte junge Männer an die mediale Front geschickt würden. Andere Mitglieder blieben so verdeckt. Im Internet seien indes schon auch andere Mitspieler und ihre Botschaften zu sehen und zu hören. Und deren Botschaften seien zum Teil «beunruhigend». Alard du Bois-Reymond, Direktor des Bundesamtes für Migration, äusserte sich in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» am letzten Wochenende kritisch zu den Islam-Konvertiten: Einzelne von ihnen wollten eine radikal andere Gesellschaft, «vergleichbar mit den früheren RAF-Terroristen» in Deutschland. Sie stellten ein Sicherheitsrisiko für die Schweiz dar, stellte er fest. «Hetzkampagne» Über so viel Kritik kann Patric Jerome Illi oder Abdel Azziz Qaasim Illi, Kommunikationsverantwortlicher des Islamischen Zentralrates, im Telefongespräch mit dieser Zeitung nur staunen. «Wir werden gegenwärtig regelrecht durch den Dreck gezogen. Da läuft eine Hetzkampagne gegen uns», glaubt er. Die Anschuldigungen seien allesamt unhaltbar. «So haben wir nie gesagt, dass wir für die Schaffung einer Parallelgesellschaft sind. Auch lehnen wir jede Form von Terrorismus kategorisch ab», sagt Illi. Im Interview mit dieser Zeitung distanzierte sich auch Blanco von Gewalt, sprach aber von einem Leben in «Parallelgemeinschaften». Auch die Juden in Zürich hätten ihr eigenes Strässchen, ihre Organisationen und ihre Lobby, erklärte er. Dementsprechend, sagt Illi, sei ihr Ziel der Aufbau einer Basisorganisation, welche die Interessen der Muslime in der Schweiz vertrete. Man lehne die vollständige Anpassung der Muslime ab, stehe aber für eine Integration der Menschen in ein vorhandenes Wertesystem ein. Unter Beobachtung Der Zentralrat und seine Exponenten dürften jedoch nicht zuletzt aufgrund ihrer Medienauftritte in den letzten Wochen unter verschärfter Beobachtung der Nachrichtendienste stehen. Felix Endrich, Kommunikationschef des Dienstes für Analyse und Prävention (DAP), konnte gestern über konkrete Operationen nichts sagen. Für Illi ist es «logisch, dass wir unter Beobachtung stehen». Der Zentralrat werde aber weiterhin mit Engagement für die Interessen seiner Mitglieder einstehen. mic>

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