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Industriepläne auf Eis gelegt

RubigenDer Parkplatzstreit um die Mühle Hunziken hat Folgen: Weil der Besitzer des Hunzikenguts nicht Hand für eine Lösung bietet, eilt es dem Gemeinderat nicht, die Hunzikenau umzuzonen. Deshalb werden so schnell keine 300 bis 400 Arbeitsplätze

In der Hunzikenau von Rubigen können sich in den nächsten Jahren so schnell keine Industrie- und Gewerbebetriebe ansiedeln. Der Gemeinderat war auf Anfragen von Investoren bereit, das Kulturland zwischen dem Autobahnanschluss und der ARA Münsingen umzuzonen. Die unmittelbare Nähe zur Autobahn schien ihm für eine neue Industriezone geradezu ideal gelegen. Denn das Dorf würde nicht durch zusätzliche Lastwagenfahrten und mit Durchgangsverkehr belastet. Von 300 bis 400 neuen Arbeitsplätzen direkt an der Autobahnausfahrt war die Rede. Die Rubiger hätten noch in diesem Jahr über die Zonenplanänderung abstimmen sollen. Doch daraus wird nichts: Der Gemeinderat hat entschieden, die Umzonung bis auf weiteres auf Eis zu legen. Grund für diesen Richtungswechsel sind gemäss Gemeindepräsident Renato Krähenbühl (BDP) die «schwierigen Verhandlungen» mit dem Besitzer des Hunzikenguts. Dieses gehört dem ehemaligen Tierarzt Werner Sidler aus Worb. Sidler liegt seit Jahren im Streit mit den Betreibern der Mühle Hunziken. Das national bekannte Kulturlokal verfügt über keine eigenen Parkplätze für seine Konzertbesucher. Nun hat Sidler zwar in unmittelbarer Nachbarschaft einen grossen Parkplatz gebaut, doch die Mühle Hunziken verfügt über keine Garantien, dass ihre Besucher den Platz mitbenützen können. Der Streit erreichte Mitte Oktober seinen vorläufigen Höhepunkt: Sidler teilte den Mühle-Gästen Bussenzettel aus, weil diese ihre Autos auf dem Platz parkten (wir berichteten). Erst die Probleme lösen Der Gemeinde sei immer wieder zugesichert worden, dass die Mühle Hunziken den neuen Parkplatz mitbenützen könne, erklärt Krähenbühl, doch bis heute hätten sich Sidler und die Mühle-Betreiber nicht einigen können. «Solange die Versprechen nicht eingelöst werden, geniesst die Umzonung keine Priorität mehr.» Das solle aber nicht bedeuten, dass der Gemeinderat grundsätzlich am Projekt nicht mehr interessiert sei. Gemäss Krähenbühl kommt hinzu, dass sich die Gemeinde und der Grundeigentümer noch nicht über die Mehrwertabschöpfung einigen konnten. Diese soll auf 40 Prozent angesetzt werden. Damit würden rund 2 Millionen Franken in die Kasse von Rubigen gespült. «Solange die Verhandlungen nicht abgeschlossen werden können und die Situation rund ums Hunzikengut nicht glasklar geregelt ist, rühren wir in der Sache keinen Finger mehr», so Krähenbühl. Die Gemeinde Rubigen ist mit Grundeigentümer Werner Sidler auf einen schwierigen Verhandlungspartner gestossen. Denn seit Jahren liegen die Ländereien des Hunzikenguts brach. Pläne für das 40 Hektaren grosse Gut hätte es in der Vergangenheit viele gegeben. Unter anderem sollte hier ein Fussballtrainingscamp für die Berner Young Boys gebaut werden. Versprechen nicht eingelöst Die Rubiger stimmten im Sommer 2006 dafür einer Zonenplanänderung zu. In der Abstimmungsbotschaft versprach Grundeigentümer Sidler, im Gegenzug die Stiftung Pro Hunziken zu gründen. In die Stiftung sollten das Hunzikengut mit Herrschaftshaus überführt und der Bevölkerung als Naherholungsgebiet zugänglich gemacht werden. Die Botschaft lautete: «Das gesamte Hunzikengut wird unbelastet eingebracht samt langjährigen Erträgen aus Baurecht, Pacht und Mieten.» Doch auch drei Jahre nach der Abstimmung ist das Hunzikengut noch immer nicht in die Stiftung überführt worden. Wie der Blick ins Grundbuch zeigt, gehören der Stiftung zwei kleine Parzellen auf der anderen Seite des Kreisels. Auf einer plant Coop, eine Tankstelle zu bauen. Gegen das Projekt wurde beim Regierungsstatthalteramt Einsprache erhoben. Das Verfahren ist noch hängig. Grundeigentümer Werner Sidler oder ein anderes Mitglied des Stiftungsrats Pro Hunziken konnten gestern für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Christian Liechti>

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