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Indianischer Abschied

Harry Meier

Seit rund zehn Jahren durfte ich an dieser Stelle Geschichten, Gedanken und Erlebnisse veröffentlichen. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass es so viele Jahre werden würden. Die Texte waren sicher manchmal etwas gar skurril. Doch immer wieder hörte ich von Lesern, dass die Geschichten ein willkommenes Schmunzeln oder Lachen auslösten. In dieser doch relativ langen Zeit habe ich nur drei negative Reaktionen erhalten. Dies zu den Texten: Raser auf dem Lande, Nordic Walking und Expo.02. Drei Leser fanden diese Texte gar nicht witzig. Sollte ich auch noch anderen Lesern auf die Nerven gegangen sein, tut mir das wirklich leid! Meine Lieblingsthemen waren ja meist der Alltag und seine Tücken. Sehr oft habe ich meine indianischen Freunde zitiert. In der heutigen modernen Welt erschienen mir altmodische oder zeitlose Gedanken quasi als Gegengewicht zur modernen Welt berechtigt zu sein. Schade, wenn in Vergessenheit geraten würde, dass man die Dinge immer auf unterschiedliche Weise betrachten kann. Hinter dem modernen Fortschritt kann ja manchmal auch Fort-Schrott verborgen sein. Auch war es mir immer wichtig, zu hinterfragen, wovon wir eigentlich fort-schreiten. Alles wird offensichtlich immer schneller – oder ich vielleicht altersbedingt langsamer. Meine einfachen Geschichten wurden von vielen Leserinnen und Lesern als eine Form des Innehaltens in unserer hektischen Zeit beschrieben. Die alten Lebensweisheiten der Indianer und anderer Urvölker können uns auch heute noch als Spiegel dienen. Ob man in diesen Spiegel schauen will oder nicht, kann und darf ja jeder Mensch immer wieder aufs Neue selbst entscheiden. Danke für die Geduld, dass Sie bis hierher gelesen haben. Sie ahnen es ja schon, und ich komme jetzt auf den Punkt. Dies wird mein letzter Text sein. Ich möchte Platz machen für andere; für neue Gedanken und neue Formen, diese mitzuteilen. Auch hier möchte ich ein letztes Mal etwas von der Tradition meiner Indianerfreunde weitergeben – ein indianischer Abschied sozusagen. In jungen Jahren das erste Mal damit konfrontiert, bin ich erschrocken – zu ungewöhnlich und seltsam erschien mir diese Form des Abschieds. Als ich damals meinem besten indianischen Freund die Hand zum Abschied reichen wollte, meinte dieser nur: «In unserer Sprache gibt es keine Worte des Abschieds! Wir nehmen niemals Abschied. Sich zu verabschieden würde heissen, dass man die Person niemals wiedersehen möchte, dass man diesen Menschen aus den Erinnerungen streichen wird. Wir bleiben aber immer verbunden. Nicht einmal der Tod kann das ändern. Denn wer weiss schon, wann und wo wir uns wiedersehen?» Ich bedanke mich also für die gute Zeit mit euch, liebe Leserinnen und Leser! In diesem Sinne wünsche ich euch allen nur das Beste! Buchstäblich: Auf Wiedersehen. Wo auch immer harrymeier@bluewin.chwww.abalona.ch >

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