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In Thun auf den Spuren des einstigen Kantons Oberland

VernissageDie neue Ausstellung im Schloss Thun wurde gestern Abend eröffnet. Sie lässt die Zeit der Helvetik und den Kanton Oberland als Episode der Geschichte lebendig werden.

Die Zeit der Helvetik kennen die meisten nur aus dem Geschichtsunterricht in der Schule, und vermutlich blieb bei den meisten davon nur wenig hängen. In der neuen Sonderausstellung im Schloss Thun, die unter dem Titel «Canton Oberland – Eine Episode der Berner Geschichte» steht, erhalten die Museumsbesucher Einblick in eine Zeit, die besonders für das Berner Oberland von grosser Bedeutung war. «Weil die Helvetik als Zeit des Umbruchs, die wichtige Neuerungen mit sich brachte, oft unterschätzt wird, wollen wir sie in einem neuen Licht zeigen», erklärte Lilian Raselli, Leiterin des Schlossmuseums, gestern Abend bei der Vernissage der Ausstellung. Enge Verbindung zum Schloss Die Stadt und das Schloss Thun sind eng mit der kurzen Geschichte des Kantons Oberland verbunden, der 1798 gegründet und 1803 bereits wieder an Bern angegliedert wurde. «Während der kurzen Zeit als Hauptstadt des neuen Kantons liess sich die Verwaltung in den ehemaligen bernischen Amtsräumen im Schloss nieder», erklärte Raselli. Was jedoch nach Macht klingt, war in erster Linie Papierkrieg und Bürokratie. Alles habe bei der helvetischen Zentralregierung beantragt und von ihr abgesegnet werden müssen. Denn Macht wollten die französischen Besatzer (siehe Kasten) den neuen Verwaltungsbezirken gar nicht einräumen. Trotzdem geht es in der Ausstellung auf dem Schloss herrschaftlich zu und her. Auf einem roten Teppich schreiten die Besucher an den erstmals der Öffentlichkeit präsentierten Thuner Schultheissenwappen vorbei. Die meterlangen Tafeln dienen unwillkürlich als Zeitachse für die unwahrscheinlich lange Herrschaft der Berner Regierung. Als Bern Ende des 18.Jahrhunderts fiel, wurden die bisherigen Machtsymbole gewaltsam entfernt. «Grün, die Farbe Tells, wurde zum Erkennungszeichen und löste das behäbige Rot ab, das vorher allgegenwärtig war», betonte die Schlossdirektorin. So wird der rote Teppich auf dem Ausstellungsrundgang dann von einem grünen abgelöst. Und grün war auch der Freiheitsbaum, der vor dem Thuner Rathaus aufgestellt wurde und von dem sich eine Nachbildung in der Ausstellung im Schloss findet. Trinkfreudige Soldaten Eine düstere Episode des Kantons Oberlandes ist die Unterbringung der französischen Besatzer in den Thuner Haushalten. Für die Familien war die Trink- und Essfreude der Besatzer eine grosse finanzielle Belastung. Deshalb wurde alsbald der Bau einer Kaserne in Angriff genommen, der Unsummen verschlang. Ebenfalls ist überliefert, dass Thuner Frauen den Übergriffen der französischen Soldaten zum Opfer fielen. Kein Wunder wurde der Ruf nach Rückkehr zu den alten Verhältnissen laut. Nach einem Aufstand der Oberländer 1799 war der Untergang des Kantons Oberland schon besiegelt. Nur auf dem Papier existierte er bis 1803 weiter. «Obwohl der Kanton Oberland nur fünf Jahre bestand, wurden unter anderem die Grundsteine für eine allgemeine Schulpflicht, die Pressefreiheit und die Eröffnung einer Militärschule in der neuen Kaserne gelegt», resümierte Lilian Raselli. «Der Aufbruch Thuns in die Moderne hatte damit begonnen.»Therese Krähenbühlwww.schlossthun.ch>

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