Zum Hauptinhalt springen

«In jedem Menschen steckt etwas Göttliches»

spiezer autorinDie Hondricherin Marianne Vogel Kopp

«Der Spur nach» ist ihr erster Roman. Für viele Autoren heisst schreiben auch leiden. Marianne Vogel Kopp: Nein, gelitten habe ich nicht. Schreiben war ja zunächst eher lustvolles Freizeitprojekt, das ich geheimhielt, um mich nicht unter Druck zu setzen. Das war eher prickelnd. (Lacht). Schwieriger gestaltete sich hinterher die Suche nach einem Verlag – ein halbes Jahr voller Bangen und Zweifel. Ein zentrales Thema des Romans ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Familie. Wie wichtig ist dies, gerade für einen jungen Menschen wie Lukas, die Hauptfigur Ihrer Geschichte? Die Frage nach Herkunft und Identität bewegt alle. In Lukas’ Familiengefüge gibt es zusätzlich ein verschwiegenes Geheimnis, das belastet und dem er auf die Spur kommen möchte. Die Geschichte endet mit einer Versöhnung, in Lukas’ Fall auch mit sich selbst. Dazu gehören gute, neue Erfahrungen nebst der Bejahung dessen, was nicht zu ändern ist. Helene, Lukas Tante, rebelliert in jungen Jahren heftig gegen ihr Elternhaus und übernachtet oft in Kirchen. Es ist der Anfang ihrer Suche nach sich selbst. Beschreibt die Figur Sie selbst in jungen Jahren? Nein, die Figuren des Romans sind frei von unmittelbar Autobiografischem. Die Figur der älteren Helene ist zuerst entstanden, dann entschied ich aber, meinen Fokus auf den jungen Lukas zu legen und mit ihm Helenes Spur zu folgen. Im Gegensatz zu Helene war ich als Jugendliche äusserlich angepasst und brav. (Lacht). In diversen Kirchen habe ich aber bibliodramatische Nächte verbracht – sie gehören zu meinen unvergesslichen Erlebnissen. Sie sagten mal, Menschen seien «unheilbar religiös». Was meinen Sie damit? Ich bin geprägt von der christlichen Mystik, die sagt: Tief in jedem Menschen steckt Göttliches. Viele moderne Menschen sind sehr wissenschaftsgläubig. Da braucht es einen Auslöser – den Verlust eines nahen Menschen etwa oder eine Sinnkrise – damit sie beginnen, sich mit spirituellen Fragen zu beschäftigen. Im Roman tun Helene und Lukas dies heftig, jedoch auf unterschiedliche Weise: Lukas bleibt religiösen Themen gegenüber skeptisch, während Helene sich kopfüber in alle möglichen Erfahrungen stürzt. Es bleibt dem Leser überlassen, mit welcher der Figuren er sich identifizieren will. Ihr Roman beschreibt vor allem starke Frauenfiguren. Die Männer sind zurückhaltend, eigenbrötlerisch. Widerspruch! Es hat durchaus einige starke Männerfiguren darin. Ich denke dabei an den koptischen Mönch, den Pädagogen Rauschenbach oder den jungen bretonischen Künstler. «Der Spur nach» ist keineswegs ein Frauenbuch, das beweisen etliche positive Reaktionen von Männern. Aus Rückmeldungen habe ich auch erst realisiert, dass sich der Roman für Leser aller Altersklassen eignet. Mein 17-jähriger Göttibub las ihn mit Spannung, ebenso eine 89-jährigen Bewohnerin des Krankenheims Spiez. Welche Beziehung haben Sie zu den Ländern, die Lukas bereist, wie zum Beispiel Malta, Frankreich und Ägypten? In Alexandria oder auf Malta war ich noch nie. Mein Wissen holte ich aus Reiseliteratur. Die Auvergne oder die Bretagne sind mir vertraut. Das Berner Oberland kommt in ihrem Roman nicht vor, Bern und das Emmental hingegen schon. In der ersten Fassung wählte ich ein fiktionales «Brüggstedt». Meine Verlegerin meinte aber, die Stadt müsse unbedingt konkret sein – die «Anpassung» auf Bern fiel dann aber leicht. Für Röthenbach im Emmental hab ich mich entschieden, weil ich einen Turm benötigte – nun eben den im «Chuderhüsi»! Schreiben Sie bereits an einem weiteren Buch? Ja, der Plot steht bereits und Schreiblust ist auch vorhanden. Aber einzig mein Mann ist Testleser zur Zeit. Vorerst kümmere ich mich aber um das aktuelle Buch «Der Sur nach» und hoffe, dass es seine Leser finden wird. Schreiben tue ich nicht zur Selbstbefriedigung, sondern um meine Leserschaft zu unterhalten und anzu-regen.Sarah McGrath-Fogal «Der Spur nach»: Marianne Vogel Kopp liest aus ihrem Buch am Dienstag, 16. November, um 20 Uhr in der Kirche Bruder Klaus an der Belvédèrestrasse 6 in Spiez. Der Roman «Der Spur nach» ist im Nydegg Verlag erschienen und kostet 42 Franken. Erhältlich ist er in der Buchhandlung, so auch im Bücherperron Spiez (Tel. 033 828 81 62).>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch