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Im Sand stecken geblieben

Im Schweizer Davis-Cup-Team klaffen Anspruch und Realität weiterhin auseinander. In Freiburg verlor die Equipe um Leader Roger Federer gegen die USA 0:5. Im Herbst wird sie gegen den Wiederabstieg kämpfen.

Zuerst waren Roger Federer zwei leichte Fehler unterlaufen, dann traf er beim Stand von 30:30 den Ball nicht. Das letzte Game im samstäglichen Doppel war symptomatisch für ein verkorkstes Wochenende aus Sicht des Schweizer Davis-Cup-Teams. Federer und Stanislas Wawrinka unterlagen dem amerikanischen Duo Mike Bryan/Mardy Fish 6:4, 3:6, 3:6 und 3:6; der Traum vom Titel im Teambewerb, welcher durch die erstmalige Präsenz Federers in einer Auftaktpartie seit acht Jahren aufgekommen war, löste sich in Luft auf. Das vom internationalen Tennisverband ITF zum Schlagerspiel der Runde erkorene Duell endete also vorzeitig. Weil in den bedeutungslosen Einzeln vom Sonntag auch Michael Lammer (gegen Ryan Harrison) und Marco Chiudinelli (John Isner) den Kürzeren zogen, unterlag die Schweiz den USA 0:5. Die Schweizer hatten am Wochenende Sand im Getriebe. Apropos Sand: Der Belag in Freiburg war viel diskutiertes Thema. Nach dem Geschmack der Einheimischen war er der Höhenlage (700 Meter über Meer) und geringen Luftfeuchtigkeit wegen zu schnell und holprig. Federer gestand, dass der Heimvorteil nicht optimal ausgenutzt wurde – «wir werden das intern besprechen». Allerdings wollte er die äusseren Einflüsse nicht überbewerten. «Die Amerikaner haben verdient gewonnen, ihre Leistungen verdienen Respekt.» US-Captain Jim Courier erklärte derweil, er habe realisiert, dass sich die Schweizer stark mit dem Platz beschäftigten. «Ich sagte meinen Jungs, dass sie das ausnutzen sollen.» Federers exklusive Analyse Überraschenderweise fiel Federers Bilanz nicht ernüchternd aus. Er betonte, zweimal gut gespielt zu haben, sagte, die Enttäuschung sei nach anderen Begegnungen grösser gewesen. Man wurde das Gefühl nicht los, die Weltnummer 3 versuche die Darbietung schönzureden. Federer meinte weiter, auch im Doppel wären Siegchancen da gewesen. Dem war jedoch nicht so. Dem helvetischen Duo war zwar gleich im ersten Game der Servicedurchbruch gelungen, weitere Breakmöglichkeiten erspielte es sich in der Folge indes nicht mehr. Etwas deplatziert schien Federers Aussage, Wawrinka habe am Freitag nicht seinen besten Match gespielt und es verpasst, den Gegner unter Druck zu setzen. Er lag damit nicht falsch, doch er selbst hatte, gemessen an den hohen Ansprüchen, keineswegs überragend agiert. Auch im Doppel war er nicht die erwartete Leaderfigur, er liess auch Emotionen vermissen. Klare Worte Swiss Tennis hatte ans Team geglaubt und hinsichtlich eines möglichen Halbfinals im September Hallen reservieren lassen. Anders als Federer machten Verbandspräsident René Stammbach und der Davis-Cup-Verantwortliche Erik Keller aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl. Letzterer sprach von einem enttäuschenden Auftritt, Stammbach von einer verpassten Chance, weil Novak Djokovic und Rafael Nadal heuer den Cup nicht prioritär behandeln. Beide wussten: Die Chancen, den Titel zu gewinnen, sanken markant. Zumal Federer offensichtlich nicht mehr Garant für drei Punkte ist. Statt um die Trophäe spielt die Schweiz Mitte September um den Verbleib in der Weltgruppe. Als Gegner kommen unter anderen die Niederlande, Belgien, Portugal, aber auch Südafrika, Brasilien, Chile, Australien und Usbekistan infrage; ausgelost wird im Sommer. Federer sagte, im Prinzip stehe er zur Verfügung, konkrete Gedanken werde er sich später machen. Keller, der Teamchef Severin Lüthi das Vertrauen aussprach («Er bleibt der Wunschcaptain»), will in ein paar Wochen das Gespräch mit Federer suchen. Sportlich ernüchternd, wirtschaftlich erfolgreich – so lässt sich das Geschehen für Swiss Tennis zusammenfassen. Aus dem Heimspiel resultiert ein Gewinn zwischen 650000 und 750000 Franken. Die Hälfte geht an die Spieler, der Verlust aus der Fed-Cup-Partie vor Wochenfrist (180000 Franken) wurde dennoch mehr als kompensiert. Das bleibt ein schwacher Trost.Philipp Rindlisbacher>

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