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Im Dienst der Vernachlässigten

Ski alpinDer Meiringer Reto Schläppi ist für die Betreuung der Slalomfahrer zuständig. Bei der morgigen Ouvertüre in Levi ist Swiss-Ski nur mit einem Quartett vertreten.

Silvan Zurbriggen ist in mancher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Der Walliser verkörpert im Slalom als einziger Swiss-Ski-Vertreter Weltklasse. Von Ivica Kostelic abgesehen, ist der 29-Jährige unter den 20 besten Stangenakrobaten des vergangenen Winters der Einzige, welcher in sämtlichen Disziplinen Weltcuppunkte gewann. Auf der andern Seite haben elf Athleten aus dem genannten Kreis lediglich in ihrer bevorzugten Sparte Zählbares vorzuweisen, etliche wie der letztjährige Kristall-Gewinner Reinfried Herbst treten ausschliesslich im Stangenwald an. «Der Slalom wird von den meisten Allroundern gemieden, weil sich ohne grosse Trainingsumfänge nichts Schlaues erreichen lässt», sagt Reto Schläppi. Geringer Stellenwert Der Meiringer ist für die von Männer-Chef Martin Rufener neu erstellte Weltcuptrainingsgruppe 4 verantwortlich, in welcher die Slalomfahrer aufgehoben sind. Es handelt sich hierbei um eine rare Spezies. Die Gruppe umfasst vier Athleten, wobei Marc Berthod und Justin Murisier mindestens die Hälfte ihres Pensums dem Riesenslalom widmen. Rufener hat die Entwicklung des Skisports in erfreuliche Bahnen gelenkt, die Slalommisere vermochte jedoch auch der Unterseer noch nicht zu entschärfen. In der Geschichte des Weltcups sind bloss 13 Slaloms mit Schweizer Siegern zu Ende gegangen; der letzte Triumph geht auf den 11.November 2007 (Marc Gini) zurück. Begibt sich Schläppi auf Ursachenforschung, landet er unweigerlich bei der landesweiten Bedeutung der Disziplinen. «Ich habe den Eindruck, dass der Slalom bei uns am Schluss kommt», sagt der Haslitaler. Bei den 18-, 19-Jährigen verfüge die Schweiz fast permanent über Spitzenkönner, derzeit denke er beispielsweise an Murisier und Juniorenweltmeister Reto Schmidiger. Die begabten Athleten seien aber nicht auf den Slalom fixiert, gehörten auch in andern Disziplinen zu den Besten. «Albrecht, Berthod, Janka und Viletta waren als Junioren in allen Disziplinen sehr gut gewesen. Als sie in den Weltcup kamen, fuhren sie auf allen Schienen weiter. Wer das tut, fällt im Slalom in der Regel zurück.» Der typisch helvetische Werdegang lässt sich auch am Exempel des Emmentalers Beat Feuz demonstrieren, welcher im Slalom als Junior zwei WM-Medaillen gewann, die Sparte heute jedoch als seine deutlich schwächste bezeichnet. In Österreich präsentiert sich die Situation gänzlich anders, obwohl die Abfahrt auch beim Erzrivalen den höchsten Stellenwert geniesst. Die Slalomgruppe hat ennet dem Rhein Tradition; gegenwärtig bilden die von Christian Höflehner betreuten Athleten um Herbst, Manfred Pranger und Marcel Hirscher das kompakteste und stärkste Ensemble im Weltcup. Lediglich vier Startplätze Es sei möglich, dass die reinen Slalomfahrer früher unzureichende Betreuung erfahren hätten, erwidert Schläppi auf die entsprechende Frage. Ehe dessen Gruppe als eigenständig deklariert wurde, waren die ausschliesslich Slaloms bestreitenden Marc Gini und Markus Vogel in der Gruppe Sepp Brunners untergebracht, in der vorwiegend Riesenslalom trainiert wird. Allrounder Zurbriggen ist Teil der Kombi-Gruppe um Didier Cuche, welche seit diesem Sommer von Roland Platzer geleitet wird. Gelangt morgen im finnischen Levi (9.55/12.55, SFzwei) der erste Slalom in dieser Saison zur Austragung, ist Swiss-Ski infolge des bescheidenen Auftritts im Vorwinter bloss mit einem Quartett vertreten. Berthod musste über die Klinge springen; Vogel und Murisier seien in der Ausscheidung schneller gewesen, sagt Schläppi. Gini, der noch immer an den Nachwehen eines Sturzes auf den Kopf leidet, traut der Berner einen Top-Ten-Platz zu – «wenn alles passt». Im Kampf um den Sieg hingegen verfügt die Schweiz nur über einen Trumpf: Silvan Zurbriggen, die Ausnahmeerscheinung. Micha Jegge>

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