«Ich weiss, die Welle wird abflachen»
filmMax Hubacher (18), Hauptdarsteller in «Der Verdingbub», ist für den Schweizer Filmpreis nominiert und reist diese Woche als Schweizer Shootingstar 2012 an die Berlinale. Der Berner Fachmittelschüler bleibt aber am Boden und geniesst seinen Erfolg mit höchster Vorsicht.
Ihre Rolle im Kinofilm «Verdingbub» machte Sie über Nacht berühmt. Haben Sie überhaupt noch den Nerv, die Schulbank zu drücken? Max Hubacher: Ich muss ja nur noch ein halbes Jahr durchhalten. Abgesehen davon ist es mir sehr wichtig, die Fachmittelschule abzuschliessen. Sie gibt mir eine Basis, auf die ich später jederzeit zurückgreifen kann. Keiner kann mir garantieren, dass ich irgendwann von der Schauspielerei leben kann. Die Wahl zum Schweizer Shootingstar 2012 ist doch ein perfekter Karrierestart? Ja, aber noch bin ich kein professioneller Schauspieler. Ich will unbedingt versuchen, nächstes Jahr an eine Schauspielschule zu kommen. Ihr Vitamin B wird Ihnen da sicher helfen, nicht? Ich kenne nicht viele Leute im Filmgeschäft, und ich weiss auch noch überhaupt nicht, wie das Ganze abläuft. Die beiden Schweizer Schauspieler Joel Basman und Nils Althaus waren auch schon als Shootingstars an der Berlinale. Haben Sie sie nie kontaktiert? Ich weiss natürlich, wer die beiden sind, habe allerdings nie mit ihnen gesprochen. Es wäre aber sicher nicht schlecht, sie mal anzurufen. Wie ist es eigentlich, in einer kleinen Stadt wie Bern bekannt zu sein? Es ist nicht so, dass einem die Leute auf der Strasse zujubeln. Der ganze Rummel um meine Person ist nicht so gross, wie man sich das vielleicht vorstellt. Hin und wieder werde ich aber schon auf den «Verdingbuben» angesprochen. Tuscheln die Mitschüler über Sie? Nein, das wäre ja auch blöd, wenn ich in der Schule plötzlich einen anderen Status hätte. Ich probiere, den ganzen Rummel von der Schule fernzuhalten. Wenn ich dort bin, dann bin ich Schüler und konzentriere mich nur darauf. Wie schaffen Sie das alles – die Schule, die Schauspielerei, das Privatleben? Es ist streng und im Moment sehr stressig. Aber ich weiss, dass diese Welle wieder abflachen wird. Zum Glück bekomme ich Unterstützung von meiner Familie, meinen Kollegen und meiner Freundin. Was kommt im Moment zu kurz? Chillen. Was verstehen Sie darunter? Einfach mal nicht viel zu tun, an nichts denken zu müssen, im Moment zu leben. Jetzt besuchen Sie aber erst einmal die Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Als Shootingstar und auch als Promijäger? Die Kamera nehme ich auf jeden Fall mit. Das wird ein Riesenereignis und eine Wahnsinnserfahrung. Aber ich werde mich sicher nicht vor irgendwelche Promis stellen und «Can I take a picture» rufen. Das wäre irgendwie auch blöd. Kommt Ihre Freundin mit? Nein, wir haben uns entschieden, ein anderes Mal zusammen nach Berlin zu reisen. Wenn wir mehr Zeit füreinander haben. Fällt es ihr schwer, mit Ihrer Bekanntheit umzugehen? Wir probieren beide, möglichst keinen Wirbel darum zu machen. Wenn wir zusammen sind, dann sind wir zusammen und konzentrieren uns auf uns. Im März beginnen die Dreharbeiten zum Kinofilm «Nachtzug nach Lissabon». Da geht doch der Rummel gleich weiter. Das ist etwas ganz Kleines. Ein Drehtag, und soweit ich weiss, habe ich nicht einmal eine Sprechrolle. Aber Oscar-Preisträger Jeremy Irons spielt die Hauptrolle. Das erhöht doch zumindest die Erwartungen an künftige Projekte. Ich kann sicher nicht sagen, dass ich von nun an nur noch in solchen Produktionen mitspielen werde. Ich kann mir die Rollen ja nicht aussuchen, werde aber jede Chance ergreifen.Miriam Lenz>
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