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Ich habe da meine Erwartungen

Beatrice Lüthi

Wir sind Bundesrat. Freude herrscht. Nun wird nicht nur in der ganzen Schweiz, sondern sogar in Bern selber bekannt sein, dass es den Oberaargau gibt und dass er zum Kanton Bern gehört Gut, ich gebe zu, ich habe mich am Anfang nur mässig gefreut. Denn meine Kandidatur ist so was von untergegangen, ich wurde ja nicht mal namentlich erwähnt. Als Sprengkandidat stand vor allem dieser Sänger und Dichter der Schweizerischen Volkspoeten im Vordergrund, dieser Dingsda, der Versemacher, dieser Rime. Jetzt aber freue ich mich riesig über die Wahl von Johann Niklaus Schneider-Ammann. Und ich stelle mir vor, was neben den Er-Kenntnissen über den Oberaargau noch alles wird ändern können. Ich habe da doch meine Erwartungen und Wünsche. Also denn. Die Welt wird gewaltfrei. Alle Menschen werden Geschwister. Wir verhauen uns nicht mehr, weder spät in der Nacht am Hauptbahnhof noch im Gaza-Streifen, weder in Kabul noch in der ehelichen Wohnung. Probleme werden wirklich ausdiskutiert, ausgewogene und faire Lösungen getroffen, und dann halten sich auch wirklich alle daran. Das Wetter wird besser, der Nebel und die graue, kalte Nässe werden abgeschafft. Der Klimawandel und das Artensterben werden gestoppt. Die Polkappen wachsen wieder. Die Wüsten nicht nur in Afrika werden grün und bunt und blühen. Nicht nur im Garten von Bundesrätin Sommaruga hütet sich das Unkraut, noch zu spriessen. Wir bleiben immer gesund, sind alle ohne Botox und Skalpell schön, werden alt und älter und geniessen es sogar. Männer und sogar Frauen werden nicht nach äusserlichen Merkmalen, sondern nach Intelligenz und Charakter beurteilt. Die Züge sind sauber und vor allem pünktlich, und alle Passagiere haben immer einen Sitzplatz. Auf der Strasse verhalten sich alle rücksichtsvoll, und niemand will andere erziehen oder belehren. Das Handy wird im Zug nur für wirklich wichtige Gespräche und beim Autofahren gar nicht benutzt. Der Oberaargau wird zum eigenen Kanton. Dann hängen wir nicht mehr so am Tropf des Finanzausgleichs wie heute der ganze Kanton Bern, und auch das «Gschtürm» von wegen zwei Bundesratsmitgliedern aus demselben Kanton hat sich erledigt. Ich merke gerade, dass ich für den Samichlaus fast gar keine Wünsche mehr übrig habe. Dabei ist Weihnachten gar nicht mehr so fern. Muss ich dann überlegen, wie ich das machen will. Oder habe ich da etwas velwechsert? Der Johann Niklaus ist halt doch nicht der St.Nikolaus, auch wenn das neben mir noch viele andere meinen mögen. Er wird nicht zaubern können Das mit dieser Kolumne hat dann wohl keinen Sinn mehr für heute. Erst muss ich wohl doch mal meinen Wunschzettel für den Samichlaus überdenken und ergänzen. Und für den Osterhasen müsste dann ja auch noch etwas übrig bleiben Vorher aber herrscht Freude, wir feiern unseren Bundesrat. Erst danach schauen wir weiter mit Erwartungen und Wünschen, die tatsächlich realistisch sind. Tschü-hüss also und bei Gelegenheit mal fröhliche und weisse Weihnachten im Kanton Oberaargau. >

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