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Höhenluft geatmet

FussballDer Berner Edis Colic hat beim schottischen Traditionsklub Aberdeen FC ein Probetraining absolviert.

Im Fussball gehen die Dinge oft rapide vonstatten, und gerade im Sommer kursieren Unmengen an Gerüchten. Das Einzige, worauf da wirklich Verlass ist, ist: Das Transferfenster schliesst stets am 31.August. Bis dahin spielen einige Kicker mit dem Gedanken, einen Wechsel vorzunehmen. Der Spiezer Edis Colic strebt einen Profivertrag an. Unlängst gastierte er im Trainingslager des schottischen Erstligisten Aberdeen FC. Der 22-Jährige war sogenannter Trialist: ein Besucher, dem die Chance gegeben wird, sich für einen Kontrakt zu empfehlen. Der Offensivmann, der zuletzt für den Walliser 1.-Liga-Verein Naters gespielt hatte, schlug sich gut. Er erzählt: «Am ersten Abend wurden gleich sieben nach Hause geschickt. Zwei Deutsche und ich durften bleiben.» Es handelte sich um Torhüter Andreas Rossl und Linksverteidiger Thomas Gentner, den Bruder von Nationalspieler Christian. Mit ihnen verbrachte der Spiezer während der vier Tage die meiste Zeit, «aber auch all die anderen waren sehr nett. Sie verhielten sich gegenüber mir, als wäre ich schon lange dabei gewesen. Überhaupt: Das Umfeld hat mir sehr gut gefallen.» Edis Colic heimste im Probetraining zwar Lob, aber keinen Vertrag ein. «Mir wurde gesagt, ich sei gut, von Ausländern werde aber erwartet, dass sie Verantwortung übernähmen. Und dazu war ich nicht in der Lage.» In Begleitung der beiden Deutschen verliess er das Trainingslager wieder, nachdem sie für die Reise je 100 Euro gekriegt hatten. Berater vermittelte Der Spielmacher wurde als Angreifer getestet, auch im Aufeinandertreffen mit Beinahe-Bundesligist Bochum (1:2). Der Berner sagt: «Das machte es schwer. Technisch konnte ich ohne Probleme mithalten; das Niveau war nicht extrem hoch. Aber physisch hatte ich Schwierigkeiten.» Obwohl mit 1,85 Meter relativ gross gewachsen, dürfte der Techniker Mühe gehabt haben, sich in Zweikämpfen zu behaupten – der raue schottische Fussball ist kaum auf ihn zugeschnitten. Colic ist zu verblüffenden Zuspielen fähig und in einem Meisterschaftsspiel einem Agenten aus Deutschland aufgefallen. Der vermittelte und ermöglichte dem 22-Jährigen, «Höhenluft» zu schnuppern. Gegenwärtig unterhält er Kontakte zu Graafschap, einem Klub der holländischen Ehrendivision, und Deutschland-Regionalligist Regensburg. Käme es zur Unterschrift, würde Colic, der Zurückhaltende, erstmals für eine längere Dauer sein Umfeld verlassen. «Ich habe mir das überlegt und mit meinen Eltern darüber gesprochen. Sie haben ihr Einverständnis gegeben.» Im Sommer 2009 wurde Colic viermal vom FC Thun in der Challenge League eingesetzt und später dem FC Naters ausgeliehen. Am liebsten spielte er künftig in der höchsten hiesigen Klasse. Dazu rechnet er sich aber kaum Chancen aus. «Da sind andere näher dran. Es geht nicht darum, nur gut zu sein – sondern zum richtigen Zeitpunkt jemanden zu überzeugen.» Fussball ist auch Glückssache. Adrian Horn>

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