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Hochgefühle in den Highlands

Der Könizer Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) hat eine neue Liebe: Schottland. Für unsere Wahlreportage hat er daher ein Stelldichein mit den zotteligen Hochlandrindern am Gurten arrangiert. Eine Portion Mut gehörte dazu.

«Chömit, hopp, hopp, hopp», ruft Ruedi Balsiger seinen 70 Hochlandrindern zu. Zuerst gucken sie bloss skeptisch, doch dann nähern sie sich immer schneller. Plötzlich sind der Bauer und der Gemeindepräsident von den stattlichen Tieren mit ihren bedrohlich langen Hörnern umringt. Bereut Luc Mentha nun seine Wunschreportage auf dem Gurten? Er lässt sich nichts anmerken und schaut tapfer in die Kamera der BZ-Fotografin. Im schottischen Hochland begegnen Mentha und Tanja Bischofberger regelmässig solche Herden. Mit ihrer Liebe zu diesem melancholischen Land hat seine Frau ihn angesteckt. Jetzt schwärmt auch er von der «unglaublichen Ruhe und Weite» in den wasserreichen Hebriden. Familientreffen im Süden Beim Spaziergang zwischen Gurtenbahn und Rinderherde erzählt Mentha auch von seiner «dritten Heimat». Neben Köniz und Schottland schlägt sein Herz für Südfrankreich. Dort haben seine Mutter und sein früh verstorbener Vater in den Sechzigerjahren ein Stück Wald gekauft. «Der Familienclan» – die vier Mentha-Geschwister mit ihren Angehörigen – trifft sich regelmässig dort. «Diese Tage sind mir ausserordentlich wichtig», sagt der 57-Jährige. Statt Politiker sei er dort jeweils Gärtner, Bauer, Koch. Der frisch Verheiratete hat aus erster Ehe eine Tochter (27) und einen Sohn (25). Ohne Kinder, ohne Familie veröde die Gesellschaft. Für ihn ist es «bedenklich, dass Haushalte mit Kindern in der Schweiz mittlerweile in der Minderheit sind». deshalb will er, dass Köniz für Familien noch attraktiver wird. Mentha blickt auf die Gurten-Wiese, wo er selber als Knabe herumtollte. Der Gurten ist für Mentha der Familienort schlechthin, ein Aushängeschild für Köniz. Mit einem richtigen Aushängeschild möchte er daher künftig die Besucher sensibilisieren: «Willkommen auf dem Berner Hausberg, willkommen in Köniz!». Bühne frei für den Geiger Fast jede Lebensphase kann der Könizer Gemeindepräsident mit dem Gurten verknüpfen. Auf der jetzt ruhigen Wiese ist er in jungen Jahren als Gastgeiger der Gruppe Ocean am Gurten-Festival aufgetreten. Seine eigene Band hatte den schlichten Namen Hostettler, Diem, Mentha. Von den Tonträgern erhält er noch jetzt eine jährliche Abrechnung. «Letztes Jahr erhielt ich Fr. 5.35 an Tantiemen.» Fast wäre der heutige Berufspolitiker damals Berufsmusiker geworden, die Vernunft trieb ihn aber ins Jurastudium. Als Hobby ist die Passion geblieben, er teilt sie mit seiner Frau, die ebenfalls Geige spielt. Wird Mentha wiedergewählt, würde sich der Kreis schliessen. Denn dann erbt er das Kulturressort und wird gewissermassen zum Schirmherr über das Gurten-Festival. Nicht Anwalt, aber Grossrat Auch wenn ihn das Volk wiederwählt: Für die Familie und die Musik wird Luc Mentha künftig mehr Zeit haben. Theoretisch zumindest. Denn das Vollamt wird nur noch mit 80 Prozent dotiert sein. «Ich habe unwahrscheinlich viel Freude an diesem Amt, aber ich bin kein Polit-Süchtiger», sagt er. Statt «deutlich über 100 Prozent» zu arbeiten, werde er den Ausgleich noch bewusster pflegen, sagt Mentha, und schaut zum makellosen Alpenpanorama. Ein Nebenjob als Anwalt beispielsweise komme nicht in Frage. Eine Kandidatur als Grossrat aber schon, «um dort die Könizer Interessen zu vertreten». Highland auf dem Teller Die schottischen Hochlandrinder bestaunen ihren Gast. Derweil erzählt der Bauer dem Gemeindepräsidenten, dass er landesweit zu den 25 grössten Züchtern dieser Rasse gehört. Auf seinem Betrieb «Im Aebersold» hat Ruedi Balsiger ein schottisches Imperium aufgebaut: Den Highland-Gurten. Dort amüsieren sich Büroleute und Hochzeitsgesellschaften bei schottischem Essen, Spielen und Whisky. Im letzten Dezember war auch der Könizer Gemeinderat zum Weihnachtsessen auf dem Hof zu Gast. Von grüner Seite wurde schon moniert, Balsiger trage dazu bei, dass der Eventitis auf dem Gurten immer mehr die Erholung verdränge. Luc Mentha gehört nicht zu den Kritikern. Balsiger ist für ihn einer, der sich auf die Umstrukturierung in der Landwirtschaft beispielhaft eingestellt hat. Auch in Bezug auf den Gurten Park im Grünen zeigt sich Mentha wirtschaftsfreundlich. Ohne den Einstieg der Migros wäre das grosse Angebot auf dem Berner Hausberg nicht möglich gewesen. «Dieses Engagement ist ein Riesenglück für die ganze Region Bern.» Vor der Talfahrt gönnt sich Mentha im Gurten-Restaurant ein Zmittag. Vor Jahren gab es dort eine Spezialitätenwoche: Steaks von Balsigers Hochlandrindern landeten schön arrangiert auf den Tellern. Hätte Mentha das übers Herz gebracht? «Ja, ein gutes Stück Fleisch esse ich immer gerne.»Katharina MerkleLuc Mentha (SP) ist seit Juli 2004 Gemeindepräsident von Köniz. Von 2003 bis 2004 war er Generalsekretär der Direktion für Sicherheit, bzw. Soziale Sicherheit der Stadt Bern. 1980 bis 1988 war er Teilhaber im Anwaltsbüro Huber, Mentha und Trenkel in Bern. 1979 machte er das Staatsexamen als Fürsprecher. >

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