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Hilfe, die Schweiz ist schwanger

pädu anliker

Gedanken eines Singles zum Thema Familie, Gesellschaft und Sozialhilfe... Die halbe Westliche Welt scheint schwanger zu sein, dicke Bäuche soweit das Auge reicht und gestresste schwangere Frauen, die sich zu hunderten in Cafés – die blöderweise MC Anliker für sein Morgen-Enddröhnungs-Ritual frequentiert– mit Halbwahrheiten aus dem Fernsehen und dem Bekanntenkreis zum Thema Kinder austauschen – stundenlang. Gut, meistens redet nur eine von beiden, «die Reifere», wohl diejenige, die mehr im Internet surft oder mehr Zeit hat auf SAT1 die Familien-Reality-Shows zu sehen, wie z.B. «Die Supernanny», wo Deutschlands «White Trash» fernsehgerecht präsentiert wird. Die neuen Hummer-Allzweck-Kinder-Kampf-Wagen und Veloanhänger der schon geborenen Babys versperren derweilen Haus-, Café- und Ladeneingänge, weil in der Architektur, wo ein massiver Preiskampf um die zu verbauende Fläche herrscht, niemand mit diesen neuen Tools rechnet; weil es eh zu teuer wird, nimmt doch ein heutiger Kinderwagen die halbe Fläche eines Mittelklasse-Wagens ein. Ein Autoabstellplatz kostet heute locker 80000 Franken. Auf dem schonerwähnten deutschen Fernsehsender gibt es eine neue Sendung zum Thema, mit dem stimmungsvollen Namen: «Deutschland ist Schwanger..!!!» Ausgestrahlt natürlich zur besten Sendezeit, die in Neudeutsch «Primetime» heisst. Für den Werbemarkt hochaktuell, und man kann ruhig davon ausgehen, dass Multi Migros schon massiv im Schweizer Werbefenster eingekauft hat. Nichts kommt im Moment besser rüber als Kinder und die ganze Industrie drum herum. BABYBOOM..!!! Unterbundene und Leute, die keine Kinder haben wollen, was sehr verständlich und ehrbar ist, müssen sich in Acht nehmen, gesellschaftlich wird ihnen in der nächsten Zeit ein harter Wind entgegen blasen... Gegen Kinder-haben ist eigentlich nichts zu sagen. Es ist etwas vom natürlichsten der Welt, alle wissen wie es geht, und es ist auch keine Kunst ein Kind zu machen, und manchmal ist es sogar noch mit Lust verbunden, also easy going – eigentlich. Eine Familie, eine schöne Wohnung im Paradies Park, 4 Mountainbikes, 2 Autos, 3 Handys, ein Multimedia-Center im Wohn- und eine Soft-SM Einrichtung im Schlafzimmer, Ferien halt nur noch 2x im Jahr, aber für eine Familie entbehrt man ja gerne etwas... simer ehrlech, oder? Es ist doch wichtig für die Gesellschaft, für die SVP, für die SP, für Aldi, Migros, Coop, Nestlé, CS, Raiffeisen, Postfinance, UBS, dass es Kinder gibt, Herr Anliker. Auch Sie leben von der Jugend... Ja, Ja, ich weiss, werde aber den Verdacht nicht los, dass die schon in der virtuellen Medienwelt aufgewachsenen Dauer-Telefon-Quatscher-Generationen, die nie mehr da sind, wo sie sind – also nicht mehr im Hier und Jetzt leben – den Ernst der Aufgabe erfassen. Kindermachen als Unterhaltunstool, als Steigerung des Arschgeweihes, das mit 18 Jahren auf den Steiss des Porno-Casting-Models Tatjana Mosimann aus Höfen oder aus dem Lerchenfeld gestochen wurde, der Kinder-Hummer als Steigerung des Kick- oder Snowboards des angehenden Vaters Namens Severin oder Patric, der Kinder-Spielplatz beim Säuffergässli als Erweiterung des Alkohol-Vernichtungs-Kampffeldes namens Mühleplatz... Die Fun-Gesellschaft vermehrt sich, und ich finde das nicht wirklich cool. Klar, auch Fun-Kids werden den Ernst des Lebens meistern; aber wenn wir den hohen Lebensstandart dieser Generation und die wirtschaftlichen Aussichten zueinander stellen, dann wird es hart. Eine vierköpfige Familie zahlt heute um die 1100 Franken im Monat nur schon für die Krankenkasse, Mieten werden auch nicht billiger, in der Region Thun kostet eine 4-Zimmer-Wohnung bis 2000 Franken, dann die beiden Handy-Abos für die Eltern, Festnetz, Internet Anschluss, Teleclub oder Cablecom – alles zusammen kann schnell bis 600 Franken kosten. Dann das geleaste Auto mit 1000 Franken. Kochen können die neuen Babyboomers wohl auch nicht wirklich, also Convenience Food kaufen – alles sehr viel teurer als normale Lebensmittel, auch wenn es den «Billiger»-Trend in der Lebensmittelbranche gibt. Nehmen wir da 1000 Franken, dann die Café-Besuche am Morgen je 10 Franken pro Elternteil, sind auch schon wieder 400 im Monat (5-Tagewoche), eventuelle andere Beizenbesuche, Kino, kulturelle Veranstaltungen sind noch nicht dabei, dann noch 2 x 6.70 Franken für Zigis, gibt pro Monat auch mal 415 Franken an Ausgaben. Es müssen aber auch noch Kleider für Frau, Mann und die Kinder, trendige Sport-Accessoires, Fitness-Center-Abos und Neue Bikes gekauft werden... und dann noch Ferien... Habt ihr den Taschenrechner schon zu Rate gezogen? Äs schträuti im Fau hingere! Ich komme locker auf 6600 Franken; da sind noch keine Steuern bezahlt. Also muss das Einkommen um die 8000 Franken im Monat sein, und Mann/Frau müssen einen oder zwei Jobs haben und dürfen nie arbeitslos werden. Nie zu den 10 Prozent zu erwartenden Arbeitslosen gehören und dürfen sich eigentlich auch nicht trennen, weil das die Kosten noch massiver in die Höhe treiben würde.... In der Realität wird aber heute jede 2. Ehe in den ersten 3 Jahren geschieden; und die meisten machen dann gleich wieder eine neue Familie, weil alleine sein etwas schwer zu ertragendes ist. Wer das alles bezahlt, ist mir ein Rätsel. Sozialhilfe wird heute in Budgets eingerechnet, und ohne «die liebenden Eltern» mit Jahrgängen zwischen 1960 bis 1975 und ihrem Geld fährt heute sowieso kaum mehr eine junge Familie auf der Autobahn des modernen Familienlebens... Das alles isteine schwere Hypothek für junge Leute um die 30 bis 35, die bisher im Hotel Muttern für 235 Franken Kostgeld im Monat den 6-Stern-Service genossen und die ausser «chli Chille u chli abesuuffe... sich chli pflege u chli Party mache...» noch nie ernsthaft mit dem Leben konfrontiert wurden. Zudem stellt sich die Frage: Wer verdient schon 8000 Franken im Monat? Dazu kommt, dass der Staat uns dauernd verkündet, dass er kein Geld hat – vor allem nicht für Schulen und Jugendarbeit –, also nicht bereit ist, in die Zukunft dieses Landes zu investieren... Lieber kauft er mit unserem Geld teure Kampfjets, weil man ja nie weiss, ob nicht doch noch die Liechtensteiner uns angreifen werden. Auch da nichts Neues. An einem Anlass des Thuner Seniorenrats vor zwei Wochen erklärte ich, nicht 80-jährig werden zu wollen. Weil noch 28 Jahre diese Entwicklung zum Zerfall unserer Gesellschaft beobachten zu müssen, erscheint mir eher als Strafe denn als Geschenk. Aber es kommt dann meistens anders... Dieser Text soll nicht etwa die schwangeren Frauen oder die jungen Mütter diskreditieren, nein. Es ist ja allen klar, dass es keine Kinder geben würde, wäre es Aufgabe der Männer, sie auf die Welt zu stellen. Die Frauen tragen noch immer oder schon fast wieder – viel mehr als noch vor 10 Jahren – die Hauptlast der Gesellschaft, während die jungen Familienväter ihre ganzen Streicheleinheiten und ihre vollste Aufmerksamkeit ihrem neuen I-Phone schenken... Aber nichts desto Trotz, es werden Kinder auf die Welt gestellt, ohne sich grosse Gedanken zum Warum, zum Wie oder mit wem zu machen; warum auch..?? Kindermachen ist noch fast das einzige, was Mann/Frau in unserer Kontroll-Gesellschaft ohne Eignungsprüfung, ohne Hinterlegung einer Kaution, ohne Auszug aus dem Betreibungs- oder Strafregister machen darf. Und immer, wenn es wirtschaftlich bedrohlich wird, gibt es Kinder als Lebensversicherung. Die Schweiz ist schwanger!!! Aber ob das gut kommt, kümmert uns heute noch nicht. Ein entspanntes Wochenende wünscht euch MC Anliker, Abwart Café/Bar Mokka Thun. E-Mail: sucks@mokka.ch redaktion-tt@bom.ch >

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