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Handwerker sollen Lehrer werden

Die Kantone Bern und

Schreiner, Goldschmiede, kaufmännische Angestellte, Ingenieure, Übersetzerinnen oder Journalisten als Lehrer? Die Kantone Bern, Zürich, Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn wünschen sich das. Um den Lehrermangel in den Griff zu bekommen, wählen sie den pragmatischen Weg und planen bereits für nächstes Jahr neue und vereinfachte Studien- und Weiterbildungsangebote. Der Startschuss fiel gestern an einer Medienkonferenz in Zürich. Hohe Hürden abbauen Schweizweit macht sich laut den kantonalen Erziehungsdirektoren der Mangel an qualifizierten Lehrpersonen mehr und mehr bemerkbar (siehe Text unten rechts). Statt nach Ersatz nur im benachbarten Ausland zu suchen oder die Lücken mit pensionierten Lehrern, Lehrkräften ohne Lehrdiplom oder Studierenden zu füllen, soll in den erwähnten sechs Kantonen der Zugang zur Ausbildung und Weiterbildung an Pädagogischen Hochschulen (PH) vereinfacht werden. Ausgebildete Primarlehrpersonen können sich demnach mit einer kürzeren Umschulung von vier bis zehn Monaten für die Sekundarstufe I qualifizieren. Vorab sind jedoch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit akademischer Ausbildung sowie Berufsleute mit langjähriger Erfahrung und bevorzugt mit Hochschulabschluss angesprochen. «Wer heute quer in den Lehrberuf einsteigen will, sieht sich mit hohen Hürden, wie einer langen Umschulung und längerfristigem Lohnausfall, konfrontiert. Diese Hürden wollen wir abbauen», sagte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli. Lehrer zweiter Klasse? Für den 35-jährigen Ingenieur mit einem Hochschulabschluss oder für die 40-jährige Simultanübersetzerin stehen die Türen in die Schulzimmer also wieder weit offen. Bereits früher –bevor der Lehrberuf in den Pädagogischen Schulen akademisiert wurde – hatten Quereinsteiger die Möglichkeit, relativ einfach in den Lehrberuf zu wechseln, zum Beispiel über Lehramtskurse. «Ich habe vor einigen Jahrzehnten an den Seminarien selber Schreiner und Goldschmiede unterrichtet. Das wurden später sehr erfolgreiche Lehrpersonen», berichtete der Solothurner Bildungsdirektor Klaus Fischer gestern. Martin Schäfer, Rektor der PH Bern, ist dennoch skeptisch. Zwar sind Quereinsteiger an den PH willkommen, doch, meint Schäfer, «müssen wir aufpassen, dass bei der heute hohen Qualität der Ausbildung und der entsprechend guten Qualifizierung der amtierenden Lehrpersonen keine Abstriche gemacht werden». Es stelle sich die Frage, ob die jetzt von der Politik vorgeschlagenen Massnahmen wirklich umgesetzt werden könnten. «Assessments und höhere Studierendenzahlen sind mit höheren Kosten verbunden. Es ist fraglich, ob die nötigen Gelder dann wirklich zur Verfügung stehen», sagt Schäfer. Der Lehrerberuf sei zudem anspruchsvoll, und entsprechend gelte es, geeignete Personen auszubilden. Ob das Potenzial an Quereinsteigern am Ende wirklich gross ist, bezweifelt Schäfer. «Ein paar Dutzend» Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sieht bei der Umsetzung weniger Probleme, schliesslich habe die PH Bern Erfahrung mit Assessments, Nachqualifikationen von Primarlehrpersonen und mit Quereinsteigern. Er rechnet auch nicht mit grossen Zusatzkosten. Und auf das mögliche Potenzial an Quereinsteigern angesprochen, gibt er sich optimistisch: «Wenn wir jedes Jahr nur ein paar Dutzend Lehrpersonen mehr ausbilden können, wäre das sehr gut.» Beat W.Zemp, Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH, sperrt sich nicht gegen den geplanten Weg, warnt aber vor Schnellbleichen für Quereinsteiger. Und er mahnt: Die Vorhaben könnten vielleicht den Lehrermangel der nächsten fünf Jahre mindern, doch längerfristig reichten sie nicht aus. Zentral bleibe es, die Attraktivität des Lehrberufes zu steigern. Das sieht auch Bernhard Pulver so. Ob es aber mehr Geld für höhere Lehrerlöhne gibt, wird politisch erst noch entschieden. Der Spardruck lässt in den kommenden Monaten harte Auseinandersetzungen erahnen.Michael Widmer>

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