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Grüne und VCS stellen Fragen nach dem CO 2 -Ausstoss

KVA ThunDie Grünen, der VCS und der Verein Pro Regio Thun stellen kritische Fragen zum erhöhten CO2-Ausstoss der Kehrichtverbrennung Thun. Avag-Geschäftsleiter Heiner Straubhaar entgegnet, dass das CO2 andernorts eingespart werde.

Seit gestern ist klar: Während der 30-tägigen Mitwirkung zur neuen Überbauungsordnung (ÜO) der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Thun sind beim Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) des Kantons drei Stellungnahmen eingetroffen. Sie stammen vom Verein Pro Regio Thun, von der VCS-Regionalgruppe Thun-Oberland sowie von der Grünen Partei Stadt Thun. Die neue ÜO sieht vor, dass in der KVA künftig pro Jahr bis zu 151000 Tonnen Abfall anstatt wie bisher 100000 Tonnen verbrannt werden dürfen. Möglich ist dies, weil der Energieinhalt des Abfalls, genannt Heizwert, tiefer ausgefallen ist als vor dem Bau der KVA prognostiziert. Mit der neuen ÜO soll die thermische Leistung der Anlage besser ausgenutzt werden, ohne dass dabei die aktuell geltenden Grenzwerte für Schadstoffe überschritten werden. In den vergangenen Jahren sind in der KVA stets mehr als die erlaubten 100000 Tonnen Kehricht verbrannt worden. Verein will Planung stoppen «Die Stossrichtung der Eingaben ist in zwei Fällen eher positiv, in einem negativ», erklärt Arthur Stierli, Abteilungsleiter Orts- und Regionalplanung beim AGR. Am meisten Kritik hagelt es vom Verein Pro Regio Thun. Gemäss Statuten ist das Vereinsziel, «die Lebensqualität, den gesicherten Arbeitsstandort und die touristische Attraktivität der Region zu erhalten». In dieser Funktion kämpft der Verein seit mehr als zehn Jahren an vorderster Front gegen die KVA Thun. Im Schreiben ans AGR, das dieser Zeitung vorliegt, beantragt Pro Regio, dass das Planungsverfahren eingestellt und «das Emissionsprofil dieser Anlage sorgfältig geprüft und analysiert wird». Der Verein fordert weiter, dass die Höchstmenge von 100000 Tonnen Abfall pro Jahr auch künftig «sowohl aus ökologischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht überschritten werden darf». Überdies stellt Pro Regio Thun in der Mitwirkungseingabe eine Reihe kritischer Fragen, wie etwa folgende: Welches Gremium müsste die Einhaltung der ÜO kontrollieren? Warum soll heute zusätzlicher Kehricht aus dem ganzen Land in Thun entsorgt werden? Wie soll Thun als Mitglied der Klima-Bündnis-Städte Schweiz das Ziel «5 Prozent weniger CO2-Ausstoss» erreichen, wenn in der KVA noch mehr verbrannt werden darf? Straubhaar kontert Kritik Diese Zeitung hat Heiner Straubhaar, Geschäftsleiter der KVA-Betreiberin Avag, mit der Kritik konfrontiert. Zur Problematik mit dem Treibhausgas meint er: «Durch die Abgabe von Fernwärme aus der KVA können die Bezüger Gas und Heizöl einsparen – und dies kompensiert das zusätzliche CO2.» In der Stadt Thun etwa würden durch die KVA-Fernwärme schon heute rund 5000 Tonnen CO2 eingespart, die beim Verbrennen fossiler Brennstoffe freigesetzt worden wären. Das Spiezer Biomassezentrum der Oberland Energie AG, welche zu 51 Prozent im Besitz der Avag ist, gibt zudem Dampf an die Nitrochemie sowie Strom und Fernwärme ans ABC-Zentrum ab und ersetzt dadurch laut Straubhaar weitere 10000 Tonnen CO2-Emissionen. Grüne, VCS: Positive Signale Im Zusammenhang mit dem Biomassezentrum, dessen Anlagen soeben fertiggestellt worden sind, wehrt sich der Avag-Geschäftsleiter gegen eine weitere, oft geäusserte Kritik der KVA-Gegner – die fehlenden Bemühungen um mehr Recycling. «Das Zentrum dient einzig und allein dem Recycling. Man kann also nicht behaupten, dass wir in dieser Sache nichts unternähmen», sagt Heiner Straubhaar. Innert der letzten fünf Jahre habe die Avag die Recyclingmenge verdoppelt. Zurück zu den Ergebnissen der Mitwirkung: Im Gegensatz zu Pro Regio Thun haben sich die Thuner Grünen und die VCS-Regionalgruppe Thun-Oberland mehrheitlich positiv zur neuen ÜO geäussert. «Diese zwei Interessengruppen betonen, dass die bisher erreichten Synergien, etwa durch die Abgabe von Fernwärme, weiter zu fördern seien», sagt Arthur Stierli vom AGR. Die Grünen, deren Schreiben dieser Zeitung ebenso vorliegt, begrüssen, «dass die heutige Anlage feuerungstechnisch ausgelastet werden soll». Die Strom- und Wärmeerzeugung werde andernfalls unnötig eingeschränkt. Die Partei fordert indes, dass zusätzliche Abfalltransporte zur KVA «wenn immer möglich» auf der Schiene erfolgten und umweltfreundlich seien. Als Nächstes erstellt der Kanton den Mitwirkungsbericht und prüft allfällige Ergänzungen in der neuen Überbauungsordnung. Ende Sommer soll die ÜO dann in die öffentliche Auflage gehen. Gabriel Berger >

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