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Grenzen der Stille ausgelotet

200 Zuschauer konnten die Fantasie weiterspinnen, die Carlos Martínez im Spiezer Kirchgemeindehaus auslegte. In «Books without Words» lotete der weltbekannte spanische Mime beim Kultur Spiegel die Grenzen der Stille aus.

«Wir sind überwältigt vom Publikumsaufmarsch», begrüsste Christoph Hürlimann, Präsident Kultur Spiegel Spiez. Rund 200 einheimische und auswärtige Besucher folgten dem Ruf von Weltstar Carlos Martínez ins Spiezer Kirchgemeindehaus. Auch Kinder und eine Gruppe von Behinderten weilten unter den Besuchern. Dem spanischen Kleinkünstler gelang es im Programm «Books without Words (Bücher ohne Worte)», die Grenzen von Stille auszuloten. Er faszinierte mit Ausdruckskraft der Pantomime und deren Reduktion auf das Wesentliche. Intime Entdeckungen Mucksmäuschenstill war es im Saal, bevor Lacher aus den Reihen ertönten. Der Meistermime liess in eine spezielle Lesewelt eintauchen. Stichworte wie «Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung», «Die Inspiration», «Der Stein» oder «Der Horror-Roman» und die eigene Fantasie liessen Geschichten entstehen – und Pointen mussten selbst herausgefunden werden. Er liess vor dem Spiegel an intimer Entdeckung teilhaben, dass hinter all den aufgesetzten Masken ein einzigartiges Individuum steckt. Die Wendungen waren überraschend und zum Teil verrückt, wie etwa die Geschichte mit der Kugel, in der Martínez gefangen war. Bücher und deren Helden, Retter, Pechvögel, Glücksritter oder Unholde bildeten den roten Faden. Er führte in der Szene mit der Bibliothek vor Augen, welche kulinarischen Leckerbissen sich zwischen den Buchdeckeln seines Rezeptbuches verbergen und welch exquisite Naschereien sich unter dem Deckel seiner Pralinenschachtel versteckten. In Geschichten versetzen Der Mime versetzte in die Geschichten von Don Quichotte mit seinem Stallmeister Sancho Pansa auf ihren Pferden im Kampf mit den Windmühlen, Pinocchio, wie er lügt und seine Nase wächst, Wilhelm Tell, der den Apfel vom Kopfe seines Sohnes schiesst, dieser aber den Apfel isst. Oder Sherlock Holmes mit Pfeife und Lupe. Unvermittelt verwickelte er die Anwesenden in die Geschichten, indem sie mit Fantasie den Faden weiterspinnen konnten, den der Mime auf der Bühne ausgelegt hatte. Mit knappen Andeutungen gelang es Martínez, Geschichten in den Köpfen der Zuschauer abspielen zu lassen. Publikum fasziniert «Ich denke, dass gerade weil sich die Figuren wandelten, die Geschichten nicht ganz einfach zu verstehen waren. Das hat mich fasziniert», so eine Besucherin. In der Szene nach der Pause war ein Strassenkehrer zu sehen. Der Besen verwandelte sich in einen Speer, in ein Seil, in ein Geländer. Nach der Aufführung gab es strahlende Gesichter und positive Rückmeldungen. So hiess es: «Für mich ist dieser Mime einer der besten, die ich kenne. Er spielt in klassischer Weise. Seine Darstellungen sind bis in die Fingerspitzen perfekt ausgeführt. Für mich ist er wie ein Musiker, der sein Instrument mit grosser Virtuosität und Musikalität spielt.» Heidy Mumenthaler >

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