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Glücklich, hier gelandet zu sein

Alexandra Dias kam vor

Die Mutter von Alexandra Dias las gerne Bücher und hatte eine ganze Holztruhe voll, daheim in der Wohnstube der portugiesischen Hafenstadt Porto. Für Alexandra Dias und ihre jüngere Schwester war es eine Schatzkiste. Oft stöberten sie darin herum und schlugen ihr Lieblingsbuch auf, es zeigte die Hauptstädte Europas. Alexandra Dias wählte Bern zur Lieblingsstadt. «Es war das farbige Bild in der Mitte des Buches, es zeigte die Innenstadt von oben, eine Insel, gehalten von zwei Armen, den beiden Flussläufen der Aare», beschreibt die 38-Jährige rückblickend. Mit dem Bus in die Schweiz Diese Geschichte ist aber nicht der Grund, warum sie vor 17 Jahren zum ersten Mal die Schweiz besuchte und anschliessend nichts lieber wollte, als hier zu leben. Es war ihr Grossvater, welcher die damals 21-jährige Gymnasiastin fragte, ob sie nicht Lust hätte, einmal in die Schweiz oder nach Frankreich zu reisen. Alexandra Dias sagte Ja, ohne sich gross Gedanken über diese Frage zu machen. Einen Monat später sass sie bereits in einem kleinen Bus, der sie zusammen mit anderen Portugiesen in die Schweiz brachte. Es war mitten im Winter. Die junge Frau sah zum ersten Mal Schnee und erlebte eisige Kälte. «Ich hatte zum Glück warme Kleider eingepackt», sagt sie und schüttelt nachdenklich den Kopf. Heute mag sie den Winter sehr und hat in der laufenden Saison sogar Skifahren gelernt. Koffer packen Während ihres ersten dreimonatigen Aufenthalts arbeitete Alexandra Dias in einer Gärtnerei in Lengnau bei Biel. «Die ersten Wochen waren hart. Ich hatte schrecklich Heimweh», erzählt sie. In der Schule in Porto hatte sie Französisch gelernt und war froh, in der Westschweiz gelandet zu sein, denn Deutsch verstand sie kein Wort. Das Heimweh hielt nicht lange. Rasch knüpfte die lebenslustige, offene junge Frau Bekanntschaften, verbrachte die freie Zeit mit Arbeitskolleginnen und fühlte sich in der Schweiz akzeptiert. Etwas, das bis heute geblieben ist. Um so schwerer fiel es ihr, die Koffer für die Rückreise zu packen. Sie sagt: «Am liebsten wäre ich geblieben.» Entscheidung getroffen In Portugal beendete sie das Gymnasium und machte sich nach zwei Jahren wieder auf in Richtung Schweiz. Hier verdiente Alexandra Dias in Mühleweg und später in Grindelwald ihr Geld als Küchengehilfin in der Gastronomie. Nach und nach lernte sie Deutsch. «Ich hatte mich entschieden, in der Schweiz zu leben. Ich schätze die Pünktlichkeit der Menschen hier, alles ist strukturiert. Ich könnte nicht mehr nach Portugal zurück», sagt sie bestimmt. Nach drei Jahren hatte sie genug von der Bergwelt und bewarb sich auf eine Stelle in der Mensa der Unitobler in Bern. Es war reiner Zufall, dass sie schliesslich in Bern gelandet ist. Jener Hauptstadt, die sie als Kind zu ihrer liebsten ausgewählt hatte. Begeistert vom Fliegen Seit 2007 ist Alexandra Dias die Leitern der Mensa. «Ich mag die Arbeit mit Menschen», sagt sie. Ihr Traumjob ist aber ein anderer: «Mich fasziniert die Fliegerei», sagt die sportliche Frau und fügt schmunzelnd hinzu: «Mit einem Sechser im Lotto würde ich die Ausbildung zur Helikopterpilotin machen.» Zum 30.Geburtstag erfüllte sie sich einen lange gehegten Wunsch: «Ich absolvierte einen Schnupperkurs als Helikopterpilotin auf dem Flughafen Belp», sagt Alexandra Dias und strahlt. In den vergangenen Jahren leistete sie sich einen Helikopterrundflug sowie einen Flug über die Alpen mit einer Propellermaschine. Zudem hat sie zwei Modellflugzeuge gebastelt. Sie ist begeistert von der Fliegerei, liest Bücher und Zeitschriften über die Technik. In der Freizeit steigt sie oft in den Zug, fährt zu den Flughäfen Kloten oder Genf-Cointrin oder spaziert von ihrem Wohnort Muri zum Airport Belp. Hier beobachtet sie vom Zuschauerdeck aus das Starten und das Landen der Flugzeuge. «Während andere gegen den Fluglärm kämpfen, klingt das Dröhnen der Maschinen wie Musik in meinen Ohren.» Sie mag das Treiben am Flughafen. «Mir gefällt das Gefühl des Abreisens und Ankommens, es befreit.» Ihre Leidenschaft für die Fliegerei wurde schon früh geweckt. Als Kind besuchte sie mit den Eltern mehrmals den Flughafen Porto. Hier ass die Familie zu Mittag und beobachtete dabei die Flugzeuge. Ausser schöner Erinnerungen hat Alexandra Dias nicht viel aus Portugal mit in ihre neue Heimat genommen. «Warum sollte ich. Ich habe mich entschieden, hier zu leben.» Fast wöchentlich pflegt sie per Telefon oder Mail Kontakt zur Mutter und den weiteren Familienangehörigen in Portugal. Einmal im Jahr reist sie für acht Tage nach Porto. «Länger halte ich es jeweils nicht aus», sagt sie und lacht: «Das sind keine Ferien, denn alle wollen mich sehen und laden mich zum Essen ein.» Alexandra Dias liebt die Freiheit. Sie ist ungebunden und wohnt in einer Zweier-WG. Angesprochen darauf, ob sie einmal eine Familie gründen möchte sagt sie: «Es ist gut so, wie es ist.» Bild als Hinweis Manchmal denkt sie zurück an die Geschichte mit der Holztruhe, an das Buch mit dem farbigen Hochglanzbild, auf dem Bern zu sehen ist. Sie wird nachdenklich und sagt: «Vielleicht war es ein Hinweis darauf, mir zu zeigen, wo ich einmal leben werde.» Franziska Zaugg >

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