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«Ghostdirectors» Abwesenheit

Im Film trennt Roman Polanski das Böse vom Guten – im Leben fällt ihm das schwerer.

Eigentlich hätte man die Figur Adam Lang wohl eher mit Tony Blair in Verbindung bringen sollen. Doch seit Roman Polanski vergangenen September bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen wurde, muss man bei dem fiktiven Expremier aus «Ghost Writer», gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen vorliegt, unweigerlich an den Regisseur denken, der 1978 aus den USA floh, um einer möglichen Verurteilung wegen Vergewaltigung zu entgehen. Lang bekommt im Film von seinen Beratern gesagt, dass er vorerst nur noch in Länder reisen dürfe, die den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen; neben den USA der Iran und ein Dutzend weiterer Staaten. Polanski, dem vorgeworfen wird, 1977 ein 13-jähriges Mädchen missbraucht zu haben, kehrte aus Angst vor einer Verhaftung nie mehr in die USA zurück. Auch nicht, als er 2003 mit «Der Pianist» den Oscar gewann. «Ghost Writer» ist der erste Film des französisch-polnischen Regisseurs seit «Chinatown» (1974), der in den USA spielt; gedreht aber wurde auf Sylt und Usedom. Nach seiner Festnahme stellte Polanski «Ghost Writer» zunächst vom Bezirksgefängnis Winterthur aus und später mit elektronischer Fussfessel im Hausarrest in Gstaad fertig. Das Filmteam kommunizierte mit ihm über seinen Schweizer Anwalt, schickte ihm DVDs mit aktuellen Schnittfassungen. Vergangenen Freitag feierte der «Final Cut» dann auf der Berlinale seine Weltpremiere; ohne den Regisseur. Der sass in seinem Blockhaus im Berner Oberland fest und teilte so abermals das Schicksal mit einer seiner Filmfiguren, Langs Ghostwriter, den ein Manuskript, das die Villa nicht verlassen darf, an eine unsichtbare Leine legt. Polanski als «Ghostdirector» seines eigenen Werks. Während im Film am Ende aber Ghostwriter und Lang, Künstler und Verbrecher auf unterschiedlichen Seiten stehen, lässt sich das in Wirklichkeit nicht immer so klar trennen. sv >

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