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Gespannt auf die Umsetzung

SaanenlandNachdem die Gemeinde Saanen ihre Vorschläge für Massnahmen zur Erhöhung des Erstwohnungsanteils publiziert hat, äussern sich die Initianten sowie die Gemeinden Lauenen und Gsteig dazu: Grundsätzlich werden die Massnahmen begrüsst; die Umsetzung wird als Knackpunkt angesehen.

Die Gemeinde Saanen hat mit einem Erstwohnungsanteil von 70 Prozent in den Dorfzentren und in der Landwirtschaftszone sowie einer Lenkungsabgabe einschneidende Massnahmen zur Erhöhung des Erstwohnungsanteils getroffen (wir haben berichtet). «Ich finde es mutig und zwingend, dass der Gemeinderat das Thema aufgegriffen hat», sagt Willi Bach, der bereits an der Gemeindeversammlung vom 8.Dezember 2006 folgenden Antrag durch die Gemeindeversammlung als erheblich hat erklären lassen: «Der Bestand der Wohnungen für Einheimische ist mindestens zu erhalten; insbesondere in Dörfern und in der Landwirtschaftszone.» Er habe diesen Antrag gestellt, da damals die Abparzellierung von Landwirtschaftsbetrieben ihren Anfang genommen und in den Dörfern die Anzahl an Zweitwohnungen zugenommen habe. Mit dem Massnahmenplan des Gemeinderates habe er nun das Gefühl, dass sein Antrag erfüllt worden sei. Er stehe voll und ganz hinter dem Entscheid des Gemeinderates. Dass das Verhältnis 70/30 gewählt wurde, findet er derweil gut, da man auf diese Weise mit bekannten Mitteln arbeitet: Die Gemeinde Saanen hat bereits bei der Ortsplanungsrevision 1994 Massnahmen ergriffen und bei Einzonungen das Verhältnis von 70 Prozent Erstwohnungen zu 30 Prozent Zweitwohnungen angewandt. Die Konsequenzen der nun getroffenen Massnahmen seien schwierig abzuschätzen, sagt Willi Bach; ein Echo aus der Bevölkerung sei zu erwarten. Chance für Einheimische Am liebsten noch strengere Massnahmen als nun vom Gemeinderat geplant hätte der zweite Initiant Toni Reichenbach getroffen. Er hatte an der Gemeindeversammlung vom 19.Juni 2009 durch einen Erheblichkeitsantrag den Gemeinderat beauftragt, den Erstwohnungsanteil in der Gemeinde Saanen zu regeln. «Ich bin grundsätzlich mit den Massnahmen des Gemeinderates einverstanden, doch hätten diese für mich noch restriktiver sein dürfen», sagt der Initiant und präzisiert: «Mir wären 100 Prozent Erstwohnungen – vor allem in der Landwirtschaftszone – lieber gewesen.» Jedoch habe auch er lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach und habe lieber ein 70/30-Verhältnis als gar nichts. Er begrüsst die verfügte Planungszone, da diese das Vorhaben des Gemeinderates absichere: «Ansonsten wäre womöglich eine Welle an Verkäufen ausgelöst worden», mutmasst er. Dem sei mit der Planungszone ein Riegel geschoben worden. Dieses «Verschutte» von Liegenschaften ist ein Hauptgrund, weshalb sich Toni Reichenbach für Wohnraum für Einheimische einsetzt: «Von Generation zu Generation weitergeführte Landwirtschaftsbetriebe, die verkauft werden, kommen nie wieder in den Besitz von Einheimischen», ist er überzeugt. Er möchte, dass Einheimische auch die Chance haben, eine Liegenschaft zu erwerben oder zu mieten. Klar seien die Landwirte selbst für den Verkauf verantwortlich; doch sei das grosse Geld eben verlockend. In der Lenkungsabgabe sieht er zudem «ein gutes Instrument, um Mittel zu generieren, die gezielt für Wohnraum für Einheimische eingesetzt werden können». Thematik wird aufgegriffen Von Entscheiden der Gemeinde Saanen sind oft auch die Gemeinden Lauenen und Gsteig betroffen. Im Fall des Erstwohnungsanteils reagieren die beiden Nachbargemeinden aber unterschiedlich: «Wir werden die Thematik aufgreifen, obwohl bei uns der Zweitwohnungsanteil weniger hoch ist als in Saanen», erklärt Gemeinde- und Gemeinderatspräsident von Lauenen, Ruedi Trachsel. In Lauenen liegt das Verhältnis von Erst- und Zweitwohnungen bei 64 zu 36 Prozent. Zudem seien bereits Massnahmen ergriffen worden: «Bei der letzten Ortsplanungsrevision haben wir praktisch kein Land für Zweitwohnungen eingezont.» Es sei klar, dass nicht so weitergefahren werden könne wie bis anhin mit dem Zweitwohnungsbau; doch eine Hundertachtziggradwende sei nicht möglich: «Es ist illusorisch, die Anzahl an Zweitwohnungen zu minimieren; aber man kann versuchen, ihn nicht zu erhöhen», sagt Ruedi Trachsel. Daher sei es auch nötig, dass die Initiative am 11.März abgelehnt werde, da sie schlicht nicht umsetzbar sei. Die geplanten Massnahmen der Gemeinde Saanen findet er gut, sieht jedoch ebenfalls eine Problematik in der Umsetzung. «Doch wenn wir von den Gemeinden aus nichts an die Hand nehmen, wird der Kanton uns Massnahmen vorgeben.» 50 zu 50 in Gsteig Der Gemeinde- und Gemeinderatspräsident von Gsteig, Martin Marti, möchte derweil den Entscheid des Saaner Gemeinderates nicht kommentieren. Dennoch: «Sie machen das Beste aus der Situation», auch wenn er bezweifelt, ob die Massnahmen durchsetzbar sein werden. In der Gemeinde Gsteig wurden ebenfalls bei der letzten Ortsplanungsrevision Massnahmen vorgenommen: «Neu eingezonte Bereiche wurden mit einem Erstwohnungsanteil von 50 Prozent belegt», erklärt Martin Marti. Die Thematik wird im Gegensatz zur Gemeinde Lauenen in Gsteig derzeit nicht weiter aufgegriffen. Das genaue Verhältnis von Erst- und Zweitwohnungen wird in der Gemeinde nicht ausgerechnet. Gemäss Angaben der Schweizerischen Post waren es Ende 2010 jedoch rund 84 Prozent zu 16 Prozent. In den letzten zwei Jahren habe sich das nicht gross geändert. Luzia Kunz>

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