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Geschichtenerzähler am Akkordeon

BernEin alter Maestro, ein junges Orchester und zwei Uraufführungen: Der sonntägliche Spätnachmittag im La Cappella, Berns erster Adresse für Chanson und Kabarett, verspricht Spannung.

«Schaut mal, sieht das nicht gut aus?», fragt Sergio Castelli verschmitzt und verweist auf das soeben vollendete Notenblatt. Das kann nur rhetorisch gefragt sein, denn der gebürtige Italiener weiss, was er kann. Auch «Senza meta», eine Fantasie für Akkordeonorchester, wird sich erfolgreich einreihen in die bisher rund 300 Kompositionen, die landauf, landab von jener Handharmonikagemeinde gespielt werden, die das lateinische Flair von Castellis Kompositionen liebt. Zwei gegensätzliche Werke «Senza meta» heisst ohne Ziel. Woher der Titel? «Ich liebe es, ziellos durch den Wald zu streifen. Da kommt man oft an die schönsten Orte und findet die wunderbarsten Dinge.» Ob der Altmeister damit Materielles oder Geistiges meint, bleibt offen. Denn der Feinschmecker aus Turin sucht auf seinen Wanderungen mit glücklicher Hand nicht bloss musikalische Klänge, sondern auch kulinarische Delikatessen. Die Uraufführung von «Senza meta» erinnert auch an die Ziellosigkeit von Castellis Lehr- und Wanderjahren in den 1950ern, als er, getragen von der Erfolgswelle italienischer Lieder à la Guaglione, durch Europa tourte. Kaum gegensätzlicher könnte die zweite Uraufführung sein: Sie ist Castellis bernischer Wahlheimat und wohl auch seiner Gattin Lena gewidmet, die dem Zigeuner (Castelli über Castelli) Sitzleder beibrachte. Ihr Titel: «Housi in Amerika». Das Werk für Schwyzerörgeli mit Begleitung erzählt die Geschichte vom Auswanderer Housi, der über den grossen Teich fährt und sein Örgeli mitnimmt. «Nachdem er festgestellt hat, dass in seiner neuen Heimat ganz andere Klänge ertönen, verliert er die Lust am Instrument. Es verschwindet in einer Ecke und wird vergessen. Bald kommt das Heimweh. Housi erinnert sich ans Örgeli und nimmt es mit auf einen Hügel, um zu spielen. Doch es klingt anders als früher, ein Hauch von Swing ist spürbar. Die amerikanische Musik hat ihre Wirkung getan. Dann plötzlich erscheint» Castelli hält inne. Er will der Geschichte nicht die Spannung nehmen. Mit ehemaligen Schülern Im Konzert verkörpert der junge Luca Degiorgi mit Schwyzerörgeli den Titelhelden. Wie die anderen Orchestermitglieder Maria Werren, Elia Iametti, Pascal Steffen und Dani Kohler ist auch er ein ehemaliger Schüler des Meisters. Als Orchester Ammazza Caffè sind sie die wohl aktivsten Vertreter jener Berner Akkordeontradition, die von Hermann Herzig begründet und von Sergio Castelli erfolgreich weitergeführt wird. Ulrich RothKonzert: Sonntag, 20.Februar, 17 Uhr, La Cappella, Allmendstrasse 24. Vorverkauf: Tel. 031 3328022. >

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