Zum Hauptinhalt springen

Geschichte einer Kindsmörderin

Die tragische Geschichte einer ledigen Mutter,

Brennende Kerzen im Schnee wiesen am Samstagabend den Theaterbesuchern den Weg zur ersten Station des Erzählabends in der Schlosskapelle Interlaken. Die Walliser Schauspielerin Regula Imboden erzählte in der Kapelle den ersten Teil der wahren, dokumentierten Geschichte einer ledigen Magd aus der Zeit Napoleons. Anna-Maria Christen aus dem Urserental, genannt Gully-Marie, war 1811 des Mordes an ihrem 8-jährigen Sohn angeklagt, zum Tode durch Köpfen verurteilt und im Gefängnis in Visp eingesperrt worden. Bedrohliche Atmosphäre Die Not der gefangenen Magd, die schlaflos und verängstigt in einem Kellergefängnis auf den Tag ihrer Hinrichtung wartet, stand spürbar im dunklen Raum der Schlosskapelle. Die starke Präsenz von Regula Imboden und ihre klare Stimme, musikalisch untermalt von passenden Orgelsequenzen, schufen eine bedrückende Atmosphäre im Raum, der sich niemand entziehen konnte. Die Zuschauer wagten kaum zu atmen. Wie Imboden weiter berichtete, konnte die Magd aus dem Gefängnis flüchten und in ihre Heimat zurückkehren. Jugend der Gully-Marie Im Laubengang der Schlosskapelle, der zweiten Erzählstation, berichtete Regula Imboden vom Lebenswandel der jungen Magd, die ihren Sohn nach einem Tanzabend in einer Scheune empfing und gleich danach vom Kindsvater verlassen wurde. Tragisches Unglück Weiter ging der Erzählabend im voll besetzten Schlosskeller. Als der Sohn acht Jahre alt war, bekam Anna-Maria einen Heiratsantrag – jedoch nur ohne ihr Kind. Sie konnte den Jungen nirgends unterbringen und war verzweifelt. Beim Streit zwischen Mutter und Sohn stürzte das Kind in den Mühlebach. Sie liess ihn dort liegen, beteuerte jedoch vor Gericht stets ihre Unschuld an dem Unglück. Ihr Verlobter liess sie im Stich. Zweiter Prozess Zurück in der Heimat nach der Flucht aus dem Gefängnis heiratete die Magd einen älteren Witwer und bekam einen zweiten Sohn. 1824 besuchte sie das Wallis, wurde erneut verhaftet und nach einem zweiten Prozess in Visp enthauptet. Das Gericht wies alle Bitten um Gnade ab: Man wolle dem Volk eine Lehre erteilen. «Die Richter beim Prozess sprachen immer nur von der Schuld Anna-Marias», so Regula Imboden. Die Frauen als Verführerinnen der Männer seien stets die Schuldigen gewesen. «Von der Schuld der Männer und ihren gebrochenen Versprechungen sprach niemand», sagte die Schauspielerin. Das Publikum dankte ihr, und Musiker Peter Pfammatter mit stürmischem Applaus für den spannenden Abend. Monika Hartig •www.regulaimboden.ch >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch