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Gemeinden wollen Schulhaus um jeden Preis behalten

Schulgemeinde ÖschNieder- und Oberösch wollen ihre Schule behalten und lassen sich das viel Geld kosten. Ein Anbau soll realisiert und das Schulhaus saniert werden. Bereits ab Sommer wird der Mittelstufenunterricht wieder im Ort stattfinden.

Der Rummel im Schulhaus Niederösch hält sich in Grenzen. Aktuell findet hier nur noch in einer einzigen, altersgemischten Klasse Unterricht statt. Für Abwechslung sorgt höchstens der Kindergarten, der provisorisch im gleichen Gebäude untergebracht ist. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe besuchen den Unterricht in Ersigen. Für viele Schulstandorte im Kanton Bern bedeutet eine solche Situation das Aus. Doch in der Schulgemeinde Ösch ist das Gegenteil der Fall. Engagierte Eltern setzten sich durch. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe sollen von Ersigen wieder nach Niederösch zurückgeholt werden. Dadurch können vorläufig zwei Klassen gebildet werden. Die beiden Gemeinden lassen sich das viel kosten. Um den neuen Unterrichtsformen genügen zu können, wird ein Anbau erstellt. Die Schulgemeindeversammlung hat am Freitag einem entsprechenden Bruttokredit von 950000 Franken deutlich zugestimmt. In Etappen soll zudem der alte Schulhausteil saniert werden. Dies wird die Gemeinden nochmals gegen 800000 Franken kosten. Schulkommissionspräsident Lukas Rauh präsentierte an der Versammlung noch einen weiteren Kostenfaktor: Durch die Führung von zwei Klassen im Ort entstehen der Schulgemeinde jährlich wiederkehrende Kosten in Höhe von 21000 Franken. Nicht im Alleingang Lukas Rauh stellte aber nicht die Kosten ins Zentrum. Er appellierte an die 76 anwesenden Stimmberechtigten, etwas für die Zukunft der Kinder zu machen. «Wir wollen nicht irgendwo mitlaufen, sondern als gleichwertige Partner wahrgenommen werden. Das gelingt uns nur, wenn wir unsere Schule stärken», führte er aus. Die Schülerzahlen würden steigen, und das sei eine Chance für den Schulstandort. Aus Berechnungen lässt sich schliessen, dass nächstes Jahr voraussichtlich 11 Mittelstufenschüler unterrichtet werden, dann steigt die Zahl für zwei Jahre auf 15, und für 2016 wird mit 17 Schülern gerechnet. Zur Belegung in der Unterstufe machte Rauh keine Angaben. Der Schulkommissionspräsident wies aber darauf hin, dass in Sachen Mittelstufe ein Alleingang nicht möglich ist. Das betonte auch Schulinspektor Christoph Joss. Welche Schule eine Gemeinde wolle, entscheide sie selber, erklärte er. Doch der Kanton setze dazu die Rahmenbedingungen. Unter anderem sollte eine Schulleitung für acht bis zehn Klassen zuständig sein, und der Kanton gehe von Klassengrössen mit durchschnittlich 20 Schülern aus. Der Kanton hat der Verlegung der Mittelstufe nach Ösch nur unter einem Vorbehalt zugestimmt: Die Schulgemeinde muss mit Ersigen oder einer anderen Gemeinde gemeinsame Sache machen. 63:11 für den Anbau Aus dem Kreis der Anwesenden wurde am Freitag wenig Kritik geäussert. Ein Stimmberechtigter fand das Vorgehen der Arbeitsgruppe falsch. Er war der Ansicht, dass es wichtig gewesen wäre, zuerst das Zusammenarbeitsmodell mit Ersigen auszuhandeln und dann die Belegung von Schulräumen zu planen. Eine weitere Person wies darauf hin, dass es bei den Schülerzahlen naturgemäss Wellenbewegungen gebe. «Wie steht es um die Nachhaltigkeit eures Projektes?», fragte er die Arbeitsgruppe. Er befürchtete, dass Nieder- und Oberösch in zehn Jahren über ein Gebäude verfügen, das nicht mehr als Schule genutzt werden kann. Ein Grossteil der Anwesenden liess sich jedoch von diesen Argumenten nicht überzeugen. 63 Personen stimmten einem Anbau zu, 11 sprachen sich dagegen aus. Anschliessend wurde auch die erste Etappe der Schulhaussanierung mit einem Baukredit von 70000 Franken genehmigt. Der Neubau soll auf Oktober 2012 fertiggestellt werden. Mit der Verlegung der Mittelstufe mögen die Verantwortlichen jedoch nicht zuwarten. Bereits diesen Sommer soll der Unterricht in Niederösch Realität werden. Die Sechstklässler können allerdings selber entscheiden, ob sie im kommenden Jahr lieber in ihrer Klasse in Ersigen bleiben oder in Ösch in die Schule gehen. Ursula Grütter>

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