Wenn das Festkomitee tagt, droht das totale Chaos

BurgdorfEin grandioses Festspiel soll es werden, hehres Gedankengut und schöpferische Kräfte sollen walten. Die Theatergruppe Burgdorf begeistert mit Situationskomik, menschlicher Eitelkeit und perfekten Rollenporträits.

Das Bären-Säli, rustikal möbliert und mit Geweih und Lorbeerkranz an der Wand, verströmt den Charme von vorvorgestern. Der Wackelkontakt, der immer wieder zu Licht- und verbalen Ausfällen führt, macht die Fettnäpfchen nicht weniger, dafür die Gehässigkeiten transparenter. In diesem Ambiente (Bühnenbild Heinz Egger) tagt das Festkomitee, das ein unvergessliches Festspiel zur Imagepflege der Kleinstadt auf die Beine stellen will. Wenn nur nicht der von seiner Wichtigkeit überzeugte Stadtrat Hape Zaugg (Thomas Grimm) wäre. Der Spiesser schleppt seine schwerhörige und steinalte Mutter Wanda Zaugg (Marie-Louise van Laer) mit, die das Protokoll erstellen soll. Hervorragend, wie sie mit verdrehten Strümpfen im modefreien Outfit dahockt und zwischen spitzbübischen Blicken, träfen Sprüchen und mangelndem Hörvermögen wechselt. Der Präsident des Festkomitees Roland Loosli (Ruedi Schütz) hat und gibt sich Mühe, einen Konsens zwischen seiner von ihrer Wichtigkeit überzeugten Frau Yvonne (Lilo Lévy) und dem aufrührerischen Junglehrer Bruno Beutler (Christoph Gosteli) zu finden. Weiter gibt es noch die kessen jungen Frauen Sabrina Wüthrich (Selina Burri) und Philippa Romero (Salomé Lévy), die um die Gunst von Bruno buhlen und organisatorisch das Festspiel im Griff haben. Alles läuft schief Den Reigen vervollständigen der versoffene Rentner Beat Hungerbühler (René Blum), der sein Elend an den Sitzungen zum Thema macht. Dann taucht Hundezüchter Res Wüthrich (Hansjürg Brodbeck) auf, der Sabrina vor Unüberlegtheiten mit Bruno bewahren will. All diese Figuren prallen ungebremst auf-, gegen-, und übereinander im Bemühen, optimale Bedingungen für ein Festspiel zum ewigen Ruhm der Stadt – und natürlich auch ihrer selbst – zu schaffen. Natürlich läuft alles schief, was schieflaufen kann. Und ebenso natürlich endet das Ganze im totalen Chaos. Spiegel der Eitelkeiten Versiert hat Regisseur Stefan Meier die Rollen typengerecht besetzt. Er belässt dem Stück seine brave Biederkeit mit Raum für «nette» Sticheleien und eitle Zurschaustellung. Die Spielerinnen und Spieler agieren voller Elan, mit spürbarer Spielfreude und mit beachtlichem Können. Die Szenen werden mit minimalen Veränderungen auf offener Bühne erstellt, untermalt mit etwas Musik. Die Komödie «Das Festkomitee» des Engländers Alan Ayckbourn bezieht den Witz und die Spitzfindigkeiten aus den ewig gültigen Alltäglichkeiten und Rivalitäten einer Gruppe. Diesen Spiegel der Eitelkeiten und Turbulenzen lässt sich das Burgdorfer Publikum begeistert vorhalten. Ursina Stoll-Flurywww.theaterburgdorf.ch >

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