«Bei der Religion herrscht Analphabetismus»

«Darf man in der Schule

glauben?» Die Vereinigten

Bibelgruppen liessen diese Frage gestern an einem

Podiumsgespräch in der Uni Bern diskutieren.

Viele Lehrer seien verunsichert und wüssten nicht, wie sie sich verhalten sollten. «Wir sind in einem Zeitgeist der Einschränkung und leben in einem Klima der Ängstlichkeit und Rechthaberei», sagt Anton Strittmatter von der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Die von ihm beschriebene Verunsicherung erleben die Lehrer, wenn es um Religion in der Schule geht. Das spüren auch die Vereinigten Bibelgruppen (VBG), eine christliche Bewegung, die deshalb zu diesem Thema ein Podiumsgespräch organisiert haben. «Darf man in der Schule glauben?», lautete der Titel. Das innere Feuer Die Gesprächsrunde war sich rasch einig, dass die öffentliche Schule zu keinem religiösen Bekenntnis erziehen darf. Aber für Hans Ambühl, Generalsekretär der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz, gehört die religiöse Bildung in die Schule. Unterstützung bekam er vom pensionierten Sektenberater Georg Schmid, der feststellte: «Viele Elternhäuser geben ihren Kindern religiös gar nichts mehr weiter.» So wie Lehrer versuchten, Schülern ihre Freude an der Kunst oder der Geschichte zu vermitteln, «wäre es schön, wenn sie auch etwas Freude hätten an ihrer Religion und dazu stehen könnten», meinte er. Denn Bildung vermitteln könne nur, «wer davon gepackt ist». Auch VBG-Mitglied und Gymnasiallehrer Daniel Kummer plädierte dafür, dass der Religionsunterricht von Lehrern angeboten wird, die selber eine religiöse Überzeugung mitbringen. Kadriye Koca-Kasan, eine Muslima aus Basel, liess keinen Zweifel an der Wichtigkeit des Religionsunterrichts aufkommen. Religionen würden von Hoffnungslosigkeit befreien, «und sie ermuntern, Gutes zu tun», sagte sie. Religions-AnalphabetismusTrotzdem herrsche heute bei den Schweizer Kindern bezüglich religiösen Wissens «blanker Analphabetismus», stellte Ambühl fest. Ins gleiche Horn stiess Strittmatter, der am «Lehrplan 21» beteiligt ist. Er warnte davor, dass Religion als Bildungsgut verloren gehen könnte. Nebst dem Grundwissen über Religionen müsse die Schule ein Grundwissen über ethische Zivilisationsregeln vermitteln, was mit Religion verbunden sei. Doch hier intervenierte Martina Meier. Die Gymnasiallehrerin ist Initiantin der Arbeitsgruppe «Bildung und Aufklärung». Sie wehrte sich dagegen, dass Ethik und Religion ins gleiche Schulfach gepackt werden. Ethikunterricht müssten alle gleichermassen besuchen, vom Religionsunterricht aber sollten sich die Schüler dispensieren lassen können, fand sie. Überhaupt übte sie harsche Kritik an frommen Lehrern, die die Evolutionstheorie ernsthaft infrage stellten und so «die Aufklärung untergraben». sgs >

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