Pionier des Monumentalen

Mit seinen Schwarzweissbildern kam er zu internationalen Ruhm. Gestern ist der Berner Balthasar Burkhard 65-jährig gestorben.

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Er fuhr ins Amazonasgebiet und reiste in die Wüste Namibias. Er flog über «Mega-Städte» und den Berninagletscher: An den extremsten Orten schoss Balthasar Burkhard seine Bilder, doch nie schnell und flüchtig, sondern mit der Bedächtigkeit eines Studiofotografen. Grossformatig und schwarzweiss: Die unverkennbaren Werke von Balthasar Burkhard wurden in der internationalen Kunstszene zum Begriff, lange bevor der Boom der Fotokunst begann. Das gilt ebenso für seine Aufnahmen von Körperteilen, von gefiederten Flügeln wie auch für die Serie von Tierporträts und seine Städte- und Landschaftsbilder. Burkhards Fotografien sind eigentliche Lichtskulpturen von klassischer Schönheit, deren künstlerische Qualität nicht zuletzt in der Irritation des Betrachters liegt.

Bilder im Kopf

Dabei verstand sich Burkhard nicht als Fotokünstler. «Ich bin Fotograf», hielt er dezidiert fest. Aber kein Landschaftsfotograf im traditionellen Sinn: «Ich fotografiere nicht Landschaften, sondern etwas, was es gibt, und was in mir etwas auslöst, Emotionen, ein Gefühl. Ob das Sujet nun eine Stadt ist oder eine Naturlandschaft, spielt keine Rolle.» Ein Bild entstehe nicht erst bei der Aufnahme, sondern vorher im Kopf. «Ich fotografiere wenig. Ich denke viel über das Bild nach, das ich machen will. Wenn ich es weiss, mache ich es.»

Bereits als Kind interessierte sich der am 24.Dezember 1944 geborene Berner für Fotografie. «Traurige Landschaftsaufnahmen mit Telefonmasten» nannte Burkhard seinen ersten, in der 2.Klasse belichteten Film. Sein Vater hatte ihm die Kamera auf die Schulreise mitgegeben, und dieser war es auch, der seinem Sohn vorschlug, Fotograf zu werden. Anfang der Sechzigerjahre machte Burkhard eine Lehre beim Berner Fotografen Kurt Blum. Ab 1965, inzwischen mit eigenem Atelier, porträtierte er viele Künstler – auch filmisch – und arbeitete eng mit dem damaligen Berner Kunsthalle-Direktor Harald Szeemann zusammen.

In den späten Siebzigerjahren lebte er in New York und Chicago. Hier lernte er auch die Lehrerin Vida Rudis kennen, die er 2007 heiratete. Zurück in der Schweiz, arbeitete er ab 1982 mit verschiedenen Künstlern zusammen und stellte in renommierten Museen in Tokio, Paris und Mailand aus.

1997 begann Burkhard mit Luftaufnahmen von Metropolen wie Tokio, Los Angeles, Mexico City und Chicago. Ob bei den Städtebildern oder bei den Wüstenaufnahmen: Die Überformate lassen den Betrachter jegliches Gefühl für Realität und Grössenverhältnisse verlieren.

Wortkarg und humorvoll

In manchen Jahren wurden Burkhards Bilder in bis zu 20 Ausstellungen weltweit gezeigt. 2004 widmete ihm das Kunstmuseum Bern eine umfassende Retrospektive. Burkhard selbst stand indes nicht gerne im Mittelpunkt. Er war ein wortkarger Mensch, der aber sehr humorvoll sein konnte. Über seine Werke sprach er kaum: «Es ist alles gesagt, lasst einfach meine Bilder sprechen.» Gestern ist Balthasar Burkhard, der zwischenzeitlich im Neuenburger Jura lebte, 65-jährig in Bern verstorben. mei/lm

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Erstellt: 17.04.2010, 00:30 Uhr

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