Neue Ausstellung zum Handarbeiten in der Schule

Das Schulmuseum Bern zeigt im Schloss Köniz eine Sonderausstellung zum Handarbeiten. Vom 19. Jahrhundert bis heute gibt die Ausstellung einen Überblick über das von den einen mehr, von den anderen weniger geliebte Fach.

Elisabeth Eichelberger hat sich eines Themas angenommen, das polarisiert: des Handarbeitens in der Schule. Die Dozentin der PH Bern zeigt in der Ausstellung, wie das Fach Handarbeiten seit dem 19. Jahrhundert dem Wandel der Gesellschaft unterworfen ist. Mit der Einführung der Schulpflicht vor 175 Jahren wurde das Fach Handarbeiten für Mädchen obligatorisch. Seither hat es sich zum «mehrdimensionalen Textilunterricht» entwickelt und ist nicht mehr nur den Mädchen vorbehalten. Die Industrialisierung und die Veränderungen in der Gesellschaft prägten das Schulfach wie kaum ein anderes. Neu formulierte Lernziele ermöglichten einen aktuellen und sinnstiftenden Unterricht. Flicken war zentral Aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Schule hat das Schulmuseum die Sonderausstellung «Vom Handarbeiten zum mehrdimensionalen Textilunterricht» erweitert und neu gestaltet. Zudem wurde eine kleine Ausstellung über «Die Geschichte der Nähmaschine» integriert, weil die technische Entwicklung des Nähens grossen Einfluss auf den Unterricht hatte. Die Ausstellung wurde von Elisabeth Eichelberger konzipiert. Bei der Gestaltung wirkten Tina Locher, Hilfsassistentin an der PH Bern, und Martha Häberli, Werklehrerin und ehemalige Kulturbeauftragte, mit. In der Ausstellung sind fünf Stationen wichtig. Im 19. Jahrhundert, Anfang des 20. Jahrhunderts und während der beiden Weltkriege waren folgende Fähigkeiten zentral: Socken stricken sowie Wäsche und Kleider nähen. Denn die Kleider sollten möglichst lange tragbar bleiben. Die Ressourcen waren knapp, das Ausbessern eine Notwendigkeit. Damals ging es in erster Linie darum, Gegenstände nach Vorlage herzustellen und zu flicken. Gesellschaftlich höhergestellte Frauen durften sich dem Sticken widmen, um Wohnaccessoires wie Tischtücher zu gestalten. In der Ausstellung werden dazu das Stricken von Strümpfen, Flicktechniken oder Kreuzstichmuster gezeigt. Die Technik hielt Einzug In der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre wandelte sich die Gesellschaft. Die Wirtschaft war im Aufschwung, die Landesgrenzen wieder offener. Socken, Tricot-Unterwäsche, Hemden und vieles mehr konnten industriell und in Massen produziert werden. Für den Textilunterricht bedeutete dies, dass die ökonomische Notwendigkeit in den Hintergrund trat und neue Lernziele formuliert werden konnten. Auch hier gibt es in der Ausstellung praktische Beispiele zu sehen. Erst 1983 gemeinsam 1983 wurde im Kanton Bern die Koedukation, die gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen, eingeführt. Der gemeinsame Unterricht stellte neue Anforderungen an das Fach. Das reine Vermitteln von Techniken und Fertigkeiten trat in den Hintergrund. In Deutschland wurden in der universitären Ausbildung neue Fachdidaktikmodelle entwickelt. Die Trends hielten in den 1990er-Jahren auch in der Schweiz Einzug. So wurden zum Beispiel Textilien als Medien oder als Zeitdokumente erkannt. Zudem wurden die Techniken als Mittel zum Zweck und nicht mehr als Zielsetzung definiert. Ein buntes Angebot Im heutigen Unterricht lernen die Schülerinnen und Schüler recherchieren, analysieren, vergleichen, entwickeln, erproben und experimentieren. In der Ausstellung werden hierzu Taschen, Kleider aus Recycling-Materialien und Kurzfilme über die Wirkung und Bedeutung von Kleidern gezeigt. Eine kleine Bibliothek mit Lehrplänen, Lehrmitteln und Fachbüchern ergänzt die Exponate. Das Schulmuseum befindet sich im Haberhuus auf dem Schlossareal in Köniz. cho/pdÖffnungszeiten: Mittwoch und Samstag: 14 bis 17 Uhr, Sonntag: 13 bis 16 Uhr. Geschlossen: Ostersonntag und Pfingstsonntag>

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