Gastrobern und die falsche Zahl

Der Gastrobern-Präsident berief sich bei seiner Kritik am Rauchverbot auf eine falsche Zahl. Der Fehler

geschah bei Gastrosuisse.

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Seit am 1.Juli im Kanton Bern das Rauchverbot in Kraft getreten sei, litten die Wirte unter Umsatzeinbussen von durchschnittlich 7 Prozent. Dies ist das Fazit einer Umfrage, die der Branchenverband Gastrobern am Dienstag veröffentlicht hat (siehe Ausgabe von gestern). Glaubt man den Verbandsvertretern, so hat allein der Passivrauchschutz zu den Umsatzeinbussen geführt. Die Wirtschaftskrise habe keine oder kaum eine Rolle gespielt. Präsident Casimir Platzer sagte an der Medienkonferenz gar, dass die Umsätze der bernischen Wirte im dritten Quartal ohne Rauchverbot nicht gesunken wären.

Er verwies dabei einerseits auf die Tatsache, dass die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal leicht gewachsen ist. Andererseits berief sich Platzer auf Zahlen von Gastrosuisse respektive der Konjunkturforschungsstelle KOF. Demnach seien die Umsätze in der schweizerischen Gastronomie im dritten Quartal um 0,1 Prozent gestiegen.

Umsatzrückgang

Doch die Nachfrage bei der KOF zeichnet ein anderes Bild: Laut Richard Etter, Leiter Sektion Konjunkturumfragen, sanken die Umsätze in der schweizerischen Gastronomie im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,96 Prozent (siehe Grafik). Im gesamten Gastgewerbe (inklusive Hotels) betrug der Rückgang 4,57 Prozent.

Fehler beim Übertragen

Doch wieso sprachen Gastrobern und Gastrosuisse von einer Zunahme von 0,1 Prozent? Die Frage klärte sich gestern Abend: «Die Zahl ist falsch», sagt Gastrosuisse-Präsident und FDP-Grossrat Klaus Künzli (Ittigen), «und ich entschuldige mich für diesen Fehler.» Korrekt sei der von der KOF ausgewiesene Wert von minus 3,96 Prozent.

Der Fehler ist Gastrosuisse beim Übertragen der KOF-Daten in die verbandseigene Statistik geschehen. Diese wurde im November verbandsintern verschickt – und landete so auch bei Gastrobern und Platzer.

Dieser würde deshalb seine eingangs erwähnte Aussage nicht mehr machen. «Das ändert aber nichts an unserer Hauptbotschaft, dass das Rauchverbot viele Arbeitsplätze gefährdet und deshalb Handlungsbedarf besteht», sagt Platzer.

Auf die Ergebnisse der Hochrechnungen von Gastrobern hat der Fehler kaum einen Einfluss. Denn der Verband hat diese, um die Wirtschaftskrise doch auch noch zu berücksichtigen, mit einer Art Korrekturfaktor «bereinigt». Und dabei wurde ein Wert benutzt, bei dem beim Übertragen kein Fehler unterlaufen war. Dominic Ramel

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Erstellt: 03.12.2009, 00:32 Uhr

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