Fäkalbakterien auf Kebab-Brot

Viel Unappetitliches findet sich im Jahresbericht 2009 des Berner Kantonschemikers. In vielen Imbissbuden, Restaurants und Metzgereien liess die Hygiene zu wünschen übrig. Eine orientalische Bäckerei wurde geschlossen.

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Die Freude, herzhaft in einen Dönerkebab beissen und für weniger als 10 Franken ein währschaftes Essen geniessen zu können, wäre nicht immer so gross, wüsste man um die Zutaten. Jedenfalls blieb dem bernischen Kantonschemiker Otmar Deflorin nach der Inspektion einer orientalischen Bäckerei, die hauptsächlich Taschenbrot für Kebab und Fladenbrot herstellte, nichts anderes übrig, als diese sofort zu schliessen. «Das war das Schlimmste, was ich je gesehen hatte», betont Deflorin und ergänzt: «Was mich besonders entrüstete, war, dass es im ganzen Betrieb kein Papier hatte – weder WC-Papier noch Papiertücher für die Hände.» Und weil es im WC kein fliessendes Wasser hatte, um sich nach dem Stuhlgang die Hände zu waschen, sondern einzig mit Wasser gefüllt PET-Flaschen, dürfte der Teig für das Taschenbrot mit schmutzigen Fingern geknetet worden sein. Solche Erfahrungen machen die Lebensmittelinspektoren des Kantons Bern alle Jahre wieder. Im Jahresbericht 2009 des kantonalen Laboratoriums Bern finden sich weitere unappetitliche Müsterchen.

Metzgereien und Beizen

10077 Betriebsinspektionen haben Otmar Deflorin und sein Team im letzten Jahr durchgeführt. In 6602 Fällen (66 Prozent) kam es zu Beanstandungen. Bei 955 Inspektionen wurde eine erhebliche oder gar grosse Gefahr für die Konsumierenden festgestellt. Die mikrobiologischen Kontrollen sind auch 2009 teilweise ernüchternd ausgefallen. 62 von 176 Proben aus Metzgereien mit Eigenproduktion wurden beanstandet. Grund für die hohe Beanstandungsquote sind vor allem die zu lange Lagerung von aufgeschnittenen, hitzebehandelten Fleischerzeugnissen, wie Schinken oder Aufschnitt. Aber auch zu optimistische Haltbarkeitsangaben sowie mangelhafte Reinigung von Geräten führten zu Beanstandungen.

Nur wenig besser sind die Kontrollen von Lebensmitteln in Restaurants ausgefallen: 829 von 2806 Proben wurden beanstandet. Dies meist wegen mangelhafter Hygiene oder zu langer Aufbewahrung. Positives gibt es dafür aus Konditoreien zu berichten. Kantonschemiker Deflorin stellt in diesen Betrieben ein «stark verbessertes Hygieneverständnis» fest.

Schlecht fiel die Qualität von Tätowierfarben aus. In 6 von 14 Proben wurden verbotene Farbstoffe, Konservierungsmittel, giftige Schwermetalle und Krebs erregende Nitrosamine gefunden. Ein Tätowierstudio wurde sofort geschlossen.

154 Strafanzeigen

Trotz einer hohen Zahl von Beanstandungen ist Otmar Deflorin überzeugt, dass der Einsatz der vollamtlichen Lebensmittelkontrolleure sich positiv ausgewirkt hat. Die Inspektionen, die eine erhebliche und grosse Gefahr ergaben, konnten von 20 Prozent im Jahr 2008 auf 14 Prozent (2009) gesenkt werden.

Im Jahr 2009 hat das Kantonale Laboratorium Bern 154 Strafanzeigen eingereicht – doppelt so viele wie 2008. Urs Egli>

Erstellt: 11.02.2010, 00:30 Uhr

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