Ein Grindelwalder auf Hawaii

Hotelier Chris SteuriSeit drei Jahren leitet er das Koa Kea Resort auf Kauai, eines der besten Hotels auf Hawaii. Obwohl Chris Steuri seinen Heimatort im Berner Oberland schon als junger Mann verlassen hat, zieht es ihn immer wieder heim.

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Sieben lange Stunden wütete am 11.September 1992 der Hurrikan Iniki über die Hawaii-Insel Kauai und hinterliess eine Spur der Verwüstung. Chris Steuri war damals Manager des luxuriösen Stouffer-Hotels und musste die Verantwortung für die Sicherheit seiner 500 Hotelgäste über-nehmen.

«In diesen dunklen Stunden, wo es keinen Strom, kein Licht, kein fliessendes Wasser und keine funktionierenden Toiletten gab, habe ich mich auf meine Ausbildung bei der Schweizer Armee besonnen», erzählt Chris Steuri. «Und das war: In der Ruhe liegt die Kraft. Also kühlen Kopf bewahren, einen Plan machen, Besonnenheit ausstrahlen und auf jeden Fall verhindern, dass unter den Gästen Panik ausbricht.» So kam es, dass die Gäste mit ihrem Hoteldirektor bei Kerzenlicht auf den Fluren sassen und in vergleichsweise entspannter Atmosphäre Hummer assen. Eine grosse Ladung der Meerestiere war kurz zuvor angeliefert worden – VIP-Behandlung auch während des Hurrikans.

Das Stouffer wurde zerstört und nicht wieder aufgebaut. An seiner Stelle entstand vor drei Jahren das Koa Kea Resort, eines der besten Hotels in Hawaii. Der gebürtige Grindelwalder sieht sich auf Hawaiis «Garteninsel» am Ziel seines Bilderbuchaufstiegs auf der Hotelierkarriereleiter. Das «Ankommen» hat sicher auch damit zu tun, dass seine Frau Charlene aus Hawaii stammt.

Bekannte Grindelwalder

Die Steuris sind eine alteingesessene Grindelwalder Familie. Chris Steuris Grossvater Fritz gelang 1921 die Erstbesteigung des Eiger-Nordostgrats, besser bekannt als Mittellegigrat. Er war der Erste im Ort, der Ski besass – und so begeistert von den Brettern, dass er in seinem Heimatort ein regelrechtes Skifieber auslöste. Fritz Steuri wurde erster Schweizer Skimeister und steckte auch seine vier Söhne an. Chris Steuri weiss aus Erzählungen, dass bei manchen Skirennen sein Grossvater, sein Vater und dessen drei Brüder gleichzeitig am Start waren. Chris Steuris Mutter Trudi war eine geborene Bohren, eine der ersten Grindelwalder Familien, die bereits in einer Chronik aus dem Jahr 1150 erwähnt ist.

Eigentlich wollte Chris Steuri Tierarzt werden. Doch die fehlenden Lateinkenntnisse erstickten sein Vorhaben schon früh im Keim. Ins Hotelgeschäft kam er durch seinen Onkel, dem in Grindelwald das Hotel Kreuz gehörte, wo Chris am Wochenende zur Aufbesserung seines Taschengelds jobbte. Mit der Berufswahl Hotelier stand dem jungen Chris Steuri die Welt offen. Sein erster Job führte ihn nach Montreal in Kanada, wo er im Westin Hotel ein Jahr lang internationale Luft schnuppern wollte. Doch das Retourbillett liess er verfallen, stattdessen nahm er ein Stellenangebot in Toronto an. Es ging weiter nach Arizona und Philadelphia.

Traumfrau auf der Trauminsel

Der ehrgeizige Grindelwalder durchlief alle Positionen des Hotelberufs. Nachdem er in mehreren Grossstadthotels gearbeitet hatte, stand ihm der Sinn nach einer Urlaubsdestination. «Mein Vorteil war, dass ich nicht nur eine breitangelegte Ausbildung hatte, sondern auch flexibel und unabhängig war», meint Chris Steuri. Es dauerte nicht lange, bis er 1981 ein Jobangebot im Wailea Beach Resort auf der Hawaii-Insel Maui in der Tasche hatte. Auf der Trauminsel sollte er bald seiner Traumfrau begegnen: Charlene arbeitete im selben Hotel als Gästebetreuerin und war gerade zur Miss Maui gekürt worden. «Was für ein Glück, dass ich mich von der Vielzahl ihrer Verehrer nicht habe abschrecken lassen», lacht Chris Steuri, und Charlene winkt bescheiden ab: «Come on, so schlimm wars auch wieder nicht.» 1989 wurde auf Hawaii geheiratet, drei Jahre später kam Tochter Steffi zur Welt. Die kleine Familie war mittlerweile in den US-Bundesstaat Tennessee übersiedelt.

Mit der Heimat verbunden

Über all die Jahre blieb Chris seiner Heimat Grindelwald mit regelmässigen Besuchen treu. Ihm lag vor allem am Herzen, dass seine beiden Kinder – Sohn Ben wurde 1994 geboren – ihre Schweizer Wurzeln kennen lernten. Jahr für Jahr verbrachten Charlene und die Kinder die gesamten Sommerferien (in Amerika drei Monate) in Grindelwald, während Chris berufsbedingt nicht länger als drei Wochen mitkommen konnte. Die regelmässigen Urlaube in der Schweiz wurden umso wichtiger, als Chris die Leitung des feudalen Stanford Court in San Francisco übernahm und mit der Familie im Hotel wohnte. «Für die Kinder war das sicher eine ungewöhnliche Situation, aber wir haben versucht, so normal wie möglich zu leben», versichert er. So durften Steffi und Ben ihre Freunde zum Übernachten einladen, und jeden Abend wurde das Nachtessen gemeinsam eingenommen.

Kaum war das Schuljahr zu Ende, flogen die Steuris in die Schweiz. Die langen Aufenthalte in Grindelwald sorgten und sorgen immer noch für die richtige Portion Bodenständigkeit und Naturverbundenheit. «Wir sind mit den Kindern zum Bergsteigen, Klettern, Skifahren, Jagen und Angeln gegangen und haben ihnen somit ein Kontrastprogramm zum Hotelleben in der Grossstadt geboten.»

Aloha-Shirt statt Anzug

Die nächste Herausforderung stellte sich, als auf Kauai das exklusive Koa Kea Resort gebaut und Chris Steuri als General Manager ins Gespräch kam. «Von einer solchen Situation träumt ein jeder Hotelier: ein Hotel nach eigenen Vorstellungen von null an aufzubauen und Investoren zur Seite zu haben, die nicht auf jeden Cent schauen», sagt Steuri. Nur 121 Zimmer hat das Resort am berühmten Poipu Beach. Die Zimmerpreise rangieren zwischen 349 und 800 Dollar pro Nacht, die Suiten kosten zwischen 1625 und 2575 Dollar. Statt Sakko und Krawatten trägt Steuri selbst zu offiziellen Anlässen ein Aloha-Shirt, wie das in Hawaii so üblich ist.

Wegen des neuen Hotelprojekts auf Hawaii mussten die Steuris die Urlaube in Grindelwald ein paar Jahre ausfallen lassen. Doch letzten Sommer war es wieder so weit. Charlene und die Kinder fühlten sich voll in die Ortsgemeinschaft integriert. Wenn die exotische Charlene in der Metzgerei Boss mit «Gries’ach Fru Stiri» begrüsst wird, schauen die anderen Kunden schon mal kurz auf. Die Kinder verstehen alles auf Schwyzerdütsch und können einigermassen gut sprechen. Steffi und Ben nennen ihren Vater «Ätti».

Facebook und Skype

Dank Facebook und Skype können die Steuris den Kontakt zur den Freunden und Verwandten in Grindelwald aufrechterhalten. «Ättis» früherer Berufswunsch Tierarzt geht vielleicht indirekt über Tochter Steffi in Erfüllung. Der bildhübsche Teenager ist eine grosse Tierliebhaberin und studiert Tiermedizin. Schon jetzt arbeitet sie in ihrer Freizeit freiwillig in einer Tierklinik.

Chris Steuri wähnt sich in Hawaii am Ende einer langen, spannenden Reise. Eine endgültige Rückkehr eines Tages in die Schweiz ist nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. «Wir haben das Beste aus beiden Welten – der grösste Luxus, den man sich erträumen kann.»

Brigitte von Imhof>

Erstellt: 25.11.2011, 00:32 Uhr

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