Der Moldawier aus dem Bündnerland

Urs Imboden wurde von Swiss-Ski ausgemustert, weil er zu langsam war.

Nun ist er Moldawier – und schneller als viele Schweizer.

Am Hang, auf dem er 1997 im Skiweltcup für die Schweiz debütierte, feiert Urs Imboden morgen sein Jubiläum. Der Slalomspezialist, der seit drei Jahren für Moldawien startet, bestreitet in Wengen sein 100. Weltcuprennen. «Es ist schön, dass man mich im Berner Oberland nicht vergessen hat», sagt der 35-jährige Bündner. Am vergangenen Sonntag feierten in Adelboden 12500 Zuschauer den 7. Platz des «Ski-Exoten» – es war Imbodens beste Weltcup-Klassierung unter moldawischer Flagge. Besser fuhr der sympathische Sportler aus dem Münstertal nur zweimal: Vor neun Jahren im Slalom von Park City und 2002 an den Olympischen Spielen in Salt Lake City – in beiden Rennen wurde der Swiss-Ski-Techniker Fünfter; Olympiabronze verpasste er um lediglich 7 Hundertstel. Ende 2005 warf Swiss-Ski Imboden aus den Kadern – er war zu langsam gewesen. Der Kämpfer aus Santa Maria hatte aber keine Lust, den Bettel hinzuschmeissen. Als sich die Möglichkeit bot, für die ehemalige Sowjetrepublik zu starten, packte er die Chance zum Nationenwechsel – wie es vor ihm andere bekannte Rennfahrer (vgl. Grafik) getan hatten. Zweimal Moldawien bereist «Den Kontakt zu Moldawien stellten Bekannte her, die gute Beziehungen zu diesem Land pflegen», sagt Imboden. Seit Juli 2006 besitzt er den moldawischen Pass. «Ich bin ein Sportmoldawier, der in der Schweiz lebt und sich auch als Schweizer fühlt. Wenn ich auf den Skiern stehe, denke ich nicht daran, welche Flagge ich auf dem Helm trage. Ich überlege vielmehr, wie ich das nächste Tor anfahren muss.» Imboden gesteht allerdings, dass er es schätze, wenn er ohne Druck an den Start gehen könne. Urs Imboden hat Moldawien zweimal besucht.«Letztmals war ich im Mai 2009 in der Hauptstadt Chisinau. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) organisierte im Hinblick auf die Winterspiele in Vancouver eine Pressekonferenz, an der auch Biathleten und Langläufer teilnahmen», erzählt der willensstarke Sportler. Die Landessprache verstehe er nicht, ein paar Wörter könne er ableiten. «Moldawisch hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Rätoromanisch. Mit vielen Einheimischen konnte ich mich auf Italienisch verständigen.» Beeindruckt habe ihn die Herzlichkeit der Menschen. Die Armut sei in Chisinau ebenso sichtbar gewesen wie der zur Schau gestellte Reichtum wohlhabender Leute. Sein eigener Servicemann Zwei deutsche Firmen («Freunde von mir») sowie das NOK finanzieren Imbodens Olympiawinter. «Dank dieser Beiträge kann ich mit meinem Südtiroler Trainer Hans Daniel Fahrner durch den Weltcup tingeln», sagt Imboden. Die Ausrüstung (Ski, Schuhe, Bindung) stellt Fischer zur Verfügung. Einen eigenen Servicemann kann er sich nicht leisten. «Die fünf Paar Ski präpariere ich selber.» In der vergangenen Saison hatte er 3000 Franken an Preisgeld gewonnen. «Heuer verdiente ich schon 3500 Franken; 2200 allein in Adelboden», sagt er stolz. Um finanziell über die Runden zu kommen, arbeitete Imboden im vergangenen Sommer in Neuseeland als Skitrainer. Mit seinen ehemaligen Schweizer Teamkollegen versteht sich Imboden gut. In Adelboden hat er sogar mit ihnen trainiert, sonst bittet er jeweils die Slowenen oder die Deutschen um Vergleichsfahrten. «Mein einstiger Zimmerkollege Daniel Albrecht hat mir Winterkleider seiner eigenen Modelinie ‹Albright› geschenkt. Das hat mich gefreut», sagt Imboden. Eine Rückkehr in den Schoss von Swiss-Ski sei für ihn kein Thema. Eher denkt er an den Olympia-Slalom. «Wie wäre das wohl, auf dem Podest als Schweizer die moldawische Hymne zu hören?», fragt Imboden im Scherz. Im Scherz?Thomas Wälti>

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