Ritter des feinen Wortschwalls

Aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sind sie an den 4.Chrämerslam gekommen. Eigentlich zu einem Wettstreit der Worte. Am Samstag entschied im gut besuchten Chrämerhuus aber letztlich ein Kinderspiel über den Sieg.

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Die Schlacht hat begonnen: Bereits nach dem ersten Slamer gibt es im Publikum kein Halten mehr. Die Leute lachen und klatschen. Kilian Ziegler hat ins Schwarze getroffen. Es sollte nicht sein letzter Auftritt sein an diesem Samstag.

Im Chrämerhuus Langenthal ist es mittlerweile recht heiss geworden. Schon früh waren die Stühle besetzt. Einige Leute lehnen sich an die beschlagenen Fenster. Moderator Valerio Moser kündigt den zweiten Künstler an: «Von weit her, nämlich aus Deutschland: Daniel Wagner.» Moser ist Veranstalter des 4.Chrämerslam und selbst begeisterter Slamer.

Zwei ungeschlagene Poeten

«Was wir alles haben», meint der junge Mann von weit her. In einem fein gefeilten Wortschwall erinnert er die Zuhörer an die vielen nützlichen sowie unnützen Lebensbegleiter einer modernen Gesellschaft. Faszination in der ersten Reihe. «Geil!», ruft ein Mädchen. Es ist denn auch nicht mehr möglich, die beiden ersten Slamer zu toppen. Sie erhalten mit Abstand am meisten Fünfräppler in ihre Wahlurne. Die Fünfrappenstücke wurden zu Beginn ans Publikum verteilt, in der Pause kann jeder so für seinen Favoriten abstimmen. Und es kommt, wies kommen muss: Im Halbfinale stechen Ziegler und Wagner noch die letzten beiden Konkurrenten aus, um dann im Final zu Höchstform aufzulaufen.

Innovativer Text

«Ich habe für Ziegler gestimmt», gesteht Daniela Gloor. «Der Text war sehr innovativ.» Die Langenthalerin war schon öfters an Poetry-Slams.

Ähnlich gut wie die Finalisten war an diesem Abend nur noch der Österreicher Markus Köhle. Dass Hochdeutschsprechende tendenziell besser beurteilt werden, denkt Marusso Mavris aus Madiswil nicht. «Es ist halt einfach wichtig, seinen Schweizer Dialekt richtig einzusetzen», sagt er.

Schlachtsieger Wagner

Als es gegen Mitternacht geht, kommt es schliesslich zum Duell zwischen Kilian Ziegler und Daniel Wagner. Den Sieger kürt das Publikum, indem es seinem Günstling ein kleines Stofftier zuschmeisst, das jeder ebenfalls am Anfang des Abends in Empfang nehmen konnte. Der Zufall will es, dass nach der Auszählung am Ende beide je 22 Tiere zu ihren Füssen liegen haben. Das Kinderspiel «Schere, Stein, Papier» muss entscheiden. Wagner gewinnt und wird zum ersten Chrämerhuus-Ritter der Neuzeit geschlagen.

Veranstalter Valerio Moser zeigt sich mit dem Event zufrieden, war doch der Chrämerslam praktisch ausverkauft. Und: Einige Zuschauer hatten sogar noch beim Rausgehen Freudentränen in den Augen.

Christoph Anliker

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Erstellt: 08.02.2010, 00:31 Uhr

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