Klage gegen schädlichen Lärm

UnterbachDie Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm (IGF) fordert vom Bund, den Lärm vom Flugplatz

Meiringen auf ein gesundheitsverträgliches Mass zu

beschränken. Druck macht

die IGF mit einer Lärmklage.

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«Wenn eine F/A-18-Doppelpatrouille auf dem Militärflugplatz Meiringen in Unterbach mit Nachbrenner startet, werden noch in Brienz 100 Dezibel gemessen», rechnete Peter Ettler, Rechtsanwalt und Mitglied der eidgenössischen Kommission für Lärmschutzbekämpfung, an der Pressekonferenz der IGF gestern Dienstag in Unterbach vor. «In Unterbach selber erreicht der maximale Lärmpegel leicht 120 Dezibel – die Schmerzgrenze liegt bei 130 Dezibel.» In den letzten 3 Jahren gab es auf dem Flugplatz durchschnittlich 3260 Flugbewegungen mit dem F/A-18. In Aussicht gestellt werden vom Verteidigungsdepartement VBS 5000 Bewegungen jährlich.

Vertröstet statt saniert

Gegen den Lärm wehren sich betroffene Anwohner und Touristiker wie etwa der Hotelierverein Brienz oder das Freilichtmuseum Ballenberg seit Jahren. In Verhandlungen mit dem VBS fordern sie eine Obergrenze von 2500 Flugbewegungen – höchstens die Hälfte davon mit den besonders lauten F/A-18 – und vier Monate Pause im Sommer, wenn die Hotels in der Region 60 bis 70 Prozent des Jahresumsatzes mit Ruhe suchenden Gästen erwirtschaften. Bisher zeigten die Verhandlungen keinen Erfolg – im Gegenteil: Der Bundesrat verlängerte die 15-jährige Frist, welche die Lärmschutzverordnung für die Sanierung der Lärmsituation gewährte und die im Juni 2010 auslief, um weitere 10 Jahre bis 2020. «So lange können wir nicht warten», sagt IGF-Präsident Emil Feuz. «Denn mit der Zeit werden durch den Ausbau des Flugplatzes und die Schliessung anderer Militärflugplätze immer mehr Sachzwänge geschaffen.»

Vor allem aber würde ein Zuwarten auch höhere Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung bedeuten. «Als der Anhang über Militärflugplätze zur Lärmschutzverordnung vor 21 Jahren geschrieben wurde, baute man die Vorschriften noch auf den Dauerschallpegel auf», erklärte Jurist Ettler. «Seither hat die Forschung aber herausgefunden, dass man auch maximale Lärmpegel einbeziehen muss.»

Warten wäre ungesund

Ettler verweist auf eine neue Studie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Bern. Die zeigte, dass bei Lärmspitzen ab 60 Dezibel das Risiko für Herzinfarkt steigt. In Unterbach und Brienz ist die Bevölkerung bei einem F/A-18-Start selbst hinter Lärmschutzfenstern noch 78, respektive 65 Dezibel ausgesetzt. «Der Anspruch auf körperliche Unversehrtheit ist aber ein Menschenrecht», erläuterte Ettler. Der Jurist ist deshalb zuversichtlich, dass eine Lärmschutzklage Aussicht auf Erfolg hat.

Deshalb fordert nun die IGF als Interessenvertreterin der direkt Betroffenen vom VBS, die Lärmbelastung vom Flugplatz auf ein gesundheitsverträgliches Mass zu reduzieren. Konkret wird eine Obergrenze von 1250 F/A-18-Flugbewegungen und eine mindestens vier- (statt wie bisher maximal zwei-)monatige Sommerpause gefordert.

Passiert in den nächsten zwei Jahren nichts, gehen die Kläger vor Bundesverwaltungsgericht. Nachdem sie so lange umsonst verhandelt haben, seien sie überzeugt, dass nur der Rechtsweg helfe, meinten Walter Trauffer vom Ballenberg, Hofstettens Gemeindepräsident Simon Ernst und Bernhard Zumbrunn, einer der Flugplatz-Anwohner.

Sibylle Hunziker>

Erstellt: 17.11.2010, 00:31 Uhr

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