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«Gefährliche Fussgängerstreifen dürfte es gar nicht geben»

Bern Aus Sicht der Beratungsstelle für Unfallverhütung hapert es mit der Sicherheit für Fussgänger. Darum lud sie nach Bern zur Diskussion.

Kürzlich sorgten die Todesfälle zweier Schüler in Ittigen und Worb landesweit für Aufsehen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) sind mehr als die Hälfte der Verkehrstoten Fussgänger, Velo- oder Motorradfahrer. In allen anderen Ländern Europas dagegen stirbt die Mehrheit derer, die auf der Strasse ums Leben kommen, im Auto. «Haben wir die Fussgänger vergessen?», lautete darum gestern das Thema eines BFU-Forums im Kulturcasino Bern. Aus Sicht der BFU ist die Antwort klar: «Die Autofahrer sind besonders gut gestellt», sagte Direktorin Brigitte Buhmann, «aber der Fussverkehr ist ein relativ grosses Problem.» Bloss, wie soll es gelöst werden? Werner Jeger beispielsweise, Vizedirektor des Bundesamts für Strassen, möchte etwas Licht in den Verkehrssignaldschungel bringen. «Wir haben darum vorgeschlagen, die Tafel fürgefährlichen Fussgängerstreifen aufzuheben», sagte er. Der Vorschlag kommt allerdings nicht gut an. «Eine Mehrheit wünscht sich ein solches Signal.» Jeger kann das nicht verstehen: Aus seiner Sicht dürfte es gar keine gefährlichen Fussgängerstreifen geben. Als gutes Beispiel präsentierte die BFU den rund 150 Teilnehmern Schweden. Dort gibt es im Strassenverkehr einen Drittel weniger Tote als ind er Schweiz. Die Erfolge im Norden beruhten auf der Erkenntnis, dass Menschen Fehler machten, so Astrid Linder, Forschungsleiterin am Schwedischen Verkehrsforschungszentrum. Das Verkehrssystem müsse diesem Umstand mit verbesserter Infrastruktur Rechnung tragen. Allerdings: Linders Bilder von grosszügigen Kreiseln mit separaten Spuren für alle möglichen Verkehrsteilnehmer dienten kaum als Beispiel in der Schweiz, befand Thomas Schweizer, Geschäftsleiter der Organisation Fussverkehr Schweiz. Er ist gegen eine Aufrüstung, sondern zum Beispiel für Tempo 30 überall da, wo Fussgänger unterwegs sind, also auch auf Durchgangsstrassen. Und für Zebrastreifen dort, wo die Menschen sie auch benützten – auch wenn es womöglich sicherere Stellen für Überquerungen gäbe. Nur ein Vortrittsrecht Gefährliche Fussgängerstriefen gibt es für Georg Gübeli von der Kantonspolizei St. Gallen schon genug. «Mehr als die Hälfte ist gefährlich und müsste umgestaltet werden». Etwas günstiger wäre der Vorschlag von Gianantonio Scaramuzza vom BFU. Er wäre froh, wenn sich dieser Grundsatz durchsetzen würde: «Fussgängerstreifen dienen nicht der Sicherheit der Benützer, sondern dem Vortrittsrecht.» Johannes Reichen>

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